Skip to content

Presseclub Concordia fordert Erhalt der Wiener Zeitung

Alternatives Finanzierungsmodell könnte letzte Option sein.
© MG Mediengruppe

Auch im Ausland wird über die Einstellung der „Wiener Zeitung“ berichtet.

Der Presseclub Concordia hielt eine Online-Diskussion zum Thema Wiener Zeitung ab. Die Teilnehmer kam zum Schluss, dass die Zeitung notfalls mit einem alternativen Finanzierungsmodell weiterbestehen muss. Als Ideen wurden unter anderem eine dringend nötige Reform der Medienförderung mit stärkerem Einbezug der republikseigenen Zeitung, eine Haushaltsabgabe oder auch ein Mäzenatentum für eine Übergangsphase eingebracht.

Seit Wochen wird über die Einstellung der „Wiener Zeitung“ in gedruckter Form diskutiert. Das Regierungsprogramm sieht eine Abschaffung der Pflichtinserate im Amtsblatt der Zeitung vor, wodurch ein großer Teil der Einnahmen für das Qualitätsblatt wegfallen würde. Für Walter Hämmerle, dem Chefredakteur der Zeitung, ist der politische Wille entscheidend: „Es läuft darauf hinaus, ob es einen politischen Willen gibt, die Zeitung zu erhalten oder nicht“.

Der erste Entwurf der Regierung zur Umsetzung der Richtlinie hätte zu einem Wegfall von rund sieben Millionen Euro für die Zeitung geführt. Dieser Entwurf soll nicht umgesetzt werden. Stattdessen werde an mehreren Konzepten gearbeitet. Wie fix die darin enthaltenen Ideen sind, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen, so Hämmerle. „Wir befinden uns in einer Übergangsphase, in der man die Pausetaste gedrückt hat“, erklärte der Chefredakteur.

Auch im Ausland wird über die Einstellung der „Wiener Zeitung“ berichtet. Alexandra Föderl-Schmid ist stellvertretende Chefredakteurin der „Süddeutschen Zeitung“. „Jede Regierung wäre stolz auf die älteste Tageszeitung der Welt“, meinte sie. „Die Regierung müsste eine Enquete einberufen und Möglichkeiten diskutieren, wie dieses Kulturgut erhalten werden kann. Diese Anstrengung gibt es nicht. Das erstaunt mich“, so die ehemalige Chefredakteurin von „Der Standard“.

Reform gefordert

Die Medienförderung müsste reformiert werden. Derzeit mache die Presseförderung wenig im Vergleich zu den Werbeetats aus. Geld werde nach nicht nachvollziehbaren Kriterien vergeben – vor allem in Richtung der Boulevardmedien. Auch Ulla Kramar-Schmid, Leiterin des Bereichs investigative Recherche im aktuellen Dienst des ORF-Fernsehens, sieht die Medienförderung in Österreich kritisch. „Gute Berichterstattung wird mit Inseraten erkauft. Das hat sich in den vergangenen zehn bis 15 Jahren massiv verschärft“, sagte Kramar-Schmid.

Eine öffentlich-rechtliche (Teil-)Finanzierung konnte sich der Kommunikationswissenschafter Fritz Hausjell als Lösung vorstellen. Die Rundfunkgebühren müsste man in eine Haushaltsabgabe umwandeln, die in der Folge etwa die „Wiener Zeitung“ miteinbezieht. Fest steht für den Medienexperten angesichts einer ohnehin sehr konzentrierten österreichischen Tageszeitungslandschaft: „Der Hut brennt.“

 

APA/red

Gefällt Ihnen der Beitrag?
Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on telegram
Telegram
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on email
Email