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Stunde der Wahrheit

Corona hat auch die heimische Druckindustrie mit dem Minus-Virus infiziert, weil viele Aufträge weggefallen sind. Für einen Weg aus dieser Krise sollen künftig mehr Produktionen am Standort Österreich sorgen.
© Thomas Schrott

Martin Fiegl (l.) und Andreas Lechleiter von Alpina Druck fordern österreichische Kunden auf, regionale Druckereien zu bevorzugen

Die Branche ist enger zusammengerückt. Aufgrund der Krise sitzen plötzlich alle im selben Boot.“ Peter Sodoma, Geschäftsführer im heimischen Verband Druck & Medientechnik, verweist auf eine Erfahrung, die heute vielen Industrien sehr bekannt vorkommen dürfte. Das Boot, in dem alle gemeinsam sitzen, befindet sich in stürmischen Pandemie-Gewässern, Solistentum in abgeschotteten Business-Silos scheint plötzlich nur kontraproduktiv zu sein. Letztlich müssen sämtliche Akteure in vielerlei Hinsicht an einem Strang ziehen, um bald wieder an ein sicheres Ufer zu gelangen.

Schließlich hat Corona auch die Druckindustrie breitflächig mit dem Minus-Virus infiziert. Es trifft keine ökonomischen Leichtgewichte: Normalerweise verbuchen Österreichs Spezialisten einen Jahresumsatz von 1,6 Milliarden Euro. Doch jetzt klingeln unüberhörbar die Alarmsirenen. Statt positivem Cashflow befinden sich die Zahlen in einer bedenklichen Abwärtsspirale. Vor allem im zweiten Quartal des heurigen Jahres fehlten vielen Betrieben rund 50 Prozent ihres Umsatzes. 68 Prozent wiederum nutzen das Instrument der Kurzarbeit. Fast alle jener Unternehmen haben es zumindest  in drei Monaten in Anspruch genommen.

Covid-19 hat also eine Menge Sand in das wirtschaftliche Getriebe befördert. Die aktuelle Ausnahmesituation erinnert jedenfalls massiv an den Beginn der Finanzkrise 2008. Zahllose Unternehmen betätigten auch diesmal den Stoppknopf, was ihre Ausgabenseite betrifft. Speziell Bereiche wie Marketing und Werbung lernten umgehend den Rotstift kennen. Das Motto lautete: Investitionen absagen oder zumindest verschieben, bis sich der Nebel lichtet. Insgesamt eine herausfordernde Situation mit massiven Konsequenzen für die Print-Verantwortlichen.

Verunsicherte Kunden

„Unmittelbar nach dem Lockdown und den Maßnahmen der Regierung haben wir die Verunsicherung zahlreicher Kunden aus verschiedensten Bereichen der Wirtschaft zu spüren bekommen. Fix erteilte Aufträge, vor allem aus dem Tourismus, wurden von Veranstaltern teilweise storniert. Oder zumindest verschoben. Ähnliche Reaktionen erfolgten aus anderen Branchen. Seit September ist die Auslastung jedoch wieder wesentlich besser, für den Rest des Jahres ist daher die bisherige Kurzarbeit ausgesetzt“, erläutert Peter Berger, Seniorchef der Druckerei Berger in Horn im Waldviertel.

Trotz positiver Signale bleibt die Lage für die Branche fragil, der zweite Lockdown dämpft den aufkeimenden Optimismus erneut. Gewisse Langzeitfolgen der Pandemie scheinen ohnehin schwerer zu wiegen als befürchtet. „Die Nachwehen des Lockdowns Anfang des Jahres spüren wir noch immer. Der alte Normalzustand ist sehr weit entfernt“, konstatiert Christian Wilms, Geschäftsführer der Styria Print Group. „Kurzarbeit haben wir in der ersten Krisenphase genutzt, um den unmittelbaren massiven Produktionsrückgang abzufedern. Wir sind froh, dass diese Herausforderung ohne Personalreduzierungen abgelaufen ist.“

Der geschäftliche Gegenwind ist aber nicht erst seit der Pandemie spürbar. Speziell die Digitalisierung hat viele Karten neu gemischt und neue Verhältnisse geschaffen. So wie sinkende Popularität von Printprodukten zugunsten elektronischer Alternativen. Egal ob Geburtstagskarte, Firmenbilanz oder Magazin: In der Ära von Computer und Smartphone geraten analoge Objekte in Bedrängnis, wenn etwa Youngster Nachrichten lieber auf dem Smartphone lesen. Damit nicht genug: Online-Konkurrenten fordern das klassische Geschäftsmodell heraus mit günstigen Preisen und dem Versprechen von bedeutend mehr Convenience.

Jener Strukturwandel beschert den Verantwortlichen einige Denkaufgaben, weil das Tempo auf der Datenautobahn weiter steigt. Der digital orientierte Kunde verlangt ein besseres Service: Die Fertigstellung und Lieferung von Aufträgen sollte so rasch erfolgen, dass selbst Amazon blass wird. Nicht zuletzt junge Personen, verwöhnt durch immer neue Trends und Spielzeuge der IT-Welt, zeigen für analoge Kräfte der Beharrung wenig Verständnis. Daher läuft permanent die Suche nach innovativen Konzepten. Dazu zählt etwa Drohnen-Zustellung auf der letzten Meile. Oder hilfreiche Roboter, die Waren im Kofferraum des Autos platzieren, wo der Kunde seine Bestellung abholen kann. Ganz unkompliziert zu jeder Zeit und an jedem Ort.

Von Christian Prenger

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Cover 8. Dezember 2021

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