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Russische Propaganda-Narrative dominieren Soziale Netzwerke

Rund 80% der 600 untersuchten Social Media Kommentare in Österreich und Deutschland mit deutlich pro-russischer Tendenz
© Unsplash

Besonders die russische Version rund um die Ereignisse im Donbas seit 2014 und das angebliche Russisch-Sprachverbot, wurden von rund 90 Prozent der russischen Diplomaten in internationalen Interviews verbreitet

Das Zentrum Digitale Medienkompetenz hat 600 Social Media Kommentare in Österreich und Deutschland untersucht und kam dabei zu dem Ergebnis, dass rund 80 Prozent dieser eine pro-russische Tendenz aufweisen. “Besonders leicht hat es die russische Desinformation dort wo das Hintergrundwissen fehlt. Wir brauchen mehr Aufklärung bei komplexen Themen, nicht nur Faktenchecks für punktuelle Ereignisse. Das Ziel der Kreml-Propaganda ist weiterhin die Ukraine zu dämonisieren, um unsere Solidarität zu brechen” Dietmar Pichler, Desinformations-Analyst.

Zu den gängigsten pro-russischen Thesen in den Sozialen Netzwerken zählen „Die Sanktionen wirken nicht, schaden nur uns“, „der Westen ist Schuld“, „die Kriegsverbrechen sind gefälscht“ und „die Ukrainer haben Russisch verboten und acht Jahre einen Völkermord im Donbas veranstaltet“. Besonders die russische Version rund um die Ereignisse im Donbas seit 2014 und das angebliche Russisch-Sprachverbot, wurden von rund 90 Prozent der russischen Diplomaten in internationalen Interviews verbreitet. Die russische Propaganda nutzte die enorme Wissenslücke beim westlichen Publikum, um so die Invasion im Jahr 2022 zu rechtfertigen.

Verdrehte Fakten

Tatsächlich war die Aggression im Donbas ein Werk russischer Warlords, initiiert und finanziert aus Russland – auch mit Hilfe des russischen Militärs. Eine Schlüsselfigur war der Moskauer Igor Girkin, ehemaliger “Verteidigungsminister” der “Volksrepublik Donetsk”. Er wurde für mehrere Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht, unter anderem für den Abschuss des Passagierflugzeuges MH17 im Juli 2014. Die Kampfhandlungen von 2014-2022 im Donbas forderten 3.404 zivile Opfer, auf beiden Seiten der Frontlinie. In den letzten drei Jahren starben weniger als 100 Zivilisten, rund die Hälfte davon durch Minenunfälle. Die These vom “ukrainischen Genozid an der Bevölkerung in Donbas” ist also klar zu widerlegen, ohne die expansive russische Intervention hätte es erst gar keinen militärischen Konflikt gegeben.

Auch beim angeblichen Verbot der russischen Sprache verhält es sich ähnlich. Im Juli 2022 gibt Vitali Klitschko dem ukrainischen Journalisten Dmitry Gordon in Kyjiw ein Interview auf Russisch. Und auch die populäre TV Serie “Diener des Volkes” mit Volodymyr Zelenskyy, ist überwiegend auf Russisch. Zudem war im März der russische Sänger Andrey Makarevich Gast im ukrainischen Fernsehen und sang auf Russisch. Nur einige Beispiele, die aber den russischen Außenminister Lawrow nicht daran hindern, im BBC Interview, wieder die falsche Behauptung zu verbreiten, dass die Russische Sprache in der Ukraine verboten sei und es in Kyjiw gefährlich wäre Russisch zu sprechen”. Behauptungen, die jeder Kenner der ukrainischen Hauptstadt sofort als absurd erkennen wird, die aber von Personen ohne Bezug zum Land oft geglaubt und verbreitet werden.

Die regelmäßige Leugnung von Kriegsverbrechen findet viele Abnehmer auf Social Media. Ein besonders gravierender Fall war der Raketeneinschlag in das Einkaufszentrum der Stadt Kremenchuk, der viele Todesopfer forderte. Die Kreml-Lüge, dass die „Amstor Mall“ bereits seit März geschlossen gewesen sein soll, lässt sich vielseitig widerlegen: Es gibt Videoaufnahmen und Kassabelege aus der Zeit kurz vor dem Einschlag und Geschäfte haben ihre Produkte noch in den Tagen vor dem Einschlag beworben. Trotzdem wurde diese Desinformation hartnäckig in den Sozialen Medien geteilt, die Existenz der Opfer geleugnet und auf eine “Verschwörung gegen Russland” verwiesen.

 

PA/ Red.

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