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Umstrittene Gratis-PR

Eine Wiener Agentur bot ihre Leistungen honorarfrei auf der Basis von Gegengeschäften an. Eine Idee, die nicht bei allen gut ankam.

Die Wiener PR-Agentur Spread Vienna hat Anfang Mai angekündigt, für einen begrenzten Zeitraum PR-Leistungen nicht auf Basis der üblichen Honorare, sondern von Gegenleistungen anzubieten: Unternehmen konnten ihre Produkte oder Dienstleistungen als Kurzmeldung vorstellen. Das Besondere daran: Für diese PR-Leistung wird kein Honorar fällig. Kein normales jedenfalls, eine Gegenleistung sei aber schon nötig, so Geschäftsführerin Cornelia Steidl: „Wir akzeptieren beispielsweise Essens- oder Übernachtungsgutscheine von Restaurants oder Hotels, die wir dann auf unseren Social Media-Kanälen wieder ausspielen. So profitiert unser Partner von einer gewissen Öffentlichkeitswirkung. Und uns nutzt es dabei, in eigener Sache über unsere Social Media-Kanäle zu kommunizieren.“
Die Geschäftsführerin erklärt ihre Intention: „In Zeiten wie diesen ändert sich ja ganz viel. Vor allem im Bereich Gastronomie und Hotellerie überlegen sich viele Betriebe neue Konzepte. Es gibt dann kleine Dinge, die man gerne kommunizieren möchte. Eine große Pressemeldung dafür ist aber nicht leistbar, und oft gibt es dafür auch gar nicht genug Inhalt. Man möchte nur einen kleinen Hinweis breit streuen.“ Ihr Angebot gelte allerdings nicht für alle Branchen, so Steidl: „Wir haben es auf Handel, Gastronomie, Hotellerie und Tourismus beschränkt, weil es diese Branchen ja sehr stark getroffen hat. Wenn Unternehmen aus anderen Branchen Interesse haben, findet man aber sicherlich auch eine Lösung.“

Harte Kritik

PR-Dienstleistungen ohne wirkliches Honorar, nur auf der Basis von Gegengeschäften – das hört sich gut an. Dennoch hat die Idee in der Branche nicht nur für Beifall gesorgt. Gar nicht begeistert ist etwa Sabine Baar-Baarenfels von BBPR: „Wenn Agenturen in die Welt hinausposauen, dass sie PR auf der Basis von Gegengeschäften oder sogar gratis machen, dann ist das für die Zukunft unserer Branche unzumutbar. Das ist eine Frage der Ethik unter den Agenturen.“ Baar-Baarenfels sieht die Gefahr einer „Inflation“ ihres Berufsstands und befürchtet, dass weitere Aktionen ähnlicher Art von anderen Agenturen folgen könnten: „ Wenn das so weitergeht, dann wird bald kein Kunde mehr unsere Honorare bezahlen wollen, wie es mal war.“ Sie appelliert an die Branche, in der Krise Zusammenhalt zu zeigen und das Honorarniveau nicht durch Aktionen zu untergraben, die PR-Dienstleitungen de facto gratis anbieten. Denn die Gegenleistungen, die dafür verlangt würden, könnten ja ein normales Honorar keinesfalls ersetzen.

Von Martin Krake

ED 6 20 Cover fine 8. Dezember 2021

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