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Zeichen an der Wand

Nachrichten, Bücher, Einkauf, Streaming: Corona erweist sich als Spezialtreibstoff der Digitalisierung. Immer mehr Verbraucher springen auf den Zug auf, der Wettbewerb um Marktanteile und Umsätze läuft auf Hochtouren.
© Adobe Stock

Covid-19 erwies sich als starker Treiber für digitale Angebote

Es fühlte sich an wie ein unwirklicher Traum. Leere Klassenzimmer, geschlossene Geschäfte, Homeoffice, kalte Küchen, Ausgangsbeschränkungen: Der Lockdown legte sich im März als bleierner Schatten über das ganze Land. Covid-19 infizierte Gesellschaft und Wirtschaft auch mit dem Stillstand-Virus, bekannt als „neue Normalität“. Während das reale Leben auf Minimalbetrieb geschaltet wurde, herrschte in einer anderen Zone kräftig Bewegung: Das Web avancierte zum hochfrequentierten Ausweichort für wesentliche Dinge des täglich etwas anderen Lebens.

Jetzt scheint Corona die Welt endgültig in eine Digitalzone zu verwandeln. Eine Untersuchung von TQS Research & Consulting macht das Ausmaß jener Mutation sichtbar: Das Dasein findet vermehrt in den eigenen vier Wänden und online statt. Die Hälfte der Österreicher nutzt seit der Pandemie alternativ das Internet für Information oder Unterhaltung. Private Treffen, Shopping, Stadtbummel, Lokalbesuche und Events sind ins Hintertreffen geraten. 

Für die virtuelle Sphäre erweist sich solche Abstinenz hingegen als Supertreibstoff. Jene Revolution, die keinen Stein auf dem anderen lässt, erfährt durch Covid-19 weitere Beschleunigung. Das bisherige Tempo auf der Datenautobahn war ohnehin atemberaubend, jetzt scheint die Geschwindigkeits-Begrenzung überhaupt aufgehoben zu sein. Auch im Businessbereich: Während Unternehmen in der realen Welt eisigen Gegenwind spüren, verzeichnet das Internet Schönwetter mit wenigen Störfeldern. Online-Angebote erwecken den Eindruck eines Expresszugs, der ungebremst die Erfolgsschienen entlang donnert. 

Intensivere Mediennutzung 

Wer dann am Analog-Bahnhof seinen Kopf in den Business-Sand steckt, sollte sich warm anziehen. Denn der Wettbewerb um Marktanteile und Umsätze läuft auf Hochtouren. Die Medienbranche macht keine Ausnahme. Auch hier bleiben die Zeichen an der Wand nur für Verdränger unsichtbar. Daten der Unternehmensberatung Deloitte können als Orientierungshilfe dienen: Der Anteil der täglichen Leser kostenloser Online-Nachrichten ist im März um rund 35 Prozent gestiegen. Rund ein Drittel jener Zuwächse sind geblieben. Die regelmäßige Nutzung von News hinter Bezahlschranken verbuchte eine Steigerung um 25

Prozent. Auch dieser Wert konnte gehalten werden.

Jener Aufschwung basiert auf handfesten Ursachen. „Es gibt wegen der Pandemie geringere persönliche Kontakte. Somit hat sich die gesamte Kommunikation zunehmend in den digitalen Bereich verlagert. Gleichzeitig ist der Bedarf an Information stark gestiegen. Die Menschen wollen up to date bleiben und wesentliche Entwicklungen hinsichtlich der Krise permanent im Blick behalten. Das Resultat ist intensivere Mediennutzung. Hier punkten vor allem Online-Formate durch ihre hohe Aktualität“, erläutert Roland Lindner, Manager der Agentur Deloitte Digital Österreich.

Tatsächlich ist das elektronische Geschäft in Bewegung geraten, belegen etwa die Salzburger Nachrichten. „Das Interesse an Nachrichten, validen Informationen und qualitativem Journalismus ist seit Ausbruch der Pandemie bedeutsam gestiegen. Während des Lockdowns betrugen die Zuwächse bei Unique Clients bis zu 500 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Für digitale Abos konnten wir ebenfalls namhafte Zuwächse generieren. Besonders stark war die Entwicklung, was reine Digitalabonnenten betrifft. Bis Ende 2020 gehen wir hier sogar von einer Verdoppelung aus“, sagt SN-Geschäftsführer Maximilian Dasch.

Für Experten kommt dieses Szenario kaum überraschend. Schon vor Covid-19 haben Bits und Bytes ein radikales Umdenken bei den Zielgruppen angetrieben. Jetzt soll das Weltgeschehen über unterschiedliche Monitore direkt ins Haus kommen. Mit Konsequenzen für die Akteure. Lindner: „Dieser Weg ist lange vorgezeichnet. Digitale Medien gewinnen stetig an Beliebtheit. Verlagshäuser stehen dabei in Konkurrenz mit weniger seriösen Seiten und Blogs. Sie sollten sich im Web als Vertrauensinstanz positionieren, die Informationen personalisieren und ein umfassendes Bild wesentlicher Themen vermitteln kann.“

Solche Tugenden sind also kein Luxus, sondern effektive Beziehungspflege, belegen zugkräftige Marken wie Die Presse. Eine entsprechend hohe Reputation zahlt sich in jeder Hinsicht aus: „Die Nachfrage ist seit Anfang der Pandemie deutlich angestiegen. Zu Krisenbeginn gab es rund 26.000 zahlende digitale Abonnenten. Diese Zahl ist mittlerweile auf rund 31.000 gewachsen. In dieser Ausnahmesituation, wie wir sie seit mehreren Monaten erleben, braucht es hochwertigen, objektiven Journalismus, auf den sich Benutzer sowie Leser verlassen können“, konstatiert Chefredakteur und Herausgeber Rainer Nowak.

Von Christian Prenger

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Cover 4. Dezember 2021

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