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WhatsApp: Blaue Häkchen stressen Teenager

Dauernde Verfügbarkeit belastet laut Wissenschaftlern der Arizona State University die Psyche
©pixabay

Der Drang zur ständigen Verfügbarkeit stresst viele Jugendliche

Die blauen Lesebestätigungs-Häkchen bei WhatsApp setzen Empfänger unter Druck, sofort zu antworten und führen bei jenen, die auf eine Antwort warten, zu Angstgefühlen. Derzeit bieten bereits alle großen Apps eine Art von Benachrichtigung an, dass eine Nachricht auch gesehen wurde. Laut einer Studie unter der Leitung der Arizona State University sind sogar negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von jungen Teenagern zu beobachten. Es handle sich um einen „Verfügbarkeitsstress“. Viele Probanden fühlten sich überwältigt, eine große Zahl von Benachrichtigungen zu erhalten und es sei schwierig, Prioritäten zu setzen.

Digitaler Stress bei Teens

Die an der Studie beteiligten Teenager hatten eigenen Angaben nach das Gefühl, dauernd online verfügbar sein zu müssen. Funktionen wie „gesehen“ brachten einen Druck mit sich, auf die Nachrichten rasch zu antworten. Umgekehrt berichteten die Studienteilnehmer, dass sie erwarteten, dass ihre Freunde ebenfalls zügig auf ihre Botschaften antworteten. Das ging sogar so weit, dass sie langsam antwortende Freunde mittels einer anderen App stalkten.

Laut Forscherin Joris Van Ouytsel erleben viele Heranwachsende zumindest eine Art von digitalem Stress. „Ihre Belastungen werden durch spezifische Features der sozialen Medien verstärkt. Dazu gehören ‚Like Buttons‘ und Funktionen wie ‚gesehen‘. Das kann ernste Auswirkungen auf die Beziehungen mit ihren Freunden haben.“ Für die Studie haben die Fachleute neun Interviews mit 51 belgischen Schülern zwischen 13 und 16 Jahren durchgeführt.

Vier Faktoren entscheidend

Die Teilnehmer haben vier Hauptfaktoren identifiziert, die bestimmen, ob sie von anderen erwarten, dass sie rasch auf Nachrichten antworten oder ob sie die Notwendigkeit einer prompten Antwort selbst wahrnehmen. Dazu gehört, ob die Nachricht vom Empfänger gelesen wurde oder nicht, ob sie wegen einer Antwort gestalkt wurden oder nicht, wie bedacht sie darauf waren einen Konflikt mit der Person zu verhindern, der sie eine Nachricht geschickt hatten, und die Dringlichkeit der Nachricht selbst.

In allen neun Fokusgruppen sagen die Teilnehmer, dass sie eine unmittelbare Antwort erwarten, wenn eine Nachricht gelesen wurde. War das nicht der Fall, kam es bei denn Jugendlichen zu Frustration. Obwohl Features wie „Read“ und „Online“ auf sozialen Medien Druck machen, prompt zu antworten, geben fünf der neun Fokusgruppen an, dass sie auf diese Features nicht verzichten wollen würden. Sie nutzen diese Features, um zu überprüfen, ob jemand die Nachricht tatsächlich gelesen hat. Das ermögliche es ihnen, Erinnerungen an Freunde zu schicken, die eine Nachricht erhalten, aber noch immer nicht geantwortet haben.

Die Erwartungen unterschieden sich je nach dem, wem der Teenager eine Nachricht geschickt hat. Zum Beispiel geben Teilnehmer in sieben von neun Fokusgruppen an, dass sie bei einem guten Freund, unabhängig was sie gerade machen, sofort zurückschreiben würden. Handelt es sich nur um einen Bekannten, meinen sechs der neun Fokusgruppen, dass sie die Nachricht oft ignorieren. Bei Nachrichten der Eltern sind sich die Teenager nicht einig. Vier der neun Fokusgruppen sagen, dass sie die Nachricht sofort öffnen und wenn nötig antworten. Drei Fokusgruppen sagen aber, dass sie nicht unmittelbar antworten oder absichtlich eine Nachricht nicht öffnen oder lesen würden. Details sind in „Telematics and Informatics“ nachzulesen.

PTE/Red.

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