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Social Media entkoppeln von der realen Welt

Intensive Nutzung kann zu dissoziativen Zuständen führen
© Pixabay

Forschende der Universität of Washington (UW) haben im Rahmen einer Studie herausgefunden, dass Menschen in dissoziative Zustände geraten, wenn sie soziale Medien intensiv nutzen. So fühlen sie sich dann außerhalb der realen Welt und erkennen nicht, was tatsächlich um sie herum geschieht.

„Ich glaube, viele Menschen empfinden Scham, wenn sie soziale Medien übermäßig nutzen. Ich spreche lieber von Dissoziation und nicht von Sucht. Dann ändert sich auch die Ausdrucksweise. Statt: ‚Ich sollte in der Lage sein, mehr Selbstbeherrschung zu haben‘, heißt es dann: ‚Wir alle distanzieren uns auf natürliche Weise auf viele Arten von der realen Welt, ob in Tagträumen oder beim Scrollen durch Instagram‘. Wir achten dann nicht mehr darauf, was um uns herum passiert“, sagt UW-Forscherin Amanda Baughan.

Die Forscherin untersuchte den Zusammenhang von alltäglicher Dissoziation und Nutzung von sozialen Medien in den frühen Tagen des COVID-19-Lockdowns, als die Menschen mangels realer sozialer Kontakte zunehmend auf soziale Medien auswichen. „Dissoziation wird dadurch definiert, dass man vollständig in das versunken ist, was man tut. Wenn man daraus erwacht, gibt es manchmal dieses Gefühl von: Wie bin ich hierher gekommen? Wo sind nur die 30 Minuten geblieben, ich wollte doch nur eine Benachrichtigung überprüfen“, so Baughan.

Um das eigene Nutzungsverhalten kontrollieren zu können, hat das Team die App „Chirp“ entwickelt. Diese wurde mit den Twitter-Konten der Probanden verbunden. Durch Chirp erscheinen die Likes und Tweets der User auf der echten Social-Media-Plattform, aber Forschende können die Erfahrung der Menschen kontrollieren und neue Funktionen oder schnelle Pop-up-Umfragen hinzufügen. Das Universitätsteam hat 43 Twitter-Nutzende aus den USA gebeten, die App einen Monat lang zu nutzen. Für jede Sitzung sahen die Benutzenden nach drei Minuten ein Dialogfeld, in dem sie aufgefordert wurden, auf einer Skala von eins bis fünf zu bewerten, wie sehr sie der Aussage „Ich verwende derzeit Chirp, ohne wirklich darauf zu achten, was ich tue“ zustimmen. Das Dialogdeld wurde weiterhin alle 15 Minuten angezeigt. „Eine der Fragen, die wir hatten, war: Was passiert, wenn wir eine Social-Media-Plattform so umbauen, dass sie weiterhin das bietet, was die Leute daran mögen, aber sie auch mit dem ausdrücklichen Ziel konzipiert ist, dem Benutzer die Kontrolle über seine Zeit und Aufmerksamkeit zu geben?“, fragt Alexis Hiniker, UW-Assistenzprofessor für Informatik

Im Laufe des Monats stimmten 42 Prozent der Teilnehmenden dieser Aussage mindestens einmal zu oder stimmten ihr stark zu. Nach dem Monat führten Forschende eingehende Interviews mit elf Teilnehmenden. Sieben der Befragten hatten danach während der Anwendung von Chirp Dissoziationen erlebt.

 

PA/ Red.

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