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Österreich bekommt neues Anreizmodell für die Film- und TV-Produktion

Betrifft Kinoproduktionen ebenso wie erstmals Streamingprojekte
© Unsplash

Österreichs Film-und Fernsehproduktionen haben die Möglichkeit auf eine neue Förderschiene, welche an sich nicht gedeckelt wird

Die Film- und Fernsehbranche in Österreich feiert einen Erfolg: Lange von ihnen gefordert, erhält nun auch Österreich ein modernes finanzielles Anreizmodell, um Produktionen im Land zu halten beziehungsweise aus dem Ausland anzuziehen. So soll mit dem 1. Jänner 2023 demnach das neue Fördermodell implementiert werden, bei dem bis zu 35 Prozent der in Österreich investierten Mittel refundiert werden – für internationale Filmproduktionen ebenso wie im Streamingsektor oder bei heimischen Vorhaben. Präsentiert wurden diese Pläne am Dienstag.

Dabei bildet das Herzstück des neuen Modells ein nicht rückzahlbarer Zuschuss von 30 Prozent pro in Österreich realisiertem Projekt, der um weitere fünf Prozentpunkte steigen kann, wenn ökologische Kriterien erfüllt werden.

Im Gegensatz zu bisherigen Konstruktionen ist das System an sich nicht gedeckelt, um das Ausschöpfen von Fördertöpfen im Laufe eines Jahres zu verhindern. In Summe schätzt man den jährlichen Förderbetrag auf mehrere Millionen im zweistelligen Bereich. Pro Film liegt der Maximalzuschuss allerdings bei fünf Millionen Euro, pro Serie bei 7,5 Millionen Euro. Erstmals werden mit diesem neuen System auch Streamingproduktionen gefördert.

FISA+ und ÖFI+

So setze man künftig auf drei Säulen. Für internationale Serviceproduktionen gibt es unter dem Titel FISA+ Zuschüsse, die über das Austria Wirtschaftsservice (AWS) abgewickelt werden. Produktionsdienstleistungsunternehmen mit Sitz in Österreich können hierum ansuchen, wenn sie an dem entsprechenden Projekt respektive dessen Fertigstellung beteiligt sind.

Zusätzlich ist das FISA+ System auch zuständig für heimische Fernseh- und Streamingvorhaben, die nicht im Auftrag von Sendern oder Videoabrufdiensten erstellt werden, sollte das Gesamtbudget über 1,8 Millionen Euro liegen. Geringer dotierte Produktionen verbleiben weiterhin im Fernsehfonds. Dabei ist es sogar möglich mit einem Österreichbonus über die 35 Prozent Zuschüsse zu gehen. Das kündigte die Medienministerin Susanne Raab an: „Der Österreichbonus wird dann ausgegeben, wenn es eine überdurchschnittliche Wertschöpfung in Österreich gibt.“

Und schließlich wenden sich heimische Kinofilme künftig ausschließlich an das Österreichische Filminstitut, bei dem unter dem Titel ÖFI+ nun die Förderungen zentral abgewickelt werden. Somit entfällt der bisher notwendige Gang zum Filmstandort Austria (FISA). „Das ist ein One-Stop-Shop“, bekräftigte die Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer. „Mit diesem Anreizmodell machen wir Österreich international konkurrenzfähig“, führt sie weiter aus.

„Einen nahezu historischen Meilenstein“ konstatierte Roland Teichmann, Direktor des Österreichischen Filminstituts. Man habe nun ein bestens austariertes Modell, mit dem sich die Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandorts steigern lasse: „Damit wird das zeitlich unbefristete und ohne budgetäre Deckelung versehe Modell zu einem echten Gamechanger, der die heimische Filmbranche gerade jetzt nach der langen Durststrecke durch die Pandemie und den damit verbundenen Verwerfungen des Finanzierungs- und Verwertungsmarktes entscheidend stärkt und Planungssicherheit gibt.“

Positive Reaktionen aus der Branche

„Insgesamt haben wir Nachholbedarf“, konstatierte auch Finanzminister Magnus Brunner bei der Vorstellung des Modells im Bundeskanzleramt. Man sei mit den bestehenden Fördermittel nicht mehr am Puls der Zeit und Österreich sei zuletzt ins Hintertreffen geraten, was man nun wieder ändern wolle: „Wichtig ist, dass die Wertschöpfung in Österreich stattfindet.“

Ebenso vom vereinbarten Konstrukt angetan zeigte sich auch Wirtschaftsminister Martin Kocher: „Das ist ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann.“ Das neue Modell vereinfache künftig die Handhabe, wodurch man sich wieder in den europäischen Kanon einreihe. Zuvor gibt es noch eine kurzfristige Erhöhung bei der nun mit Jahresende auslaufenden Förderschiene Filmstandort Austria (FISA) – allerdings wurden deren jährliche Mittel von 7,5 Millionen Euro bereits im ersten Quartal komplett ausgeschöpft. Daher stocke man hier nun um 2 Millionen Euro auf, so Kocher.

Und auch der Fachverband Film-und Musikwissenschaft in der Wirtschaftskammer freut sich über die Neuregelung. „Ich freue mich unendlich“, so Obmann Alexander Dumreicher-Ivanceanu gegenüber der APA. „Es ist eine echte Punktlandung!“ Dabei sei die eigentliche Sensation, dass die Förderschiene an sich nicht gedeckelt werde. Damit gebe es künftig kein Rennen mehr darum, wer als erstes einen Antrag einreicht. „Stattdessen löst man die Bremsen für das kreative Potenzial“, so Dumreicher-Ivanceanu. Und nicht zuletzt sei der grüne Bonus von fünf Prozent europaweit einzigartig: „Da ist Österreich ein Vorreiter.“ Damit könne man die notwendige Umstellung der Branche in Richtung Klimaneutralität beschleunigen.

Auch WKÖ-Präsident Harald Mahrer begrüßte die Konstruktion: „Das neue Anreizsystem für unsere Film- und Kreativwirtschaft ist eine Win-win-Situation zur Stärkung des Filmstandortes Österreich, denn: Jeder in den österreichischen Film investierte Euro kommt vielfach zurück – durch ein Mehr an Wertschöpfung und Arbeitsplätzen in Österreich, durch nachhaltige Tourismuseffekte, durch positive Struktureffekte in der Filmwirtschaft sowie durch Umsatzeffekte in den Zulieferbetrieben und in der gesamten Wertschöpfungskette.“

Ebenso erfreut zeigt sich das österreichische Filmfestival Diagonale am Dienstag. „Wir freuen uns, dass hierzulande endlich film- und kulturpolitische Schritte gesetzt werden, die auch als wirtschaftspolitische Maßnahmen zu sehen sind – ein längst überfälliger und zentraler Schritt, um den österreichischen Film international anschlussfähig zu halten“, so das Intendantenduo Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber in einer Aussendung.

APA/ Red.

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