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Parteiische Medien setzen Journalismus unter Druck

Walach: „Journalisten sollten ihre Position transparent machen“
© Pixabay

Oft fehlt etablierten Medien ausreichendes Personal

Das Aufkommen neuer parteiischer Medien in Österreich setzt etablierten Qualitätsjournalismus unter Druck. Zu dieser Einschätzung gelangte der Großteil der Teilnehmer einer Podiumsdiskussion der Initiative Qualität im Journalismus (IQ). Damit man sich behaupten könne brauche es Transparenz, eine ausgewogene Selektion der Themen, Kooperation und nicht zuletzt ausreichend Ressourcen, damit Zeit und Personal für Recherche verfügbar sind.

Stimmen aus der Medienbranche

Laut Alexandra Föderl-Schmid, stellvertretende Chefredakteurin der „Süddeutschen Zeitung“ bringe der Boom neuer parteiischer oder aktivistischer Medien bringe traditionelle Medien dazu, stärker herauszuarbeiten, was Journalismus und was Propaganda sei. Dies könnte zwar zu einem Qualitätsschub führen, bringe traditionelle Medien aber gleichzeitig unter Druck. Befremdlich sei, dass heutzutage oft nicht deklariert werde, wer hinter diesen neuen Medien steckt. „Auch im Impressum ist nicht immer deutlich hervorgehoben, dass eine parteiische Konnotation vorhanden ist“, so Föderl-Schmid.

Beim von Peter Pilz herausgegebenen Medium „zackzack.at“, versteht man sich als regierungskritisch. Laut Clemens Walach, Chefredakteur des linken Boulevardmediums könne man dies auch klar erkennen. Man beziehe Haltung und täusche die Rezipienten somit nicht mit einer zur Normalität erklärten „Scheinneutralität“. „Wir brauchen eine neue Kultur. Wir brauchen Journalisten, die ihre Position transparent machen. Und wir wollen diese Kultur anstoßen“, so Walach.

„Es ist legitim, eine Haltung zu vermitteln, solange man dabei transparent ist“, meinte Michael Roither, Professor für Digitale Medien und Kommunikation der FH Burgenland. Es ist demokratiepolitisch wichtig, dass es Medien möglich ist so zu agieren. Dennoch ermögliche unparteiisches Handeln im Journalismus und der Versuch „handwerklicher Objektivität“ verstärkt abzuwägen und zu gewichten – zwei Merkmale von Qualitätsjournalismus. Die Sicherung von Qualität fange freilich schon mit der Verinnerlichung ethischer Grundsätze bei den Journalisten selbst an. Umfassendes Faktenchecken trägt zur hausinternen Qualitätskontrolle bei. Diese sei jedoch eine Ressourcenfrage. „Es gibt viel Druck und wenig Personal“, stellte der Kommunikationswissenschafter fest.

Ivo Mijnssen, Korrespondent der „Neuen Zürcher Zeitung„, sah auch für Qualitätsmedien Platz zur Gewichtung gegeben. Auch Argumenten, denen man nicht zustimme, müsse Raum gegeben werden. Das sei zusehends schwierig. „Es gibt einen gewissen Drang zur Zuspitzung“, meinte er und führte das unter anderem auf die Logik der sozialen Medien zurück. Dort würden klare Positionen besser ankommen. Problematisch sieht er häufig fehlende Zeit zur intensiven Auseinandersetzung mit Themen.

Den Anspruch die andere Seite anzuhören erachte Föderl-Schmid als zentral. „Ergebnisoffene Recherche macht Qualitätsjournalismus aus. Wenn man eine Meinung vorträgt, dann eine fundierte Meinung, die auf Fakten basiert“, so die Chefredakteurin. Faktenbasierte Meinung sieht Walach bei zackzack.at gegeben. Weil wir uns so stark positionieren, ist es wichtig, dass unsere Geschichten stimmen. Wir stehen unter besonderer Beobachtung und machen sehr viel Recherche. Sogar mehr als viele andere sich leisten können“, behauptete er. Walach sieht zackzack.at nicht als Parteimedium wie etwa der heuer gegründete Politik-Blog des ÖVP-Klubs „Zur Sache“ oder das vom SPÖ-Parlamentsklub betriebene Onlinemedium „kontrast.at“. „Wir wurden als journalistisch betriebenes PR-Organ einer Partei gegründet. Uns ist aus meiner Perspektive zum Glück die Partei abhandengekommen“, so Walach. Die Funktion von Pilz als Herausgeber mache das Medium nicht zu einer Parteizeitung. Schließlich sei die Liste Pilz nicht mehr aktiv.

APA/red

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