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Jetzt redet DMB-Abgänger Bergmann

 

Am 31.12.2018 stand fest: Dr. Harry Bergmann – Mitbegründer und Namensgeber der Werbeagentur Demner, Merlicek und Bergmann­ – wird das Unternehmen verlassen. Gerüchten zufolge, waren die Gründe für seinen Austritt privater Natur. 

Im Gespräch mit ExtraDienst Herausgeber Christian W. Mucha, erläutert der 67-jährige jedoch die wahren Beweggründe, berichtet über unterschiedliche Betrachtungsweisen der Geschäftsführung und erzählt von seinen Zukunftsplänen.

 

ExtraDienst: Herr Dr. Bergmann, man sagt, die Gründe für Ihr Ausscheiden nach so langer Zeit aus der Agentur DMB würden darin liegen, dass Demner zwar seinen eigenen Nachwuchs in der Agentur untergebracht hat, ihr Nachwuchs jedoch nicht zum Zug gekommen ist. Stimmt das?

Bergmann: Das ist völlig unrichtig. Ich habe drei Söhne, einer davon hat eine gewisse Zeit im Unternehmen gearbeitet. Der ist allerdings aus der Agentur wieder ausgeschieden und arbeitet nun als Dokumentarfilmer. Nein, die Gründe meines Ausscheidens waren andere.

 

ExtraDienst: Und zwar welche?

Bergmann: Weil wir sehr gegensätzlich sind, hat es zwischen uns immer gut funktioniert. Im Laufe der Jahre jedoch – und auch aufgrund meiner privaten Schicksalsschläge – hat sich das immer mehr und mehr verschlechtert. Das war der Punkt, an dem ich mir dachte: Wenn ich noch etwas Neues machen möchte – ich bin schließlich nicht mehr der Allerjüngste – wenn nicht jetzt, dann brauche ich es gar nicht mehr probieren. Es klingt zwar sehr dramatisch, wenn man hört „Bergmann verlässt nach 42 Jahren die Agentur“, aber es ist in Wahrheit eigentlich weniger dramatisch, als es klingt. Ich möchte einfach etwas Eigenes machen. Ich will das auf meine Art machen. Ausschließlich auf meine Art.

 

ExtraDienst: Sie haben gesagt, Sie sind unterschiedliche Charaktere, Sie haben unterschiedliche Ansichten. Im Klartext heißt das: Demner ist Feuer und Sie sind Wasser. Sie waren immer derjenige, welcher beruhigt hat, Demner war immer das Häferl, Demner ist immer gleich explodiert, war immer aggressiv. Er war auch immer der „I-Tüpferl-Reiter“, der hochgeht, wenn etwas nicht gepasst hat. Sie haben immer versucht zu kalmieren. Trifft es das in etwa?

Bergmann: Das trifft es, ja. Wir sind jedoch nicht nur, was die Streitkultur betrifft, so unterschiedlich. Wir sind vor allem auch in der Art und Weise, wie wir arbeiten, verschieden. Er ist sehr impulsiv, ich bin sehr analytisch – das war eine tolle Ergänzung. Ich bin eher der Denker, er ist eher der Macher. Es war wie Yin und Yang. Das ist es jetzt aber nicht mehr.

 

ExtraDienst: Was war die Position des Herrn Merlicek in diesem trigonalen System?

Bergmann: Sie war über die viele Jahre hinweg sehr unterschiedlich. Weil er sich ja schon Mitte der 80er Jahre aus der Geschäftsführung zurückgezogen hat und nur mehr mit Kunden gearbeitet hat. Daher waren die bestimmenden Elemente Demner und ich.

 

ExtraDienst: Was war dann sein Input? Die Kreation? Die Kundenbetreuung?

Bergmann: Die Kreation. Er war –  bzw. ist – ein großartiger Art-Direktor und Kreativ-Direktor. Er hat sich daher auch auf eine bestimmte Anzahl von Kunden konzentriert. Er hatte die Bedeutung eines Gründungspartners und war eine Institution in der Agentur. Aber wie soll ich es sagen –  er hatte keine spielbestimmende Bedeutung mehr.

 

ExtraDienst: Wie viele Geschäftsanteile hatten Sie am Schluss an der Agentur? 50/50? Oder waren es weniger?

Bergmann: Das kann ich nicht sagen. Es waren substantiell Anteile, die ich mit meinem Austritt am 31.12.2018 abgetreten habe.

 

ExtraDienst: Gab es einen Streit oder eine Auseinandersetzung wegen der Anteile?

Bergmann: Nein. Es gab Verhandlungen. Die haben drei bis vier Monate gedauert und waren hart aber schlussendlich fair.

 

ExtraDienst: Man sagt, es gibt auch Diskussionen um Abfertigungsbeiträge oder Beträge wo Sie auch um Geld gestritten haben. Stimmt das?

Bergmann: Nein, ums Geld haben wir nicht gestritten.

 

ExtraDienst: Was genau machen Sie nun selbst?

Bergmann: Ganz genau kann ich es Ihnen nicht sagen, weil ich das selbst nicht weiß. Ich möchte eine Consulting-Firma eröffnen. Es muss nicht nur im Marketingbereich sein. Ich habe auch noch andere Pläne, welche abseits von dem sind, was ich die letzten 42 Jahre gemacht habe. Aber ein Teil davon wird sicher die strategische Beratung sein. Ich glaube, ich kann sehr gut mit Kunden umgehen. Die meisten meiner Kunden – bzw. meiner ehemaligen Kunden – haben großes Vertrauen in mich persönlich. Ich glaube, eine meiner Stärken ist, dass ich gute Verhältnisse aufbauen kann.

 

ExtraDienst: Wer waren Ihre Schlüsselkunden?

Bergmann: Rewe – bei Rewe haben wir einige Kunden, A1, Stiegl, Vöslauer...

 

ExtraDienst: Das ist ein Billing-Volumen von wie viel?

Bergmann: Ich schätze von etwa 40 Prozent der Agentur.

 

ExtraDienst: Und in Zahlen?

Bergmann: Das müssen Sie Herrn Demner fragen.

 

ExtraDienst: Das sind hundert Millionen Billings. Mindestens.

Bergmann: Das will ich nicht kommentieren.

 

ExtraDienst: Haben Sie eine Vereinbarung mit Herrn Demner, dass Sie keine Kunden mitnehmen? Hat er Angst, dass Sie Kunden mitnehmen?

Bergmann: Ich weiß nicht, ob er Angst hat. Jedenfalls gibt es eine Vereinbarung darüber.

Ich habe auch einen Beratungsvertrag, dass ich einigen meiner Kunden – zumindest in einer gewissen Form  – jetzt auch noch in der Übergangszeit zur Verfügung stehen kann.

 

ExtraDienst: Haben Sie genug Geld durch den Verkauf der Anteile bekommen?

Bergmann: Ich habe genug Geld. Machen Sie sich keine Sorgen, Herr Mucha!

 

ExtraDienst: Angeblich sagt man, dass die Agentur einen Wert von ca. 50-60 Millionen hat. Kommt das hin?

Bergmann: Auch das: Alle Zahlen, bitte, mit Herrn Demner besprechen, nicht mit mir.

 

ExtraDienst: Wenn Sie auf der Straße Herrn Demner treffen, plaudern Sie dann noch mit ihm darüber?

Bergmann: Ja, sicher!

 

ExtraDienst: Was waren seine letzten Worte, als Sie gegangen sind?

Bergmann: Es gibt noch gar keine letzten Worte, weil ich ja noch ein paar Sachen dort zu machen habe.

 

ExtraDienst: Sie haben das Büro also noch nicht geräumt?

Bergmann: Das Büro habe ich noch nicht geräumt, aber ich gehe auch nicht mehr hin. Ich gehe zu Besprechungen in die Agentur. Das Büro ist noch da – also ausgeräumt wie in den amerikanischen Filmen, dass ich alles in Kartons eingepackt habe, das hat nicht stattgefunden. Aber ich werde demnächst ausziehen.

 

ExtraDienst: Haben Sie jetzt ein kleineres Zimmer oder behalten Sie ihr Chefzimmer?

Bergmann: Ich habe überhaupt kein Zimmer. Ich brauche auch kein Zimmer. Ich setze mich zu den Leuten, mit denen ich die Arbeit zu machen habe, und dann gehe ich wieder.

 

ExtraDienst: Danke für das Morgen-Gespräch, Herr Dr. Bergmann.  

Bergmann: Vielen Dank!

Bildcredit: Pixabay