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Jetzt spricht Horst Pirker Klartext: „Hasspostings schädigen das Image von jeder Medienmarke, die solches fördert.“

 

ED: Es gab eine große Diskussion, ausgelöst durch ein Facebook-Posting von mir zum Thema Hasspostings beim Ableben von Eva Twaroch, wo im Kondolenzforum des „Standard“ erbärmliches, pietätloses gepostet wurde. Wie stehen Sie persönlich zu anonymen Postings? Haben Sie selber einen anonymen Account? Würden Sie selber anonym posten?

 

Pirker: Erstens habe ich keinen anonymen Account. Und zweitens poste ich selber dementsprechend und folgerechtlich nicht anonym. Ich war immer ein Gegner von anonymen Postings. Ich bin ganz klar für eine Klarnamen-Politik. Auch wenn die vielleicht vorläufig bei dem einen oder anderen Marktteilnehmer wirtschaftlich negative Folgen hat. Ich glaube, es gibt keine Alternative dazu. Ich habe auch schon mehrere Klarnamen-Gegner gefragt, was ein Argument dagegen ist und habe noch kein stichhaltiges gehört. Das, was hier gespielt wird, ist für mich menschenverachtend. Jeder, der schon von Hasspostings - und das ist fast jeder - betroffen war, weiß, wie übel dieser Zugang ist. Mich würde einmal interessieren, warum hier so eine große Keuschheit besteht, endlich Klarnamen als verbindlich einzuführen. Weil ich kann ja mit meinem Auto auch nicht ohne Nummerntafel durch die Gegend fahren, nur weil das vielleicht für mich lustiger ist.

 

ED: Es gibt drei Hauptargumente gegen die Abschaffung der Anonymität: 1.: Das sei eine Einschränkung der persönlichen Freiheit. Das Argument zwei ist, dass auch bei Klarnamenpflicht Hass unter dem echten Namen gepostet wird. Das dritte ist ein wirtschaftliches Argument: So schreibt die Tageszeitung „Österreich“, dass der „Standard“ mit den Postings rund 2,7 Millionen Euro im Jahr Profit macht. Über die „Klicks“, die er wegen der Schaulust und wegen der Gaffer, die die Seite nur wegen der anonymen Poster besuchen, generiert. Was sagen sie zu diesen drei Argumenten?

 

Pirker: Ich glaube, dass der wirtschaftliche Vorteil so etwas nicht rechtfertigt. Außerdem glaube ich, dass das zu kurz gedacht ist. Ich glaube, dass Marken, die eine solche wirtschaftliche Basis so weit in den Vordergrund stellen, leiden. Das heißt, wenn ich eine Qualitätsmarke sein will, dann wird es nicht damit zusammengehen, dass ich Hasspostings als wirtschaftliche Grundlage benutze. Das heißt, es tut ja auch etwas mit der Marke. Und das ist eindeutig negativ.

Zum Thema Freiheit: Es gibt immer ein Begriffspaar: das heißt Freiheit und Verantwortung. Das heißt, die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Verantwortung gegenüber dem Gemeinwesen, oder den anderen beginnt. Es gibt keine absolute Freiheit. Und die absolute Freiheit gibt es legitimer Weise natürlich auch nicht im Netz.

Zum dritten Argument, dass die sowieso posten: Das schauen wir uns dann an. Ich glaube, es gibt ja zumindest bei einem Teil der Bevölkerung noch einen Rest von Schamgefühl. Dieses Risiko würde ich problemlos in Kauf nehmen.

 

ED: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte ExtraDienst Herausgeber Christian W. Mucha.

Bildcredit: VGN