Podiumsdiskussion zu neuen Entwicklungen
Digitaler Wandel
v.l.n.r.: Wolfgang Tomaschitz (selbständiger Meinungs- und Sozialforscher, Lektor FH Campus Wien), Katharina Schell (APA – Austria Presse Agentur), Susanne Lackner (KommAustria), Wolfgang Zankl (Universität Wien), Cosima Serban (e-dialog) und Thomas Stern

 

Podisumsdiskussion zu neuen Entwicklungen

 

Der technologische Fortschritt und die damit einhergehenden rasanten Veränderungen in der Mediennutzung stellen Gesetzgeber und Regulierungsbehörden vor massive Herausforderungen. Welche Probleme die aktuellen Entwicklungen mit sich bringen und was das für Jugendschutz, die Verteidigung von Meinungsvielfalt und Menschenwürde bedeutet, diskutierten Expertinnen und Experten bei einer Veranstaltung der Plattform „Digital Business Trends“ (DBT) powered by RTR und KommAustria gestern, Mittwochabend, in Wien. Dr. Susanne Lackner, stellvertretende Vorsitzende der Medienbehörde KommAustria, führte mit einer Keynote in das Thema ein.

Eine aktuelle Studie des Fachbereichs Medien der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR Medien) und der Medienbehörde KommAustria bringt zahlreiche neue Erkenntnisse: Die Jugend nutzt lineares TV immer weniger oder anders. Video-on-Demand ist zu einer starken Konkurrenz geworden, was aber auch die Nutzung der Mediatheken der lineraren TV-Veranstalter begünstigt. Gleichzeitig dauert das Fernsehzeitalter bei älteren Personen an. Rund drei Viertel der österreichischen Bevölkerung sehen täglich oder fast täglich fern, so Wolfgang Tomaschitz, selbstständiger Meinungs- und Sozialforscher und Lektor an der FH Campus Wien, der auch als Co-Autor an der Studie von RTR Medien und KommAustria beteiligt war.

Die Zeit des Lagerfeuers, um das sich alle versammeln, sei vorbei, fasste Tomaschitz zusammen. Nachrichten bleiben für Jugendliche hingegen ein Thema. Egal auf welchem Kanal kommt rund jeder Zweite täglich mit Nachrichten in Kontakt. Auch Radio spielt noch immer eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Quellen werden stark hinterfragt, wenn auch nicht sehr professionell. Vielleicht auch, weil die Verunsicherung hinsichtlich der Glaubwürdigkeit groß ist. „Da herrscht eine ordentliche Ratlosigkeit“, so Tomaschitz. Herkömmliche Medien würden wieder an Bedeutung gewinnen, weil man ihnen vertraut oder zu vertrauen gelernt hat.

Der grenzüberschreitende Charakter von Online-Angeboten und entsprechender Plattformen erfordere eine neue Qualität der internationalen Zusammenarbeit hinsichtlich der Medienregulierung, erklärte Susanne Lackner, stellvertretende Vorsitzende der KommAustria. Im Jahr 2018 habe es eine Überarbeitung der Audiovisuellen Mediendienste-Richtlinie der EU gegeben, was zu einer Erweiterung um Video Sharing-Plattformen geführt habe. „Die jungen YouTuber sind aber keine TV-Sender mit Rechtsabteilung. Hier müssen wir Informationsarbeit leisten, auf die Stakeholder zugehen und für pragmatische Lösungen sorgen. Andererseits geht es auch um die sich ändernden Nutzungsgewohnheiten der Konsumentinnen und Konsumenten, die es zu verstehen gilt – auch auf Basis von Studien“, sagte Lackner.

Bildcredit: APA/APA-Fotoservice/Schedl