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Karl Pfeifer mahnt kritischen Journalismus an

 

Journalist Karl Pfeifer mahnt  kritischen Journalismus ein

 

Als Kooperationsveranstaltung zwischen dem Österreichischen Journalisten Club (ÖJC) und dem Hotel Zeitgeist Vienna fand gestern zum elften Mal ein Abend der Veranstaltungsreihe „Medien im Zeitgeist“ statt. Unter dem Titel „Einzig dem Gewissen verpflichtet?“ war der Journalist und Zeitzeuge Karl Pfeifer im Gespräch mit ÖJC-Vorstandsmitglied und [Statement]-Redakteur Florian Müller im Hotel beim Hauptbahnhof zu Gast. Erstmals wurde die Veranstaltung live auf Okto Community TV übertragen. 1928 in Baden bei Wien geboren, musste der 10jährige Karl Pfeifer mit seiner Familie vor den Nazis nach Budapest flüchten, da sie Juden waren. Auf abenteuerliche Weise schlug sich Pfeifer bis nach Palästina durch, um 1951 nach Europa zurückzukehren, aus „purer Abenteuerlust“.

 

Als Redakteur der jüdischen Zeitschrift „Die Gemeinde“ wurde er zum unermüdlichen Mahner gegen Antisemitismus, egal woher er kam: „Als ich über den Antisemitismus von Kreisky und SPÖ-Leuten schrieb, wurde mir vorgeworfen, dass ich im Solde der ÖVP stehe. Später, als ich Kurt Waldheim kritisiert habe für den antisemitischen Wahlkampf, wurde mir vorgeworfen, dass ich im Solde der SPÖ stehe. In Wirklichkeit war ich besoldet von der Kultusgemeinde.“

 

Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, wenn der heute im Alter von 90 Jahren noch höchst aktive Journalist und Zeitzeuge in Schulen vor einer „Orbanisierung“ Österreichs warnt und auch die Einschränkung der Pressefreiheit in Ungarn plastisch beschreiben kann, ein Land übrigens, aus dem er insgesamt viermal wegen zu kritischer Berichterstattung ausgewiesen wurde. Karl Pfeifer mahnte ein, dass sich Journalistinnen und Journalisten nicht der Verantwortung entziehen können, kritische Fragen zu stellen. Was er sich zu seinem 90. Geburtstag wünsche, fragte Moderator Florian Müller abschließend: „Ich wünsche mir nur ein demokratisches Österreich.“

Bildcredit: ÖJC/H.Hochmuth