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Multimedialer Newsroom und ORF-Wahl Thema im Stiftungsrat

Wrabetz plant öffentliche Präsentation der Bewerber auf ORF III
© ORF/Thomas Ramstorfer

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz

Der im Bau befindliche multimediale Newsroom am Küniglberg war am Donnerstag neben der Abstimmung über das Prozedere bis zur ORF-Generaldirektorwahl am 10. August das zentrale Thema der Stiftungsratsitzung. Bürgerliche Stiftungsräte äußerten Bedenken, ob der Newsroom gut vorbereitet sei. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz antwortete umfassend auf einen ihm vorgelegten Fragenkatalog, was überwiegend positiv aufgefasst worden sein soll.

Zach weiterhin in Sorge

Wrabetz zufolge fände er es gut und wichtig, dass sich der Stiftungsrat für dieses Thema interessiere. Seine Antworten auf die Fragen seien von einer „relativ großen Mehrheit“ begrüßt worden. Dieser Eindruck wurde von weiteren Stiftungsräten bestätigt. Thomas Zach sah die Lage anders. Laut ihm wären viele Fragen offen geblieben. Zach sagte, dass man in der Vorbereitung nicht dort stehe wo man angesichts eines solch großen Projektes stehen sollte. Seine Sorge und die mehrerer Kollegen sei weiter aufrecht. Im September werde die Vorbereitung des multimedialen Newsrooms daher nochmals auf die Tagesordnung der Sitzung gesetzt. Konsens habe in der Sitzung darüber geherrscht, dass man ein ausgewogeneres Geschlechterverhältnis auf der Führungsebene haben wolle. So bekräftige Wrabetz für den multimedialen Newsroom 50:50 anzustreben.

Wahlprozedere beschäftigt Stiftungsräte

Abseits der Diskussion um den multimedialen Newsroom beschäftigte die Räte unter anderem das Prozedere bis zur ORF-Wahl. Die Ausschreibung für den Generaldirektorposten muss bis 30. Juni erfolgen. Die Bewerbungsfrist endet mit 28. Juli. Eine Frist zur Nachbewerbung ist bis zum 3.August eingeräumt. Um am nicht-öffentlichen Hearing am 10. August eingeladen zu werden, müssen Bewerber mindestens von einem Stiftungsrat nominiert werden. Zeit dafür ist bis zum 6. August. Die auf die Wahl folgende Stiftungsratsitzung soll am 16. September stattfinden. Bei dieser bestellen die Räte gewöhnlicherweise maximal vier zentrale Direktoren sowie neun Landesdirektoren auf Vorschlag des gewählten Generaldirektors. Die fünfjährige Amtsperiode der neuen ORF-Geschäftsführung beginnt mit 1. Jänner 2022.

Im Anschluss an die Behandlung des Wahlprozederes kündigte Wrabetz an, die Kandidaten im Hauptabend auf ORF III öffentlich präsentieren zu wollen. Das geschehe „im Sinne eines transparenten Prozesses“ und sei bereits im Vorfeld der Generaldirektorwahl 2016 erprobt worden. Als möglicher Termin dafür wurde der dritte August genannt.

Meinungen zur öffentlichen Präsentation

SPÖ-„Freundeskreisleiter“ Heinz Lederer forderte bereits vor der Sitzung eine öffentliche Präsentation der Bewerber. Gemeinsam mit zwei anderen Stiftungsräten brachte er einen Antrag dazu ein. Dieser wurde später allerdings zurückgezogen. Der Stiftungsrat wäre nämlich nicht dazu befugt Programmentscheidungen zu treffen, betonte Wrabetz.

Das bürgerliche Lager soll sich gegenüber der öffentlichen Präsentation skeptisch bis ablehnend gezeigt haben. Im Anschluss an die Sitzung meinte Zach im Gespräch mit der APA jedoch, dass es am Ende des Tages darum gehe, einen bestmöglichen Bestellungsprozess zu gewährleisten. Eine öffentliche Präsentation sei vorstellbar, müsse zunächst aber geprüft werden. Alle anderen Fraktionen sprachen sich unter der Voraussetzung einer rechtlichen Durchführbarkeit für eine öffentliche Präsentation aus.

Der Grüne Stiftungsrat Lothar Lockl sah die Möglichkeit einer öffentlichen Präsentation „grundsätzlich positiv“. Man solle aber darauf achten, die Mitarbeiter gebührend einzubinden. Alarmierend sah er die Prognose an, dass schon bald 90 Prozent der Werbeerlöse an internationale Plattformen fließen sollen. „Das ist schon dramatisch. Wenn sich der Trend fortsetzt, ist der österreichische Medienstandort in Gefahr“, warnte Lockl.

Mögliche Kandidaten

Mit 16 direkt der ÖVP zuordenbaren und zwei bis drei weiteren den Bürgerlichen nahestehenden unabhängigen Stiftungsräten existiert derzeit eine türkise Mehrheit im obersten ORF-Aufsichtsgremium des ORF. Diese könnte über die Bestellung des nächsten Generaldirektors im Alleingang entscheiden. Bisher hat nur Wrabetz seine Kandidatur bekanntgegeben. Als weiterer Bewerber wird etwa Roland Weißmann an der Gerüchtebörse gehandelt. Er gilt als Favorit der Kanzlerpartei. Derzeit verantwortet Weißmann als „Chefproducer Fernsehen“ das größte Programmbudget im ORF. Zudem agiert er als Vizefinanzdirektor und Projektleiter für den geplanten ORF-Player.

Auch die derzeitige Channel-Managerin von ORF 1, Lisa Totzauer wird für die Wahl des Öfteren ins Spiel gebracht. Auch ihr sagt man eine Nähe zur ÖVP nach. Davon wolle sie selbst aber nichts wissen. Thomas Prantner gilt ebenfalls als potenzieller Gegenkandidat von Wrabetz. Als Technik-Vizedirektor ist er für die Online-Aktivitäten des ORF zuständig. Außerdem ist Prantner Leiter der Abteilung „Online und neue Medien“ und damit Chef der ORF-TVthek. Mit seiner Entscheidung, einen Livestream vom Bundestag der Jungen Volkspartei (JVP) in der TVThek zu zeigen, sorgte er Mitte Mai für Ärger bei den Redakteursräten.

Zudem böten sich auch Kandidaten von außerhalb des größten Medienunternehmens Österreichs an. Matthias Settele ist Geschäftsführer des größten TV-Senders der Slowakei und verfügt über Wissen um die ORF-Strukturen. Auch Gerüchte, wonach Thomas Arnoldner, Geschäftsführer der teilstaatlichen Telekom Austria, sich noch bewerben oder von Stiftungsräten nachnominiert werden könnte, halten sich. Obwohl dieser seine Kandidatur hartnäckig dementierte. Der 43-Jährige gilt als Vertrauter von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und war als Politiker in der Jungen ÖVP aktiv. Mit 1. September 2018 wurde er von der türkis-blauen Regierung zum CEO der Telekom Austria ernannt.

APA/red

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