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Verband Filmregie Österreich kritisiert Urheberrecht

Stellungnahme offenbart schwere Enttäuschung über Entwurf zur Urheberrechtsnovelle
© Sonja Groiss

Urheberrechtsnovelle 2021 ist schwerer Schlag für österreichische Filmschaffende

„Sollte dieses Gesetz so beschlossen werden, würde man uns Filmschaffenden auf Jahrzehnte hinaus die Chance verbauen, fair an der Online-Verwertung unserer Werke zu partizipieren“, heißt es von Seiten des Verbands Filmregie Österreich. „Damit würden wir schlechter gestellt als unsere Kolleginnen und Kollegen in Deutschland, unserem wichtigsten Koproduktionsland. Dort wurde das Urheberrecht in diesem Jahr so novelliert, dass es tatsächlich mehr Fairness, also mehr Geld für Kreative bedeutet. Dies würde zu der absurden und untragbaren Situation führen, dass z. B. eine österreichische Kamerafrau, die mit einem deutschen Regisseur dreht, keine Tantiemen aus der Online-Verwertung erhält, er aber schon.“

Gehaltvolle Kunst boykottiert

Bislang gibt es keinerlei Vergütungsregelungen für Tantiemen in der Online-Verwertung. Dabei liegt darin die Zukunft. Kabelentgelt und Speichermedienvergütung gelten hingegen als Auslaufmodelle. „Sollte dieser Gesetzesentwurf vom Parlament verabschiedet werden, würden auch die SKE-Fördertöpfe (soziale & kulturelle Einrichtungen) austrocknen, die sich aus unseren Tantiemen speisen und die für uns Filmschaffende ein wichtiges Instrument der sozialen Absicherung und eine unverzichtbare Säule des kulturellen Lebens in diesem Land sind. Beispielsweise werden alle inländischen Filmfestivals aus SKE-Mitteln mitfinanziert, zudem können daraus Zuschüsse zum Lebensunterhalt gewährt werden, wenn sich Kolleginnen und Kollegen in einer finanziellen Notlage befinden. Die damit verbundenen sozialen Verwerfungen müssten mit Steuergeldern kompensiert werden, während das Geld eigentlich den globalen Online-Giganten abgenommen werden könnte, die bisher allein an der Werbung verdienen, die sie vor oder nach unseren Werken platzieren“, so der Verband Filmregie Österreich in seiner Stellungnahme.

Im Konkreten würden darunter vor allem Filmproduktionsfirmen respektive Filmschaffende aus dem Indie-Sektor leiden. Thomas Sulak, Regisseur und Gründer der Filmproduktionsfirma KISS Films, kann der Kritik seines Verbands nur beipflichten. „Unterm Strich ist es ein Boykott an potenziellen länderübergreifenden Kooperationen. Außerdem werden Kreative um rechtmäßiges Einkommen geprellt“, so Sulak. Dabei sind es vor allem die unabhängigen Filmemacherinnen und Filmemacher, die entgegen spekulativer, populärer Themenwahlen den Mut zu gesellschafts- und umweltpolitischen Auseinandersetzungen finden, welche sich dem Gefälligkeitswahn nicht unterwerfen. Sulaks Kurzfilm „betrayed“ behandelt beispielsweise das Thema Femizid, das spätestens seit den tragischen Vorfällen im Jahr 2021 wie ein Damoklesschwert über der österreichischen Gesellschaft schwebt. RED./CH

 

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