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Miss Austria zu Grabe getragen

Die Organisatoren kürten bei der Wahl eine „MISSion Austria Botschafterin“.
(c) Miss Austria Corporation / Tischler

Wer soll sich da noch auskennen? Gestern hätte die Wahl zur Miss Austria 2019 in Wels stattfinden sollen, zu der neben 400 Gästen auch zahlreiche Medienvertreter eingeladen waren. Nachdem es im Vorfeld viele Diskussionen um die verantwortlichen Macher innerhalb der Miss Austria Corporation gab, und die Voraussetzungen für die Teilnehmerinnen heuer gänzlich andere waren als in den Jahren davor, war das Interesse groß.

In den Einladungen an die Medien, die zwei Tage vor der Wahl ausgesendet wurden, stand bezeichnenderweise plötzlich nichts mehr über die Wahl der Miss Austria. In der Einladung an die Gala-Gäste aber sehr wohl. Die Veranstaltung lief unter dem Titel „90 Years of Magic“. So lange gibt es offenbar schon die Tradition, Miss Austria Wahlen in unserem Land abzuhalten. Im Briefing an die Medienvertreter stand der genaue Ablaufplan: „Einlass Red Carpet“ ab 18:30, „Gala-Dinner“ bis 20:45, „SHOW“ von 21:00 bis 23:45. Somit schöpfte niemand Verdacht, dass „90 Years of Magic“, also 90 magische Jahre in denen der Titel „Miss Austria“ immer wieder vergeben wurde, an diesem Abend vorläufig enden sollten.

SHOW

Die wahre Show an der Sache: Insgesamt stellten sich nur acht junge Frauen der Wahl. Lediglich sechs davon hatten den Weg ins „Miss Austria Finale“ über die Teilnahme an einer Bundesland-Miss-Wahl genommen. Die Gründe, warum so wenige Teilnehmerinnen bei einem ehemals so prestigeträchtigen Schönheitswettbewerb mitmachen wollten, sind mittlerweile bekannt: Der Chef der Miss Austria Corporation hatte die Lizenzverträge mit allen Bundesländern zuvor gekündigt. Viele Mädchen, die an den Vorwahlen teilgenommen hatten, bekamen Knebelverträge vorgesetzt und wollten daraufhin nicht mehr mitmachen.

Also entschlossen sich die Veranstalter, eine „Miss Austria Wahl“ auf eigene Tour abzuziehen. Ohne die unbequemen Lizenznehmer aus den Bundesländern, und ohne den Großteil jener Mädchen, die genau aus diesem Grund überhaupt von Anfang an mitgemacht hatten.
So waren es eben gerade einmal acht junge Damen, die am 6. Juni nach Wels ins Museum Angerlehner zur „Miss Austria Wahl“ reisten um ihre Träume zu verwirklichen. Kurz vor Mitternacht war es soweit: Die Steirerin Larissa Robitschko wurde zur Siegerin gekürt. Zur schönsten Frau Österreichs. Zur „MISSion Austria Botschafterin 2019“.

Wie bitte? Als die Miss Austria Corporation kurz vor ein Uhr früh das Ergebnis der Wahl an die Medien schickte, hatten einige Schlussredakteure in den Online-Redaktionen wohl schon Sand in den Augen. Sowohl „Heute“ als auch „Kurier“ titelten „Larissa Robitschko ist Miss Austria 2019“. Ein kleiner Irrtum wie sich herausstellte. Auf der Schärpe der Siegerin steht zwar „Miss Austria“ drauf, aber ihr offizieller Titel lautet eben anders, wie die Pressesprecherin der Miss Austria Corporation gegenüber ExtraDienst bestätigte.

Statt eine Miss Austria zu küren, wurde eine Markenbotschafterin ernannt. Aus der Sicht der Veranstalter ist diese Vorgehensweise wohl ein Fortschritt. Statt die Miss Austria Wahlen zu modernisieren, und als starke Marke wieder neu erblühen zu lassen, trägt man sie einfach zu Grabe. So soll es auch im kommenden Jahr keine „Miss Austria“ geben die diesen Titel tragen darf. Der Termin für die nächste Misswahl der „Corporation“ steht schon fest. Am 6.6.2020 wird erneut eine „MISSion Austria Botschafterin“ gewählt. Immerhin wissen jetzt alle interessierten Teilnehmerinnen, deren Traum es ist, Miss Austria zu werden, was sie erwartet.

Unzeitgemäß

Haben wir jetzt eine Miss Austria? Nein. Knebelverträge, Titel-Aberkennungen, die Neuaustragung der Miss Vienna Wahl. Dazu noch prominente Jury-Mitglieder vergraulen, Partner der Bestechlichkeit beschuldigen, gegen Mitarbeiter prozessieren – alle diese Handlungen haben ihre Wirkung nicht verfehlt.
Ist es schade darum? Nun, um den „Negerkuss“ und den „Mohr im Hemd“ ist es auch nicht schade. Missen-Wahlen wurden oft demütigend, frauenverachtend und ziemlich „tief“ abgehalten. Wie nannte man Misswahlen hinter vorgehaltener Hand? Fleischbeschau. Also ist es gut, wenn das, was unzeitgemäß ist, in der Versenkung verschwindet. Und mit ihm die „Profis“, die dies kaputt gemacht haben.

red

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