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Produzententag lotete Zukunft der Filmwirtschaft aus

Corona-Ausfallhaftung wird verlängert. Ein Anreizmodell für Filmproduktionen sei in Ausarbeitung.
Pixabay

Filmproduzenten fürchten um Zukunft der Branche

Produzentenverbände orten Feuer am Dach der heimischen Film- und Fernsehindustrie. Das heimische Förderungssystem sei obsolet und nicht mehr handlungsfähig. Um Anstoß für Veränderung zu geben, veranstalteten der Verband Österreichischer Filmproduzenten (AAFP) und Film Austria einen Produzent*innentag mit Gästen aus der Branche und der Politik. Dabei wurde erörtert, was zu tun ist, damit Österreich nicht den internationalen Anschluss verliert.

Im Zuge einer Panel-Diskussion kündigten Medienministerin Susanne Raab (ÖVP) und Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) an, dass die mit Ende Juni auslaufende Corona-Ausfallshaftung für Produktionen verlängert werde und bis Ende des Jahres der Branche zur Verfügung stehe. Auch solle bis in etwa Mitte des Sommers ein Anreizmodell geschaffen werden, um Filmproduktionen am heimischen Standort zu stärken. Konkrete Verhandlungen dazu seien in der Bundesregierung am Laufen, so Mayer. Raab wolle wiederum im Rahmen der von ihr geplanten Neuaufstellung der Medienförderungen die für die Film- und Fernsehindustrie relevanten Förderinstrumente stärken.

Auch bekannte sich die Medienministerin dazu, dass es eine ORF-Digitalnovelle geben werde. Wichtig sei dabei die Möglichkeit für den ORF, Inhalte online-first und online-only zu produzieren, wobei es jedoch einen Interessensausgleich im Sinne des gesamten Standorts brauche. Angesprochen auf die Finanzierung des ORF und die sogenannte Streaminglücke – derzeit muss für reine Onlinenutzung von ORF-Angeboten keine GIS-Gebühr entrichtet werden – wollte sie sich nicht festlegen. Eine Haushaltsabgabe statt der gegenwärtigen Gebühr für TV- und Radio-Nutzung wolle sie aber nicht.

Gerhard Zeiler, President International bei Warner Bros. Discovery, eröffnete die Veranstaltung mit der Vorstellung seiner zehn Thesen zur Zukunft der audiovisuellen Industrie. Der österreichische Medienmanager prophezeite mehr Streaming, wobei der Markt global unter einigen wenigen Anbietern aufgeteilt werde – alleine schon aus finanziellen Gründen. Überzeugt zeigte er sich, dass Abonnementfernsehen künftig auch billigere, dafür mit Werbung versehene Modelle etablieren werde.

Lineares Fernsehen werde zwar weniger, aber in absehbarer Zeit auch nicht aussterben, so der ehemalige ORF-Generalintendant und RTL-Geschäftsführer. Allerdings müssten sich die Anbieter auf ihre Stärken konzentrieren: lokale Inhalte und Live-Content – und damit auf allen Plattformen vertreten sein. Die Werbewirtschaft sei die Industrie, die den Großteil des privaten und auch öffentlich-rechtlichen Fernsehens finanziert. Diese müsse mit Reichweite und der Möglichkeit von gezielter Publikumsadressierung zufriedengestellt werden.

„Tausendprozentig“ sicher sei er, dass Kino überleben werde: „Es ist unverzichtbar.“ Dennoch werde es weniger Filme geben, wobei diese entweder groß oder klein seien. Mittelgroße Filmproduktionen würden dagegen wegfallen. Der Gewinner der von ihm prognostizierten Entwicklungen sei die Kreativindustrie. Sie könne nicht verlieren, sagte Zeiler.

Bereits in der Früh richteten die veranstaltenden Produzentenverbände Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) per Inserat in mehreren Medien aus, dass sie mit der gegenwärtigen Lage in der heimischen Filmbranche unzufrieden seien. „Während global die Filmbranche eine noch nie dagewesene Vielfalt erfährt, bleibt man in Österreich veralteten Mustern treu und ignoriert die Trends der Zeit“, hieß es. Am Schluss wird auf eine langjährige Forderung der Branche hingewiesen: eine Filminvestitionsprämie. Unterzeichnet wurde der Brief mit einem Augenzwinkern von Romy Schneider. „„ch finde, als Namenspatronin des größten Film- und Fernsehpreises des Landes darf ich hoffentlich nicht nur als glamouröses Aushängeschild besserer Zeiten eine gute Figur machen, sondern auch das Wort als ‚Schirmherrin‘ ergreifen, wenn unsere Filmwirtschaft in eine Sackgasse gedrängt wird.“

 

apa

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