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Mordfall Kuciak: Hauptverhandlung gestartet

Slowakei: Todesschütze gestand erneut vor Gericht - Weitere Angeklagte bestehen auf ihrer Unschuld.
© pixabay.com / AJEL

Vor dem Spezialisierten Strafgericht in der slowakischen Kleinstadt Pezinok bei Bratislava ist am Montag die mit Spannung erwartete Hauptverhandlung im Mordfall (Extradienst berichtete) des Investigativ-Journalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten Martina Kusnirova eröffnet worden.

Lebenslange Haftstrafen drohen

Angeklagt sind der umstrittene Geschäftsmann Marian K. als Auftraggeber sowie eine Organisatorin und zwei Durchführer der Bluttat. Allen vier drohen lebenslange Haftstrafen. Laut der Anklageschrift werden den Angeklagten neben dem Kuciak-Mord auch weitere fünf Straftaten zur Last gelegt, darunter ein weiterer Mord. Die Verhandlung ist vorerst für neun Tage im Jänner und Februar angesetzt, am ersten Verhandlungstag wurden auch die Aussagen aller vier Angeklagten erwartet.

Todesschütze gesteht

Der angebliche Todesschütze Miroslav M., der bereits im Ermittlungsverfahren geständig war, hat am Montag seine Schuld erneut auch vor Gericht zugegeben. In seiner Aussage, bei der auch die Angehörigen der Opfer anwesend waren, hat er die Tat detailliert beschrieben.

Demnach hatte Miroslav M. im Februar 2018 einfach an der Tür des Hauses von Kuciak und Kusnirova in Velka Maca östlich von Bratislava geklopft. Nachdem der Journalist geöffnet hatte, hatte er ihm in die Brust geschossen. Danach hat er auch die Verlobte, die in die Küche gelaufen ist, getroffen. „Ich habe den Einschuss gesehen. Ich weiß, sie war sofort tot. Als ich ging, habe ich nochmals auf Kuciak geschossen, der auf der Treppe lag,“ erklärte Miroslav M.

Auftragsmord

Für den Auftragsmord soll Miroslav M. zusammen mit seinem Cousin Tomas Sz., der ihn zum Tatort gefahren hatte, 35.000 bis 40.000 Euro bekommen haben. Die Bestellung soll von Zoltan A. gekommen sein, der bereits im Dezember in einer separaten Verhandlung nach einer Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft zu 15 Jahren Haft verurteilt worden ist. A. hatte von Anfang an mit der Polizei zusammengearbeitet und bei den Ermittlungen geholfen, wofür er mit einer geringeren Strafe davonkam.

Zugleich gab Miroslav M. aber an, den mutmaßlichen Auftraggeber des Journalistenmordes, Marian K., nicht persönlich, sondern nur indirekt zu kennen. Laut der Anklage soll der Geschäftsmann den Mord über die Organisatorin Alena Zs. bestellt haben, die wiederum Zoltan A. als Mittelsmann kontaktiert hatte. Der Grund sollen Artikel des Investigativ-Reporters Kuciak über kriminelle Machenschaften des Millionärs Marian K. gewesen sein.

Hohes Interesse

Die restlichen drei Angeklagten haben sich am Montag vor Gericht für unschuldig erklärt, lediglich Marian K. hat unerlaubten Waffenbesitz zugegeben. Der Rechtsvertreter der angeblichen Organisatorin Alena Zs. beklagte den „medialen Druck“ auf seine Klientin.

Wegen des extrem hohen Interesses von in- und ausländischen Medien findet die Hauptverhandlung im Kuciak-Fall erneut in der Justiz-Akademie von Pezinok statt und nicht am Sitz des Spezialisierten Strafgerichts selbst. Über 100 Medienvertreter hatten sich für die Verhandlung akkreditiert.

Doppelmord führt zu Rücktritt

Der nur 27-jährige Reporter Kuciak und seine gleichaltrige Verlobte waren am 21. Februar 2018 in ihrem Haus in Velka Maca erschossen worden. Entdeckt wurden die Opfer erst vier Tage darauf. Der Doppelmord hatte landesweite regierungskritische Proteste unter dem Motto „Für eine anständige Slowakei“ ausgelöst, die bis zum Rücktritt des langjährigen Ministerpräsidenten Robert Fico und die Bildung einer neuen Regierung unter dessen Nachfolger Peter Pellegrini führten. Die Regierungspartei Smer-SD ist aber weiterhin stärkste politische Kraft im Land.

 

APA / RED

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