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Die versammelten Preisträger

 

Der 40. Karl Renner Publizistikpreis wurde vergeben

 

Im Vorraum des Wappensaals des Wiener Rathauses empfing eine Kunst-Installation mit dem Titel „Briefgeheimnis“ von Ezgí Erol, Antonio Semeraro und Shabnam Chamani die Gäste bei der 40. Verleihung des diesjährigen Dr. Karl Renner-Publizistikpreises. Aus überlebensgroß gedruckten Briefen von Max Zirngast konnten sich alle einen Teil heraustrennen, um sich als Zeichen der Solidarität ein Stückchen Max Zirngast mitzunehmen.

 

In der Kategorie Print hielt Susanne Ayoub die Laudatio für Nina Kreuzinger, die für ihre Artikelserie „Operation Abrissbirne“, die im Falter und in der Wiener Zeitung erschienen ist, den Dr. Karl Renner Publizistikpreis 2018 erhielt. Sie habe damit ganz wesentlich zur Verordnung vom 1. Juli 2018 beigetragen, die nun Gründerzeithäuser besser unter Schutz stellen soll. Nina Kreuzinger sah die Auszeichnung als Bestätigung ihres 2009 eingeschlagenen Weges als freie Journalistin. Als diese hätte man zwar keinerlei rechtliche und soziale Sicherheit, könne sich aber jenen Themen widmen, die einem wichtig erscheinen. „Die ersten wichtigen Recherchegespräche fanden vor meiner Haustüre statt, mit meiner Postbotin“, so Kreuzinger und abschließend: „Das Thema benötigt weiter unsere Aufmerksamkeit.“

In der Kategorie Fernsehen würdigte Laudator Oswald Klotz Kim Kadlec und Max Nicholls für ihre Am Schauplatz-Reportage „Chakra mit Gewerbeschein – die Energetikerbranche boomt“ während der umstrittene Energetiker vom Krankenhaus Nord zeitgleich und ortsgleich zur Preisverleihung im Rathaus im Untersuchungs-Ausschuss aussagen musste. „Wir haben einen öffentlich-rechtlichen Auftrag, um auch in Bereichen zu recherchieren, die unangenehm sind“, bedankte sich Kim Kadlec für den Preis.

In der Kategorie Online hielt Zoran Dobric die Laudatio für Yvonne Widler: „Eine der wichtigsten Säulen einer demokratischen Gesellschaft ist ein unabhängiger Journalismus, den wir schon bald für tot erklären müssen. Immer weniger Journalistinnen und Journalisten haben Zeit, ordentlich zu recherchieren.“ Ausgezeichnet wurde Yvonne Wilder mit dem Dr. Karl Renner Publizistikpreis 2018 für ihre Reportage "Misshandelt: Vom Jugendamt zu einer Mörderin gesteckt" über das Leben von Walfried Janka, der als Baby zu einer Pflegemutter kam, die zuvor ihr eigenes Kind getötet hatte und später selbst zum Mörder wurde.

In der Kategorie Investigativer Journalismus zeichnete Laudator Helmut Kletzander ein Recherchekollektiv von Die Presse und ORF aus. Judith Hecht, Nikolaus Jilch, Emanuel Liedl und Hans Wu hatten acht Gigabite Daten gesichtet, um einen Kriminalfall rund um eine Bitcoin-Sekte zu durchleuchten. Die Situation erforderte von sonst so einzelkämpferischen Journalisten Teamarbeit. Dass acht Augen mehr sehen als zwei hätte die Recherche nicht einfacher, das Ergebnis aber umso besser gemacht, betonten die Preisträgerinnen und Preisträger.

Kurt Langbein erhielt den Dr. Karl Renner-Publizistik-Preis für sein Lebenswerk. In seiner Laudatio erklärte Rainer Rosenberg: „Kurt Langbein – ich wage es zu sagen – ist ein braver Sohn, sein Vater kämpfte gegen den Faschismus, für eine Revolution und das Überleben, er musste das Scheitern seiner Ideologie erkennen und ließ sich in seiner Suche nach Gerechtigkeit und Auseinandersetzung mit den erlittenen Verbrechen nicht entmutigen.“ Derzeit schreibt Kurt Langbein ein Buch über die Geschichte seines Vaters.

Bildcredit: ÖJC/Hochmuth