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Von Beiträgen und vom Größ-Wahn

Fein, dass ich zum Medienpaket 3 der Regierung mein Schärflein beitragen konnte.
© Privat

Jede(r) spricht gerne über die starken Stücke im eigenen Leben – über die Erfolge, die Highlights, die magischen Momente in seiner Karriere. Doch wer ist schon bereit, die eigenen Niederlagen selbstkritisch darzulegen? 99 starke Frauen bringt ExtraDienst in seiner traditionellen Sommer-Coverstory: Sie schildern die Ups ihres Berufsweges. Viele waren (dank dem unermüdlichen Einsatz der ExtraDienst-Redaktion und nachhaltig bohrender Fragen) schlussendlich dann auch bereit, uns von ihren Niederlagen zu erzählen. Denn die Downs zu meistern und mit den richtigen Maßnahmen zu bewältigen und vor allem das wesentliche Kriterium des Erfolges zu erfüllen – nämlich Fehler möglichst kein zweites Mal zu machen – zählt zu den größten Tugenden im Management.

Und – da gibt es eine mächtige Organisation in Österreich, nämlich die Wirtschaftskammer, deren Leistungen in Corona-Zeiten medial nur suboptimal gewürdigt worden sind. Die haben mit der Übernahme der Abwicklung der Corona-Förderungen ein immenses Arbeitsvolumen zu bewältigen. Grund und Anlass genug, etwas zu recherchieren, was sonst keiner in Österreich jemals abgefragt hat: Wie geht man in der wichtigsten Standesvertretung der heimischen Wirtschaft mit dieser Sisyphus-Arbeit um, und vor allem – was haben die starken Frauen in der WKÖ in diesen herausfordernden Corona-Zeiten konkret geleistet? Sohin finden Sie direkt im Anschluss an die Titelgeschichte (ab Seite 64) Blitzportraits der maßgeblichen WKÖ-Ladys, die erzählen, was während der Virus-Pandemie auf sie zugekommen ist und wie sie versucht haben, diese Herausforderung zu meistern.

Eine gewaltige Herausforderung war der Virus-Lockdown auch für die Medienhäuser Österreichs. Um einen Fortbestand der heimischen Medienvielfalt zu gewährleisten, hat die Bundesregierung unter der federführenden Leitung von Magister Gerald Fleischmann (Sie erinnern sich – er wurde in unserer Ranking-Liste von Österreichs besten Marketing-Managern die Nummer eins im heurigen Frühjahr) einerseits ein Printmedien-Förderungsprogramm aufgestellt und jüngst das Medienpaket 3 auf Schiene gebracht. Neben direkten Förderungen für die Verlagshäuser ging es in diesem Paket darum, möglichst viele von jenen zu unterstützen, die bisher noch keine Nothilfe bekommen hatten: Also Regionalmedien, Branchen- und Online-Medien. Insgesamt hat die Regierung damit als einmalige Krisenförderung 45 Millionen Euro aufgebracht. Die Initiative war aus Sicht von Kanzler Sebastian Kurz und seinem Vize Werner Kogler dringend notwendig, denn die beiden sehen Medien als kritische Infrastruktur, ebenso wie die Justiz oder der Lebensmittel-Einzelhandel. „Daher haben wir diese Sonderbehandlung initiiert“, erläutert Fleischmann im ExtraDienst-Gespräch. Die entsprechende Aufstellung, wer was an Förderung demnächst erhalten kann, lesen Sie im Top Dienst auf Seite 24. 

Das Paket stellt eine deutliche Verbesserung gegenüber dem ursprünglichen Ansatz dar, wo z.B. nur Fachmedien unterstützt werden sollten, die zwölf Mal im Jahr erscheinen. Damit wären wohl die meisten im sauren Regen stehen gelassen worden, denn kaum ein Fachzeitschriften-Verlag ist in der Lage, bei massiv rückgängigen Anzeigen-Umsätzen und bei extremen Vertriebsproblemen so oft zu erscheinen. Überlegen Sie doch einmal mit mir gemeinsam: Ein Fachzeitschriften-Verlag versendet 10.000 Exemplare im Abonnement an Firmenadressen und Entscheider. Doch die sind – coronabedingt – nicht mehr im Büro, sondern arbeiten im Home-Office. Erhalten also „ihr“ Fachblatt gar nicht mehr. Denn das lagert an den verwaisten Arbeitsstätten. Sohin waren Sofortmaßnahmen notwendig, die auch unserem Verlag einiges Kopfzerbrechen bereitet haben und mit gewaltigem Personal-, Logistik- und Kostenaufwand verbunden waren. So bieten wir den Content (samt Inseraten) all unserer Medien mittlerweile als E-Paper (kostenfrei) an und haben die Privatadressen von Tausenden Lesern recherchiert (so gut es halt ging), um eine möglichst flächendeckende Verbreitung zu gewährleisten. Was bedeutet, dass nicht nur die Einnahmen massiv rückläufig waren, sondern völlig ungeplante Zusatzkosten angefallen sind. Sohin ist kaum ein Fachmagazin in der Lage, auch während der Sommerflaute zu erscheinen, und damit haben viele einschlägige Medien ihren Erscheinungsrhythmus auf zehn oder acht Mal im Jahr reduzieren müssen.

All dies habe ich – knapp nach dem Beginn der Corona-Krise – mit Magister Fleischmann ausführlich telefonisch diskutiert und argumentiert, ihm unsere Sicht der Dinge dargelegt und – ungefragt und ohne Mandat – ein Konzept vorgelegt, wie man auf diese Gegebenheit mit den richtigen Maßnahmen und Rahmenbedingungen im Medienpaket reagieren könnte. Fleischmann ist ein guter Zuhörer. Und – sowas ist man ja von Regierungsvertretern üblicherweise nicht gewöhnt – er ist für Argumente zugänglich. Sie können sich vorstellen, wie sehr ich mich gefreut habe, dass der Löwenanteil meiner Ideen als erfahrener Fachmedien-Macher in den Entwurf eingeflossen ist. Als ich das Konvolut erstmals gesehen habe, konnte ich meinen Augen nicht trauen: Dass so viele der Vorschläge von mir – insbesondere auch, dass die Förderung mit den Arbeitsplätzen korreliert wird (noch immer der stärkste Ansatz für die Leistungsfähigkeit und Bedeutung von Medienunternehmen) – umgesetzt wurden, hat mich erstaunt und erfreut. 

Zeitgleich wurde ich zum Schatzmeister des Zeitschriften-Verbandes und damit in den Vorstand unserer Standesvertretung gewählt. Ich hoffe, dass der Grund dafür, dass ich diese Ehrenaufgabe zugeteilt bekommen habe, nicht nur darin liegt, dass man sich bei mir – dank meines Vermögens – auf der sicheren Seite wähnt und davon ausgeht, dass so einer wie ich über jedwede Form der Malversation erhaben ist.

In einem Gespräch, wo ich mich bei Fleischmann und der Regierung für das Medienpaket 3 bedankt habe – auch namens der Kollegenschaft – fragte ich ihn auch, auf welch andere Initiativen und Verhandlungspartner dieses – wie ich meine recht gelungene – Unterstützungswerk zurückzuführen sei. Fleischmann grinsend am Telefon: „Neben dem Zeitungsherausgeberverband und den Funktionären des Österreichischen Zeitschriften- und Fachmedienverbands gibt es da einen Verleger in der Zieglergasse, dessen Argumente stark, logisch und nachvollziehbar waren.“

Also bin ich schon einigermaßen stolz darauf, dass ich nun in einem Schreiben aus dem Bundeskanzleramt schriftlich vorliegen habe, dass diese Initiative „auf ein Telefonat mit Herausgeber Christian Mucha“ zurückgeht. Ich hoffe, die Kollegen sind zufrieden mit dem, was ich mich bemüht habe, in unser aller Interesse zu lobbyieren. 

Lassen Sie mich den zweiten Teil meines Leitartikels, bevor es in die verdiente Sommerpause geht (in der wir heuer erstmalig die Online-Berichterstattung durchgehend – ohne Unterbrechung – weiterlaufen lassen), zu etwas Persönlichem Stellung nehmen: Als meine Frau Ekaterina im Herbst 2019 – mit mir als Shopping-Begleiter – zur „Millionärs Shopping Queen“ (einer immens reichweitenstarken Sendung von Guido Maria Kretschmer auf Vox) eingeladen wurde, konnte niemand ahnen, dass bei der Ausstrahlung im Juni dieses Jahres 580.000 Österreicher arbeitslos sind, dass wir Millionen Kurzarbeiter haben, dass das ganze Land wirtschaftlich und gesellschaftlich heruntergefahren ist und dass die größte Krise der Zweiten Republik – völlig unerwartet – über uns hereingebrochen ist. Ein halbes Jahr später hätten wir bei einem Trash-Format dieser Art, wo es um Luxus und Millionäre geht, auf keinen Fall zugesagt. Denn so etwas ist in Zeiten, wo viele ums Überleben kämpfen, politisch definitiv gar nicht mehr korrekt. 

Im letzten Leitartikel durfte ich Ihnen erzählen, welch unglaublichen Hype die jüngst veröffentlichte Sendung nach sich gezogen hat. Über 1000 Prozent Zuwachs auf unserem Blog, eine Vervierfachung unserer Online-Zugriffe und insgesamt 16 TV-Beiträge haben Ekaterina und mich „kalt“ erwischt. Unglaublich, was Fernsehen mit seiner Mega-Reichweite bewirken kann. Man muss so etwas erst selbst erleben, um sich eine Vorstellung zu machen, welche Kraft dieses Medium hat. Alle diese Berichte waren unisono positiv, voll des Lobes für meine elegante und modeaffine Frau, 98,2 Prozent der sozialen Kommentare sind positiv ausgefallen. Da weiß man dann, dass man einiges richtig gemacht hat. 

Doch kein Sonnentag vergeht ohne Schatten: Nach einem Anruf der Redaktion von „RTL Exklusiv“ (das Star-Magazin), einem Format mit 12 Prozent Reichweite und einer 2,2-Millionen-Seher-Power, wurde uns angeboten, dass RTL uns in Kärnten besucht. Wiewohl Ekaterina und mir klar war, dass dies ein trashiges, manchmal auch einigermaßen grindig daherkommendes, keine Rücksichten nehmendes und gerne im Privatleben von Prominenten wühlendes Format ist, haben wir nach einigem Zögern zugesagt. Sieben Stunden Dreh in unserem Schloss und am Wörthersee, unentgeltliche harte Arbeit für einen Sechs-Minuten-Beitrag – wer glaubt, dass so etwas eine leichte Übung ist, der hat sich solch einer Tortur noch nicht unterzogen. 

Doch die Austro-Redakteurin des Senders, Natascha Größ, hierzulande auch bekannt unter ihrem ledigen Namen Wiedner, legte die Geschichte ganz anders an als versprochen. Und machte aus unserer freundlichen Einladung einen grindigen Verriss. Unsere Gastfreundschaft wurde mit Füßen getreten, unsere Gäste und Freunde abqualifiziert und beleidigt, Vereinbarungen, die als Conditiones sine quae non für den Dreh vor Zeugen getroffen wurden, glatt gebrochen. Unter dem Deckmantel von „Shopping Queen“ hatte man sich bei uns eingeschlichen – schlussendlich ging dann eine Reportage über Beziehungsprobleme, Trennung, unerfüllten Kinderwunsch und meine schwere Erkrankung auf Sendung. Wiewohl wir im Vorfeld ganz klar bindend vereinbart hatten, dass Themen, die uns zu persönlich sind, nicht im Bericht abgehandelt werden, kümmerten sich RTL Exklusiv und Größ einen Tinnef darum. Schlussendlich stellten sich da die Mitarbeiter des eigenen Teams gegen die Trash-Reporterin, und Größ musste herbe Kritik von Kameramann Oliver Krutzler (der übrigens durch seine brillante Kameraführung einen visuell traumhaft schönen Kärnten-Beitrag zusammenstellte) und Tontechniker Nick Heckl einstecken. Den beiden ging es schwer auf den Keks, wie es Heckl formuliert, dass man sieben Stunden mit jemandem dreht, dann passieren vier oder fünf Hoppalas (bei der Menge des Rohmaterials nicht zu vermeiden), und genau darauf wird die ganze Sendung aufgehängt. Größ selbst strotzt nur so vor Selbstbewusstsein (die ist vom Größ-Wahn definitiv nicht weit entfernt) und entblößte sich auch nicht, uns großspurig mitzuteilen, dass das sowieso ein toller Beitrag war, denn die Minute bei RTL an diesem Sendeplatz sei über 100.000 Euro wert und für solch einen Sechs-Minuten-Beitrag könne man auch einiges runterschlucken.

Doch wiewohl wir Böses schon im Vorfeld ahnten, entschieden wir uns für ein Mitmachen bei diesem Format: Weil wir als Verleger der größten heimischen Touristik-Zeitschrift darin eine tolle Chance sahen, Kärntens Tourismus und den umtriebigen Klagenfurter Tourismus-Direktor Helmuth Micheler bei seiner schwierigen Arbeit zu unterstützen und herrliche Bilder von Österreichs südlichstem Bundesland an prominenter Stelle in einem deutschen Top-TV-Format zu platzieren. 

Apropos herunterschlucken: Wer mich kennt, der weiß, dass ich darin nicht besonders gut bin. Natascha Größ hat ein deftiges Anwaltsschreiben samt Schadenersatzforderung und Schmerzensgeldvorschreibung von uns erhalten. Wir werden dies in Österreich bei Nichterfüllung unserer Forderung ausjudizieren und – vorausgesetzt, das entsprechende Urteil fällt zu unseren Gunsten aus – damit auch die RTL-Redaktion und deren Verantwortliche für Schnitt und Redaktion in der Folge gemeinsam mit dem besten deutschen Medienanwalt in die Pflicht nehmen.

Jeder, der sich auf solche Spiele einlässt, sollte sich den Beitrag anschauen. Als Mahnmal dafür, wie man positives und konstruktives Rohmaterial hinterfotzig so zusammenschneiden kann, dass daraus ein tendenziöser Gesamtbericht mit üblem Beigeschmack wird. Ein Beispiel gefällig? Größ versprach, dass Ekaterina, wenn sie etwas falsch formuliert, einen zweiten Take drehen darf und nur die verbesserte Version on air geht. Als meine Frau meinte „das ist mein Reichtum“ und ich rettend beistand und korrigierte, dass die richtige Formulierung „das ist mein persönliches Reich“ heißt, wurde die falsche Version, mein Eingreifen und die korrigierte Version in der Sendung gebracht. Ein übles journalistisches Foul, wohl nur in der Absicht so zusammengeschnitten, um damit den Eindruck zu vermitteln, das ich ein oberlehrerhafter Korrektor meiner Frau bin, der sofort tadelnd eingreift, wenn Ekaterina etwas falsch macht. Einfach erbärmlich und – ein krasser Bruch unserer Vereinbarung vor Zeugen. 

Doch der stärkste Tobak war, dass meine schwere Erkrankung thematisiert wurde, ich vor und nach meiner Bauchspeicheldrüsen-Dysfunktion gezeigt wurde (27 Kilo abgenommen) und verabsäumt wurde, trotz des gegebenen Versprechens, in der Sendung klarzustellen, dass ich mittlerweile völlig genesen bin, von einem Naturheiler von allen Krankheitssymptomen befreit wurde und wieder voll bei Kräften bin. Mittlerweile treffen laufend Schreiben ein, in denen Geschäftspartner, mit denen wir mittel- und langfristig arbeiten, bei mir vorsichtig anfragen, ob ich noch immer krank bin, weil natürlich niemand bereit ist, mit jemandem über eine längere Strecke zu kooperieren, der womöglich demnächst das Zeitliche segnet.

So hatte ich nun in den letzten Tagen alle Hände voll damit zu tun, zu beschwichtigen, zu kalmieren, klarzustellen und damit eine erfolgreiche weitere Zukunft unseres Unternehmens samt Sicherung unserer Arbeitsplätze zu gewährleisten. Was mir wohl nur in jenen Fällen gelingen kann, in denen sich Geschäftspartner bei mir melden – jene, die den Beitrag gesehen haben und still und leise ihre Aufträge nicht prolongieren, werden wir wohl verlieren.

Wie hätten Sie sich verhalten? Hätten Sie so wie 99 von 100 Betroffenen reagiert, die dankbar sind, dass sie überhaupt in diesem reichweitenstarken Format vorkommen, und aus Angst, nicht mehr gefeatured zu werden, abwertende Darstellungen, hinterfotzigen Schnitt und untergriffige Kommentierung herunterschlucken, um nur ja nicht auf die rote Sperrliste (Achtung, das ist ein Querulant!) zu kommen? Ekaterina und ich haben beschlossen, dass wir nicht den Weg der Feigheit gehen werden. Bitte schreiben Sie mir, ob auch Sie sich gegen derartige Untergriffe wehren würden oder wie Sie auf grindigen Journalismus reagieren. Darauf ist schon sehr gespannt

Ihr

Christian W. Mucha

Herausgeber

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