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Darf ein roter Generalsekretär (Thomas Drozda) Luxusuhren von Patek Philippe um 45 Flocken oder eine Rolex um 7 Tausender tragen?

 

Die Entrüstung hierzulande ist groß. Es brodelt. Die Parteigenossen sticheln:
"Thomas, du bist ein Bobo", tönt es aus der steirischen Fraktion.
Bobo – das kommt von Bohemien, also bürgerlich und so gar nicht sozerlmäßig.
Dazu Akademiker – pfui, und Anzugträger – pfui, pfui, pfui!

Wer – so tönt es unterschwellig – die Schwachen und Unterprivilegierten vertritt, der darf keine teure Uhr tragen. Kein Teufelssymbol der anachronistischen Ausbeutung.

In Deutschland gibt’s grad eine ähnliche Diskussion um Sawsan Chebli, die zur Vizesprecherin des Auswärtigen Amtes ernannt wurde. Ihre Rolex kostet 7300,-.

In Facebook las man dazu: „Alles, was man über den Zustand der deutschen Sozialdemokratie wissen muss ...“
„die-da-oben“
„von unseren Steuergeldern“
„Danke Merkel!“
Der Stern äzte über den Preis und 18 Hartz-IV-Regelsätze, was er dann mit Entschuldigung zum „Meinungsbeitrag“ reduzierte.

Samira el Ouassil, eine meiner Lieblingsautorinnen auf „Übermedien“, packt die aufgekommene Entrüstung in einen kompakten Satz. Er lautet: „Wer die Opferkarte spielt, der darf nicht wie ein Gewinner aussehen.“ Das, meint sie, ist auf mehreren Ebenen „fucked up“.

Wusstet ihr, das Fidel Castro 2 (!) Rolex Gtm Master trug? Und dass er Che Guevara eine schenkte?

Das Problem an Statussymbolen wie Rolex ist, dass sie als solche für Prolo & Co sofort erkennbar sind. Deshalb empfiehlt David Brooks 2000 in seinem Buch „Bobos in Paradise“, Statussymbole postmateriell anzulegen. Es muss dem Eingeweihten ins Auge fallen (Maßhemd mit Monogramm, Maßschuhe, die von Stangenware nur mit geübtem Blick zu unterscheiden sind), dem Underdog aber verborgen bleiben. Eine Rolex hingegen fällt auf.

Erinnert ihr euch an die Maßanzüge von Hannes Androsch, die Krone-Adabei Roman Schliesser publik machte? An den Jaguar Daimler von Poldi Gratz, der in der Ganzen Woche aufflog?

Nichts hat diesen Politikern in ihrer Karriere mehr geschadet, dem Gratz vielleicht der Club45, aber das war auch Status.

Liebe Genossen und liebe Journalisten-„Kollegen“,

was seid ihr doch für feiges, verlogenes und scheinheiliges Pack!

Ich versteh den Drozda, dass er 200 mal am Tag auf etwas Edles schauen will. Hat er gebraucht gekauft. Clever. Ich bin’s ihm nicht neidig. Er hat’s nicht gestohlen. Aber, so schlussfolgert die kluge El Ouassil: 
„Sozialdemokraten werden ästhetisch immer wieder über ihr Versprechen stolpern müssen, dass sie im Grunde jedermann sind ...“
Wollen’S vielleicht doch künftig eine Swatch tragen, Herr Drozda? Ich schenk Ihnen eine von meinen ...

 

Bildcredit: Pixabay