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Reporterin im Westjordanland erschossen

Sender hält Israel Mord vor
© Pixabay

Während eines israelischen Militäreinsatzes im Westjordanland wurde eine Reporterin des TV-Senders Al-Jazeera erschossen. Wie genau die Journalistin Shireen Abu Akleh ums Leben kam, blieb allerdings bis Mittwoch unklar. Möglicherweise sei die 51-Jährige von Kugeln der Palästinensern getroffen worden, hieß es. Laut der israelischen Armee, kam es zu einem heftigen Feuergefecht mit Dutzenden militanten Palästinensern während einer Razzia in Jenin. Der TV-Sender Al-Jazeera gab bekannt, dass die Reporterin über diese Razzia berichtete und dabei eine Weste mit gut lesbarer Aufschrift „Presse“ getragen habe. Shireen Abu Akleh war seit mehr als 20 Jahren für den katarischen Sender im Einsatz.

Die israelische Armee teilte mit, Soldaten seien vor Ort im Einsatz gewesen, um Terrorverdächtige festzunehmen. Dabei kam es zu einem Feuergefecht, bei dem bewaffnete Palästinenser auf die Truppen geschossen hätten. „Die Terroristen warfen auch Sprengsätze auf die Soldaten und gefährdeten ihr Leben.“ Als Reaktion hätten die Soldaten zurück in die Richtung gefeuert, aus dem geschossen wurde. Dabei seien Treffer identifiziert worden. Israels Generalstabschef Aviv Kochavi sagte allerdings, gegenwärtig könne man nicht festlegen, welche Seite für die tödlichen Schüsse verantwortlich sei.

Al-Jazeera warf Israel einen gezielten, kaltblütigen Mord vor und schrieb unter Berufung auf seinen Bürochef in Ramallah, Walid Omari, es habe von palästinensischer Seite gar keine Schüsse gegeben. Der Sender verurteilte die tödliche Befeuerung als „abscheuliches Verbrechen, dessen Ziel es war, die Medien an der Berichterstattung zu hindern.“ Auch der Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas sprach von einem „Verbrechen der Hinrichtung“. Wie das palästinensische Gesundheitsministerium mitteilte, ist die Journalistin durch Schüsse tödlich am Kopf verletzt worden. Auch ein weiterer Journalist, Ali Samoodi, der palästinensischen Zeitung „Al-Quds“, der ebenfalls für den TV-Sender arbeitet, sei bei dem Vorfall angeschossen worden. Dieser erhebt schwere Vorwürfe gegen die israelischen Sicherheitskräfte: „Sie haben sie kaltblütig getötet.“. Laut seiner Schilderung hätten die Israelis plötzlich das Feuer eröffnet. Auch sei die Reporterin nicht aufgefordert worden, das Filmen einzustellen und zu gehen. „Sie haben auf uns geschossen. Eine Kugel traf mich und eine andere Shireen“, erklärt Samoodi.

Israel weist hingegen diese Schuldvorwürfe zurück und macht die palästinensischen Kämpfer für den Tod der Journalistin – die auch US-Bürgerin war – verantwortlich. Naftali Bennet, der israelische Ministerpräsident, wies die Vorwürfe des palästinensischen Präsidenten zurück. Sie hätte keine „solide Basis“. „Nach den uns vorliegenden Informationen ist es wahrscheinlich, dass bewaffnete Palästinenser, die zu diesem Zeitpunkt wahllos um sich schossen, für den bedauerlichen Tod der Journalistin verantwortlich waren“, so Bennett.

Die Arabische Liga hingegen sieht die Schuld bei den Israelis und forderte ebenfalls eine Untersuchung. Katar, wo der TV-Sender Al-Jazeera ansässig ist, wandte sich ausdrücklich gegen Israel. Auf Twitter erklärte das Außenministerium, Katar „verurteile auf Schärfste die Ermordung (der Journalistin) durch israelische Besatzungstruppen“. Zudem rief der Sender die internationale Gemeinschaft dazu auf, das israelische Militär zur Verantwortung zu ziehen.

Der israelische Außenminister Yair Lapid bot den Palästinensern eine gemeinsame Untersuchung und Obduktion an. „Journalisten in Konfliktgebieten müssen geschützt werden. Und wir haben alle eine Verantwortung, die Wahrheit herauszufinden“, so Lapid. „Die israelische Armee untersucht den Vorfall und die Möglichkeit, dass die Journalistin durch die bewaffneten Palästinenser getroffen wurde“, hieß es weiter.

Israel hatte 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Die Palästinenser wollen die Gebiete dagegen für einen eigenen Staat Palästina mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt. Der tödliche Vorfall in Jenin erschütterte die instabile israelische Regierungskoalition: Die arabische Raam-Partei verkündete erst nach Stunden, dass sie in der Regierung bleiben wolle. Wegen Konfrontationen israelischer Sicherheitskräfte mit Palästinensern auf dem Tempelberg hatte Raam ihre Mitgliedschaft in der Koalition im vergangenen Monat vorerst ausgesetzt. Die Partei verurteilte den Tod der Reporterin und forderte ebenfalls die Einrichtung einer internationalen Untersuchungskommission.

 

APA/ Red.

 

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