Skip to content. | Skip to navigation

In Kindersendungen soll Werbung für ungesunde Lebensmittel beschränkt werden

Regulierung für Medien bei Lebensmitteln

Der Verein „forum.ernährung heute“ hat im aktuellen Magazin Werbung in Kindersendungen im Fokus.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt regelmäßig, dass der mit dem Medienkonsum einhergehende Einfluss von Marketing und Werbung für ungesunde Nahrungsmittel ein Risikofaktor für Übergewicht und Adipositas, insbesondere bei Kindern, ist. Mit der Umsetzung der überarbeiteten EU-Mediendiensterichtlinie in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten soll dieser Problematik noch 2019 konkret begegnet werden.

Dr. Marlies Gruber, Ernährungswissenschaftlerin und Geschäftsführerin des Vereins zur Förderung von Ernährungsinformationen (forum.ernährung heute), fasst dazu im aktuell erschienenen Magazin „ernährung.heute“ Studien zusammen, die sich dem Thema widmen.

- Bei Laborexperimenten zeigt sich, dass Kinder um 45 Prozent mehr eines nicht beworbenen Snacks essen, wenn sie Werbung für andere Snacks gesehen haben. Daraus lässt sich schließen: Werbung wirkt generisch und nicht nur auf die Marke.

- „Nur, weil Werbung den Konsum erhöht, heißt das nicht, dass Werbeverbote automatisch wirken“, sagt Arnd Florack vom Institut für Angewandte Psychologie der Universität Wien. In Staaten mit Werbeverbot für Alkohol etwa wurde zwar eine etwas geringere Kaufintention als in Staaten ohne Verbot beobachtet. Allerdings schrumpft der Vorteil auf 3 Prozent, wenn die Menschen online Werbung sehen.

- Auch Erfahrungen aus Quebec weisen auf eingeschränkte Erfolge hin. Seit 1980 ist es dort verboten, Werbung für Fast Food an Kinder unter 13 Jahren zu richten. Analysen zeigten, dass das Verbot nur bei französischsprachigen Familien mit Kindern wirkte. Sie kauften tatsächlich weniger Fast Food. In französischen Haushalten ohne Kindern und bei englischsprachigen mit oder ohne Kindern waren hingegen keine Effekte zu beobachten. Die Erklärung dafür? Diese Familien nutzen das US-amerikanische Fernsehen...

- Mehrere Untersuchungen weisen nach, dass Werbeverbote auf einem Kanal lediglich dazu führen, dass sich diese Art der Beeinflussung andere Kanäle sucht. Dabei geht es längst nicht mehr nur um TV- oder Printwerbung. Diffiziler zu beschränken ist digitales Marketing. Speziell soziale Medien lassen sich diesbezüglich kaum kontrollieren.

Michael Straberger, Präsident des Österreichischen Werberates, sieht staatliche Werberegulierungen deshalb kritisch. Vielmehr sollte, wie schon bisher, verstärkt auf Selbstverpflichtungen der Medien- und Lebensmittelanbieter gesetzt werden, sagt er im Gespräch mit ernährung heute. Darauf zielt die eingangs erwähnte überarbeitete EU-Mediendiensterichtlinie ab.

Audivisuelle EU-Richtlinie

Die Überarbeitung der EU-Mediendiensterichtllinie schafft einen Rahmen für EU-weite Mediendienste, die klassisch im TV und über On-Demand-Services wie YouTube, Netflix oder Facebook zur Verfügung stehen. Ziel der Direktive ist, Kinder und Jugendliche vor Gewalt, Hass, Terrorismus und schädlicher Werbung zu schützen und generell strengere Vorschriften für Werbung zu bewirken. Darüber hinaus sieht die überarbeitete Fassung u.a. vor, dass sich die Lebensmittelwirtschaft bei der Werbung von Produkten mit hohem Salz-, Fett- oder Zuckergehalt in Kindersendungen selbst beschränken soll.

Selbstbeschränkung der Hersteller

Mit „EU Pledge“ gibt es auch bereits eine freiwillige Selbstbeschränkung der Lebensmittelhersteller seit 2007 auf EU-Ebene. Im Rahmen der Initiative verpflichten sich Unternehmen, die an Kinder gerichtete Werbung einzuschränken. Dies beinhaltet Auflagen für Kommunikation und Werbung u.a. in den Bereichen TV, Print, Radio und Online sowie im Setting Schule. Mittlerweile beteiligen sich 22 Hersteller an der Kampagne.

Verhaltenskodex Rundfunkveranstalter

Darüber hinaus gibt es einen Verhaltenskodex der österreichischen Rundfunkveranstalter. Dieser wurde 2010 vom Fachverband Telekom/Rundfunk, vom ORF und vom Verband Österreichischer Privatsender beschlossen. Er ist in Zusammenarbeit mit dem Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie erarbeitet worden. Der Kodex beinhaltet eine freiwillige Selbstverpflichtung der Rundfunkveranstalter für lebensmittelbezogene Werbung, die Kindersendungen begleitet oder darin enthalten ist. Dies gilt insbesondere für Lebensmittel und Getränke, die eine besonders hohe Energiedichte bzw. hohe Gehalte an Fett, Transfetten, Zucker oder Salz/Natrium haben und deren übermäßige Aufnahme nicht empfohlen wird.

PA/red/KaM

Bildcredit: www.pixabay.com