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Unzensiertes

Ein Danke für viel Lob in 33 Kommentaren. So mancher Tadel adelt die Verfasser.
©privat

Jene, die mir nahe stehen, wissen, dass es da einen gibt, auf den ich meistens höre. Mein Freund Gustav schreit immer dann auf, wenn ich in die Irre eile, Kaufladen mit Kuhfladen verwechsle oder in Fettnäpfe tappe. 

Jüngst war es wieder so weit. Die Inkarnation meines schlechten Gewissens, mein Alter Ego, runzelte die Stirn: „Spinnst du, dass du die heimischen Kommunikations-Kapazunder telefonisch förmlich dazu aufstachelst, in ihren Gastkommentaren auch Kritik unterzubringen? Ihnen versprichst, ihre Texte nicht zu redigieren. Und damit in Kauf nimmst, dass sie dir in im eigenen Jubiläumsheft verbal den Hintern versohlen?“ 

Ich sehe das anders. Und dies ist eines der wenigen Male, dass ich Gustav energisch widerspreche. Nehmen wir etwa den langjährigen Ö3-Chef Georg Spatt: Von dem wäre mir nicht bekannt, dass er sich schon über irgendjemanden elegisch geäußert hätte. Der Mann ist eher ein ruhiger Typ. Was man als Indiz dafür nehmen könnte, dass ein kleines Quäntchen Wahrheit darin steckt, wenn ihm in der Branche eine Prise Autismus unterstellt wird. Als er meiner Bitte nachgekommen war, uns einen Jubiläums-Kommentar zu übersenden, begann sein Text mit den Worten „Mucha nervt“. Gustav schnaubte: „Ich hab’s dir ja prophezeit. Und was machst du jetzt?“ 

Nichts. Wir drucken das. So, wie es kommt. Denn ich fasse es als Kompliment auf, wenn mir jemand sagt, dass ich nerve. Und wenn er sich dies zu schreiben traut – umso besser. Denn in meinem Geschäft gilt: Nur, wer seine Gesprächspartner nervt, erhält jenes Quant an Informationen mehr, das es braucht, um Marktführer zu werden. Um die Leser zu bewegen. Um bei ihnen Emotionen auszulösen. Was dafür sorgt, dass sie nicht gelangweilt aus einer Story aussteigen, sondern draufbleiben. Bis zum Schluss. Bekanntlich gibt es ja nichts Schlimmeres für jeden Autor, als seine Leser zu verlieren. Der Schweizer Psychologe, Priester und Journalist Walter Ludin meinte: „Schreiben kann bald einer. Die Frage ist nur, ob das dann auch wer liest.“ 

Sohin ist der Satz „Mucha nervt“ quasi ein Adelsprädikat für meine Tätigkeit. Oder, um es mit André Heller zu sagen: „Der Fluss fließt. Das ist sein Geschäft.“ Und in unserem Geschäft geht es darum, die meisten Leser zu generieren. Hat man die, dann gewinnt man Reichweite. Reichweite wiederum bringt Werbe-Erfolg. Und damit fließt Geld in die Kassa. Garantiert. So einfach ist das. 

Und da wir die Leser bekamen, die Rechnung aufgegangen ist, bin ich schlussendlich zu allem Überdruss auch noch wohlhabend geworden. Man stelle sich das einmal vor. In der Neid- Hochburg Österreich. So etwas schlägt jenen, die nicht reüssieren oder denen monetärer Erfolg versagt bleibt, schwer auf den Magen. Selbst ansonsten äußerst erfolgreiche Menschen wie etwa mein Widersacher Armin Wolf sind davor nicht gefeit,wie ein Tweet des ORF-Anchorman vor ein paar Jahren beweist: „Aber Mucha hat einen Rolls Royce, eine Villa in Südfrankreich und ein Schloss…“ 

In solchen Momenten begreift man, dass Missgunst oder Neid auch vor ansonsten durchaus etablierten, mit Erfolg gesegneten Menschen nicht Halt macht. 

Als einer unserer Konkurrenten eine ganze Serie unter dem Titel Schlossherr Mucha brachte (der a3 Verlag, wo dies erschien, ist mittlerweile in Konkurs), weil die das einfach nicht packten, dass ich mein Vermögen lieber in Historie, Tradition und Denkmalschutz investiere, als es zu versaufen, zu verkoksen oder zu verhuren, hatte ich meine Lektion gelernt. Seit damals geniere ich mich nicht für das, was ich besitze. Seit damals fahre ich Rolls-Royce. 

Spinnt man den Gedanken des Ö3-Chefs weiter, dann versteht man, dass mich auch Peter Czernys einprägsame Sätze „Keiner hat auf den ExtraDienst gewartet. Keiner hat ihn gebraucht.“ überhaupt nicht gestört haben. Weil sich daraus ableiten lässt, wie wir uns in der Folge unentbehrlich für die Branche gemacht haben. 

Auch jenem Schelm beim Kurier, der sein Jubiläums-Inserat in der letzten Ausgabe mit der Copy „An alle, die sich nicht einschüchtern lassen“ versah (durchaus mehrdeutig), lässt sich Positives abgewinnen. Es ist nur eine Frage der Lesart. Ich verstehe dies so, dass ich für meine Person vorbildlich darin gehandelt habe, mich niemals einschüchtern zu lassen. 

Und stets geschrieben habe, was Sache ist. Oder schreiben ließ. Meine Mitarbeiter habe ich, auch wenn man allzu oft versucht hat, sie niederzubügeln mit Klagen, mit meinem breiten Rücken vor allem Unbill geschützt. Fette Anwaltskosten berappt. Dafür gesorgt, dass keiner in unserem Haus Angst davor zu haben braucht, die Wahrheit zu schreiben. Solange er sich an Ethik, Moral und die Gesetze des Recherchierens hält. 

Wobei – das mit der Wahrheit ist so eine Sache. Um es ein wenig altertümlich zu erklären: Wenn Sie sich die Wahrheit als alte Dame in einem Seidenkleid vorstellen, dann sind wir in den letzten 40 Jahren diesem edlen Wesen bestenfalls bis auf Handkuss-Distanz nahe gerückt. Umarmt haben wir sie wohl niemals. Denn das mit der Wahrheit ist so eine Sache. 

Sollte nun jemand schließen, dass der Kurier mit seiner Copy darauf anspielte, dass wir von unserer Seite mit dem medialen Mittel der Einschüchterung gehandelt hätten – mitnichten. Dafür gibt es eine Reihe von Beweisen: Zum einen: Bei meiner Ehre, mein Wort. Zum anderen sind die meisten, über die wir im ExtraDienst berichten, wenigstens um eine Zehnerpotenz größer als wir. 

Glaubt jemand allen Ernstes, dass ein Anzeigenkunde mit hunderten Millionen Euro Umsatz vor einer Fachzeitschrift zittert? Die gerade einmal einige tausend Leser hat? Nun, mag schon sein, dass der eine oder andere Spundus davor hat, weil der ExtraDienst schonungslos berichtet. Angstfrei. Rücksichtslos. Wobei ich Rücksichtslosigkeit immer als wertvolle Eigenschaft eines Verlegers verstanden habe. Wir haben, so brutal das auch klingen mag, keinerlei Rücksichten zu nehmen. Weder was Moneten, noch Freundschaften, noch Vorsicht betrifft. Rücksicht zu nehmen haben wir nur auf das berechtigte Interesse unserer Leser, ausgewogen, fair, mit Check und Gegencheck nach den Regeln unseres Geschäfts versehen wahrhaftig informiert zu werden. 

Wenn Sie sich also wundern mögen, dass die Gastautoren, von VÖZ-Präsident Markus Mair über News-Herausgeber Horst Pirker, von Flughafen-General Günther Ofner bis Hans Mahr ihr Jubiläumsgetränk nicht nur mit Honig abgemischt haben, ist das durchaus in Ordnung. Wie heißt es so schön: Wer austeilt, muss auch einstecken können. Und – um es in der Boxersprache zu sagen: Nach 47 Jahren in diesem Geschäft und 40 Jahren ExtraDienst bin ich zu einem harten Nehmer geworden. Der eine oder andere Uppercut, Tiefschläge in die Magengrube von neidigen Konkurrenten, untergriffige Gehässigkeiten von Ungustln, üble Nachrede von Journalisten, die bei uns an der eigenen Faulheit gescheitert sind und es danach auch anderswo nicht weit gebracht haben, aber rückwirkend nachtraten, haben mich nie gestört. 

Denn das Schicksal ist gerecht. Und es ist in der Vergangenheit meist so verlaufen wie die nachfolgende Anekdote (ein Schlüsselerlebnis meiner Karriere), beweist: Vor rund 45 Jahren war ich in einem Skiort eingeladen. Und da mein Zimmer direkt oberhalb der Passstraße und der Garagenausfahrt unseres Hotels lag, konnte ich am Tag der Abreise mit eigenen Augen verfolgen, wie ein namhafter Mitarbeiter eines TV-Senders mehrere Paar Ski des Gastgebers der Pressefahrt auf seinem Audi montierte. Ich dachte mir mein Teil ob solcher Dreistigkeit. Ein knappes Jahrzehnt später erzählte ich in einer illustren Runde von Medienmenschen, als es ums Thema „Nehmer“ ging, von dieser Begebenheit. Mit Namensnennung. Wenige Tage später erhielt ich einen Anwaltsbrief. Einer aus der Gesprächsrunde hatte den Schnorrer postwendend von meinen Äußerungen informiert. Also erhielten wir die Aufforderung zur Unterlassung und zum Widerruf meiner Äußerungen bei sonstiger Klage. Ich biss mir die Unterlippen blutig, als mir unser Anwalt eröffnete, dass die Gegenseite das clever eingefädelt hätte. Und ich die Geschichte widerrufen müsse. Unverzüglich. Weil’s sonst teuer werden würde. 

Mich mit der rechten Hand auf der linken Pobacke über die Schulter kratzend, suchte ich verzweifelt nach Formulierungen, um mich aus der Sache herauszuwinden. Und ächzte in Richtung unseres Anwalts: „Aber ich habe es doch gesehen. Mit meinen eigenen Augen. Ich hatte die Brille auf. Ich kann’s beschwören.“ „Und dennoch verlierst du’s“, konterte mein Advokat. 

Und es vergingen die Jahre. Und ich verfolgte den Typ genau. Und siehe da – es platzte ein Riesen-Skandal. Journalisten wurden aufgelistet, die sich mit Gratis-Tickets für sich und ihre Familien bereichert hatten. Und wer landete an zweiter Stelle dieser erbärmlichen Nehmer-Liste? Sie haben’s erraten: der Skitüpferl-Reiter, der seinerzeit mit dem Equipment für seine gesamte Familie abgedampft war. Ich gebe zu – die Reportage über den Ticket-Skandal fiel etwas größer aus, als wir das üblicherweise vornehmen. 

Vielleicht ist das ein schlechter Charakterzug, aber ich habe (wie meine guten Freunde und meine schlechten Feinde wissen) das Gedächtnis eines Elefanten. Und die vergessen bekanntlich nie. Und, um mit meinen Schwächen fortzufahren: Ich vergebe auch nicht so gerne. 

Was lernen wir aus all dem? Ein Nehmer nimmt nicht einmal. Er nimmt immer wieder. Man braucht nur darauf zu warten, bis er seine miesen Handlungen erneut setzt. Und die Wahrheit ans Licht kommt. Oder um es mit meiner alten Großmutter zu sagen: „Nichts ist so fein gesponnen, dass es nicht kommt an die Sonnen…“ 

Und damit sind wir beim Versöhnlichen dieser 40 Jahre: Immer dort, wo ich selbst eine Handlung gesetzt habe, die auch nur in Ansätzen nicht blütensauber war (zu meiner Entschuldigung sei gesagt: Dies entstand meist aus Mangel an Zeit, eine Sache bis zur Neige präzise durchzudenken, bevor man’s zu Papier bringt), hat mich das Schicksal postwendend abgewatscht. 

Andersrum haben all jene, die abgehoben haben, die uns aus Neid, Bösartigkeit, oder weil sie uns vom Markt drängen wollten, ihr Schmalz bekommen. Jene, die abgehoben haben, definiere ich so: Die sehen beim Rasieren nur mehr ihre Brustwarzen im Spiegel, weil sie mit dem Scheitel bereits die Decke des Badezimmers berühren. 

Manche haben früher die Rechnung bekommen. Bei manchen hat es gedauert. Aber jeder zahlt irgendwann einmal für das, was er zu verantworten hat. Und das mag all jene, die mit mir vielleicht noch eine Rechnung offen haben, trösten. Das Schicksal ist gerecht, Und das ist gut so. Deswegen sehe ich mich dieser Tage noch vergnüglich im Spiegel. 

Herzlichst Ihr 

Christian W. Mucha 

Herausgeber 

P:S: Vielen Dank für Glückwünsche, Gratulationen, nette Worte und Ihr Wohlwollen. Bitte bewahren sie dies für die paar Folgejahre, die mir in diesem Geschäft noch verbleiben.

Der Obige 

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