Ein Kommentar von Christian W. Mucha.
Gegensteuern

 

Ein Kommentar von Christian W. Mucha

 

Jetzt geht es dem Standard und seiner Geschäftemacherei mit den Hasspostern ans Eingemachte. Dementsprechend groß ist die Nervosität. Und jetzt wird alles in die Schlacht geschickt, was da nur so geht, um das Unheil – sprich das Verbot von anonymen Postings – möglichst abzuwenden. Mit Lobbying, mit Politverhandlungen, mit Podiumsdiskussionon und mit der Mobilmachung der Poster auf der eigenen Page, um die Millionen, die man damit jährlich kassiert, nur ja nicht zu verlieren. Denn das wäre fatal. Und wirtschaftlich ein Schuss in die eigenen tiefsten Körperregionen.

Kaum ein Tag vergeht, an dem die lachsfarbene Kamarilla nicht aus allen Rohren schießt. Zum Beispiel am vergangenen Wochenende mit einem Gift-Kommentar von Günter Traxler. Oder am 17.01.2019 mit dem Beitrag auf etat.at „Registrierungspflicht für Postings stößt auf rechtliche Bedenken“. Dem Vorangegangen: Eine Podiumsdiskussion im Presseclub Concordia, veranstaltet von der Plattform „Initiative Qualität im Journalismus“, die wort- und argumentationsreich die ach so wichtige Sudelei im Internet schönzureden suchte. Das derjenige, welcher die ganze Diskussion ins Rollen gebracht hat – nämlich ich – selbstverständlich nicht am Podium willkommen ist, versteht sich. Im Sinne des Lobbying. Und dennoch – wiewohl peinlich vermieden wurde, meinen Namen während des gesamten Abends auch nur ein einziges Mal zu nennen – meine Argumente waren am Podium, im Publikum allgegenwärtig. Und meine Hauptargumente, die ich am 1.01.2019 und danach postete, waren auch die Hauptthemen auf der – extrem einseitig angelegten – Diskussion. So diskutierte man knapp zwei Stunden über das Thema aller Themen zum heurigen Jahresbeginn, doch dass Wort Klarnamenpflicht fiel erst, nachdem eine Person aus dem Publikum die Kernfrage aufbrachte.

Sie haben sich ordentlich ins Zeug gelegt, die Herrschaften. Wenn sie den Mut, die Verve und die Kraft gehabt hätten, mich dort aufs Podium einzuladen, dann wäre, das garantiere ich, die Diskussion anders verlaufen. Denn was hätten die Herrschaften zum Beispiel zu meinem Argument gesagt, dass es einem Bruno Kreisky, Niki Lauda, Sebastian Kurz oder Hugo Portisch niemals eingefallen wäre, anonym zu posten? Dass kein Mensch mit Hirn, Herz, Verstand, Stil, Qualität, Elan und Argumenten die standhalten, es nötig hat, sich zu camouflieren. Anonym und armselig vermummt seine hetzerischen, ketzerischen und gehässigen Anmerkungen zu allem, das da täglich passiert, in seiner ausufernden Tages- und Nachtfreizeit ins Netz hinauszurülpsen. Ungestraft. Oder geschützt von Geschäftemachern, die damit ihr Gerstl verdienen, dass sie Leichen auf die Autobahn drapieren und davon profitieren, dass hunderte mit ihren eingeschalteten Handys die blutverschmierten Körper ablichten und (ach wie geil) den Unfall kommentieren. Natürlich, ohne ihre eigenen Namen zu nennen. Es ist ein übles Geschäft. Ein Geschäft mit der Schaulust. Ein Geschäft mit den Gaffern. Ein Geschäft mit jenen, die sich sensationsgeil die Ausraster, die Untergriffe und die Gehässigkeiten „geben“. Und deshalb in Scharen vom Standard angelockt werden. Und wer das schönzureden versucht, wer das als rechtlich bedenklich darstellt, wer das als „wesentliche Säule der demokratischen Freiheit“ oder der „Freiheit im Netz“ darzustellen versucht, den möchte ich gerne dabei ertappen, wie er sich beim Rasieren am Morgen in den eigenen Spiegel schaut. Er wird, so viel ist sicher, dabei eine hässliche Fratze als Gegenüber entdecken. Und letzten Endes sollte sich jeder schämen, der die Müllproduzenten, die solches fördern, in welcher Form auch immer unterstützt.

 

 

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