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Streitpunkt gendergerechte Sprache

Debatte auch bei Unternehmen angekommen
© Unsplash

Das Nutzen genderneutraler Sprache sorgt bei einigen für Empörung

Audi hatte im März eine Richtlinie mit der neuen Vorgabe erlassen, gendergerechte Sprache zu nutzen. Auch immer mehr Hochschulen, Behörden und andere Unternehmen überdenken ihren Sprachgebrauch. So soll beispielsweise die Crew bei der Lufthansa Fluggäste künftig mit geschlechtsneutraler Formulierungen willkommen heißen. Ein VW– Mitarbeiter klagt jedoch nun dagegen, da dieser nicht in gendergerechter Sprache angesprochen werden möchte. Die Klage ist Teil der hitzigen Debatte über die richtige Ansprache der Geschlechter, die mitunter ein Kulturkampf ist. Diskutiert wird dabei vor allem auch über die Einführung von Gender- Schreibweisen. So gibt es die Variante mit Gender- Sternchen, -Doppelpunkt oder -Unterstrich. 

Dass dieses Thema nicht nur auf positive Resonanz stößt, musste kürzlich ein Edeka- Markt in Friedberg bei Augsburg feststellen. Nachdem das Unternehmen auf seiner Facebook- Seite bekannt gab, das Produkt „Student*innen Futter“ ins Sortiment aufgenommen zu haben, folgten zahlreiche Kommentare, die unter Beweis stellten, wie sehr das Thema polarisiert. Der Experte Philipp Rauschnabel sagt dazu: „Wer bewusst und offensichtlich gendert, muss mit positiven und negativen Reaktionen rechnen.“ 

Sprache als Ausdruck einer positiven Haltung

Audi bekommt das Unbehagen sowohl in den sozialen Netzwerken zu spüren als auch juristisch in den eigenen Reihen in Form einer Unterlassungsklage. Der Kläger beschwert sich, dass er als Volkswagen- Mitarbeiter mit den Kollegen von Audi zusammenarbeiten müsse und somit dort mit den Richtlinien konfrontiert werde. So werde er in gemeinsamen Gremien mit den gegenderten Begriffen angesprochen. Er verlange daher, dass es Audi unterlässt, seinen Mitarbeitern die Nutzung der Gender- Regeln vorzuschreiben.  Die beim Autobauer eingeführte Unterstrich- Schreibweise wird auch von der „Charta der Vielfalt“ verwendet. Diese Initiative hat das Ziel „die Anerkennung, Wertschätzung und Einbeziehung von Vielfalt in der Arbeitswelt in Deutschland voranzubringen“. Mitgliedsunternehmen sind unter anderem die Deutsche Post, Siemens, BASF und Adidas. „Wir empfehlen eine gendergerechte Sprache zu nutzen, aber wie das umgesetzt wird, ist jedem selber überlassen“, so der Sprecher der Initiative, Stephan Dirschl. Auch der Audi- Sprecher Joachim Cordshagen verteidigt den Sprachleitfaden: „Gendersensible Sprache ist Ausdruck einer sichtbaren, positiven Haltung zu Vielfalt und Chancengleichheit.“

Umstrittener Verein unterstützt Kläger

Finanzielle Unterstützung erhält der Kläger von dem unter Experten umstrittenen „Verein Deutsche Sprache“ in Dortmund. Dieser hält nichts vom „Gender- Unfug“. Selbst vor historischen Vergleichen schreckt der Vereinsvorsitzende Walter Krämer nicht zurück: „Das Aufzwingen einer Sprache, die keine rechtliche Grundlage hat, erinnert doch stark an Unrechtssysteme wie das der DDR oder an Dystopien wie „1984“ von Orwell.“ Anders sieht es die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden. Diese unterstütze die Bemühungen um eine sprachliche Gleichbehandlung aller Geschlechter. Zwar stehe sie dem Gender- Sternchen kritisch gegenüber, „nicht aber dem Gendern an sich“. 

Auch der Rat der deutschen Rechtschreibung hat Sorge, dass es beim Einsatz von Gender-Symbolen zu Folgeproblemen und grammatisch nicht korrekten Lösungen führen würde. Ende März entschieden daher Experten, dass Gender-Sternchen und -Unterstrich bis auf weiteres zumindest offiziell keinen Einlass in der deutschen Sprache erhalten. 

Jedes dritte Unternehmen nutzt genderneutrale Sprache

Wie eine Umfrage des Münchener Ifo- Instituts und dem Personaldienstleister Randstad unter Personalleitern hervorgeht, nutzt knapp jedes dritte deutsche Unternehmen bereits genderneutrale Sprache. Vor allem bei der Kommunikation nach außen nutzen die Konzerne die geschlechtsneutrale Ausdrucksweise. Charta- Sprecher Dirschl betont aber, dass es mit der Einführung derartiger Schreibweisen nicht getan sei, denn eigentlich gehe es um viel mehr als um eine Änderung der Sprache. „Wir glauben, dass Sprache das wirkungsvollste Mittel ist, um Bewusstseinsänderungen anzustoßen“, sagt Dirschl. Das müsse das Ziel sein. „Es geht nicht darum, vollumfänglich und hundertprozentig zu gendern. Sondern es geht darum, Akzente zu setzen, um zu zeigen, dass Vielfalt in allen Bereichen möglich ist.“

APA/ Red.

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