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Prälat-Leopold-Ungar-Preis 2020 vergeben

Ausgezeichnet wurden Journalisten vom ORF, Ö1, „News“ und „Addendum“.
© Caritas Wien

Prälat-Leopold-Ungar-Preis

Am 12. November 2020 wurde der 17. Prälat-Leopold-Ungar-Preis aus Coronagründen online und per Live-Stream verliehen. Ausgezeichnet wurden mit dem Preis die Arbeiten von Journalisten, die sich besonders aktuellen Themen widmeten. Er wird jährlich von der Caritas der Erzdiözese Wien und der Raiffeisen-Landesbank Niederösterreich–Wien vergeben. 2020 ging die Auszeichnung in der Kategorie Print an Nina Strasser für ihren Beitrag in der Zeitschrift News mit dem Titel „Wie geht es Tante Helli?“. In der Reportage schildert die Autorin eindrücklich anhand der Erlebnisse mit ihrer Großtante das Leid am sozialen Entzug, wenn man während des Corona-Shutdowns in einem Pflegeheim wohnen muss. Es bringt die ganze Grausamkeit der auf Pflege und Zuspruch angewiesenen Menschen ans Tageslicht.

Den Hauptpreis im Bereich Fernsehen gewann Christa Hofman für ihr Weltjournal „Syrien – das Erbe des IS“ in ORF 2. Hofman konnte Anfang des Jahres als eine der wenigen internationalen JournalistInnen die ehemaligen IS-Gebiete in Nordsyrien besuchen. Ihre halbstündige Reportage beeindruckt und sie überrascht: wir sehen junge, emanzipierte Frauen, die ihre Gleichstellung im Autonomen Kurdengebiet Rojava durchgesetzt haben. Wir sehen die kurdische Frauenmiliz, die maßgeblich zum Sieg über den IS beigetragen hat und lernen, dass die Dschihadisten vor den Kämpferinnen besondere Angst hatten. Diese selbstbewussten Frauen stehen in krassem Gegensatz zu den tiefverschleierten IS-Frauen, die Hofmann im Gefangenenlager Al-Hol interviewt. Hofman zeigt, wie sehr einige dieser Frauen die traditionell patriarchalische Gesellschaft in diesem Teil Syriens schon verändert haben.

In der Kategorie Radio wurde die Arbeit von Claudia Gschweitl mit dem Titel „Willkommen in Weikendorf“ in der Reihe „Hörbilder“ auf Ö1 gewürdigt. Der kleine Ort im Weinviertel geriet im Sommer 2019 in die internationalen Schlagzeilen: Eine palästinensische Flüchtlingsfamilie wollte dort ein Haus kaufen, doch der Bürgermeister verweigerte seine Zustimmung. Die DorfbewohnerInnen starteten eine Unterschriftenaktion gegen den Zuzug der Muslime. Es folgte ein monatelanger Rechtsstreit. Gschweitl ist es gelungen, die Geschehnisse in der kleinen Gemeinde aus einer persönlichen Sicht zu schildern, ohne je in eigene Befindlichkeiten abzugleiten. Es wird also den Hörern überlassen sich ihr eigenes Bild zu machen.

Abschließend bekamen den Hauptpreis für eine Online-Publikation die Journalisten David Freudenthaler, Michael Mayrhofer und Philipp Pankraz von der Redaktion Addendum. In ihrer mehrteiligen Podcast-Reihe „Die vergessene Hölle“ arbeiten sie die Geschichte des Konzentrationslagers Gusen auf, dessen Existenz von vielen AnwohnerInnen des Orts verdrängt, von der Politik ignoriert und auch in der Wissenschaft wenig beleuchtet wurde. Und das obwohl in Gusen in Oberösterreich mehr als 35.000 Menschen ermordet wurden. Das Format Podcast haben sie als komplexe Erzählform gewählt, um die Atmosphäre vor Ort einzusammeln und authentisch klingende Stimmen zu Wort kommen zu lassen.

Michael Rab, Vorstandsdirektor der Raiffeisen-Landesbank Niederösterreich-Wien, sagt anlässlich der Preisverleihung: „Die PreisträgerInnen haben mit ihren journalistischen Arbeiten eindrucksvoll aufgezeigt, dass auch in Zeiten der Krise ein qualitativ hochwertiger Journalismus nicht nur möglich, sondern auch dringend notwendig ist. Österreich braucht verantwortungsvollen Journalismus als reflektierendes Korrektiv und letztlich als zentralen gesellschaftlichen und demokratischen Beitrag.“

PA/red

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