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Vorarlberger Presseclub wird aufgelöst

Nach 73 Jahren beendet der Vorarlberger Presseclub nach Ansuchen des Vorstands seine Tätigkeit
©unsplash

Der VPC entstand aus losen Zusammenkünften Vorarlberger Journalisten, die sich seit Ende 1945 trafen

Der traditionsreiche Vorarlberger Presseclub (VPC) ist seit dem gestrigen Donnerstag Geschichte. So beschloss die Generalversammlung auf Antrag des Vorstands die Auflösung des seit 1949 bestehenden Vereins. Als Grund nannte der Vorstand mangelndes Interesse seitens der Medienschaffenden und mehrere Abgänge aus dem Vorstand, dazu kämen ein geändertes Verhältnis zu bindenden Mitgliedschaften sowie das Scheitern eines Erneuerungsprozesses.

Rund 160 Mitglieder gehörten dem Verein an. Darunter waren 60, die für ein journalistisches Medium arbeiten. Der Rest stammten aus den Bereichen Unternehmenskommunikation, PR oder Öffentlichkeitsarbeit. Pandemiebedingt hatte der Verein in den vergangenen zwei Jahren kaum mehr Veranstaltungen durchgeführt. Die verstärkte Konzentration auf journalistischen Austausch und Diskussion habe zum Bedauern des Vorstands nicht das erhoffte Echo gefunden. Zudem sei es schwierig geblieben, Mitglieder zu gewinnen bzw. zeigten diese wenig Engagement. Vor allem jüngere Medienschaffende hätten trotz aller Bemühungen kaum mehr Interesse, skizzierte Presseclub-Obmann Christian Marold die Hintergründe bei der Generalversammlung in Dornbirn.

Journalistenvereinigung seit 1945

Nach der Entstehung Ende 1945 wurde der langjährige Vorarlberger APA-Korrespondent und Journalistengewerkschafter Hanns König zum ersten Obmann gewählt. Am 27. Dezember 1949 erfolgte ein Antrag auf Gründung des seit Beginn überparteilichen „Vorarlberger Presseclub“. Die konstituierende Generalversammlung fand 1951 statt. Damit ist der VPC eine der ältesten Journalistenvereinigungen im Bodenseeraum. Vereinsziele waren neben der Beziehungspflege die Erweiterung der journalistischen Bildung, zudem hielt der VPC Kontakte zu Journalistenvereinigungen in der Schweiz und Liechtenstein. Eine Subvention durch öffentliche Mittel lehnte der Presseclub stets ab.

An der Vereinsspitze war auf „APA-König“ nach Tourismus-Medienmann Helmut Herbert (ab 1973) 1988 Peter Marte, Leiter der Landespressestelle, gefolgt. Während seiner 25-jährigen Obmannschaft wuchs die Mitgliederzahl des VPC von 90 auf über 200 Mitglieder an. 2013 übernahm Axel Renner, Pressesprecher der Bregenzer Festspiele, die Führung und stieß einen Erneuerungsprozess an. Der Überalterung sollte entgegengewirkt, das journalistische Profil des Vereins wieder geschärft werden. Diesen Prozess versuchte ab 2019 sein Nachfolger Christian Marold, Chefredakteur der RZ Regionalzeitungen, fortzuführen.

Ende einer Ära

Mit dem Ende des Vorarlberger Presseclubs schließt sich ein Kapitel Vorarlberger Mediengeschichte. Generationen von Ländle-Presseleuten knüpften dort wertvolle Kontakte. Im VPC wurden aber immer wieder auch Konflikte zwischen Medienunternehmen und -schaffenden ausgetragen, obwohl sich die VPC-Führung bemühte, diese vom Verein fernzuhalten bzw. zu vermitteln. So gab es bereits in den 1950er-Jahren kleinere Rivalitäten zwischen „Vorarlberger Nachrichten“ und dem Rundfunk, sowie in den 1980er-Jahren von Aus- und Wiedereintritten begleitete Dispute zwischen „VN“-Mitarbeitenden und Redakteuren der „Neuen Vorarlberger Tageszeitung“ bzw. des ORF. Vom Presseclub initiiert wurde unter anderem die Empfehlung, Pressekonferenzen mit der Landespressestelle zeitlich zu koordinieren, um es auch Vertretern personell kleiner besetzter Medien zu ermöglichen, Termine wahrzunehmen.

APA/Red.

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