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Microsoft kauft Activision Blizzard

Der Softwarekonzern berappt dafür 70 Milliarden Dollar und wird zum drittgrößten Computerspielkonzern weltweit.
Pixabay

Candy Crush landet bei Microsoft

Der Softwarekonzern Microsoft macht einen großen Sprung ins Videospielbusiness. Wie der Hersteller der Xbox-Spielekonsole mitteilte, hat er sich in einem fast 70 Milliarden Dollar schweren Deal den US-Videospielanbieter Activision Blizzard gesichert, der hinter dem beliebten Handyspiel Candy Crush und anderen populären Titeln wie Call of Duty, World of Warcraft oder Overwatch steht.

Microsoft bietet 95 Dollar je Aktie von Activision Blizzard – ein kräftiger Aufpreis auf den Schlusskurs von 65,39 Dollar am vorherigen US-Handelstag am Freitag. Die Spielefirma werde damit insgesamt mit 68,7 Milliarden Dollar (60,4 Mrd Euro) bewertet, wie Microsoft mitteilte. Der bisherige Chef von Activision Blizzard, Bobby Kotick, solle weiter an der Spitze der Spielefirma blieben, hieß es. Kotick war in den vergangenen Monaten nach Vorwürfen von sexueller Belästigung und Diskriminierung gegen Manager des Unternehmens in die Kritik geraten.

Mit dem Deal würde Microsoft auf einen Schlag zum drittgrößten Computerspielkonzern weltweit. Es handelt sich um die mit Abstand größte Übernahme in der Branche bisher. Während des Corona-Lockdowns hatte die Nachfrage nach Videospielen deutlich zugenommen.

„Gaming ist die dynamischste und aufregendste Kategorie in der Unterhaltungsbranche und wird künftig eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Metaverse-Plattformen spielen“, sagte Microsoft-Boss Satya Nadella. Das „Metaverse“ wird von IT-Experten als Zukunft des Internets gesehen. Es steht für einen gemeinsamen virtuellen Raum, in dem alle Teilnehmer vernetzt sind und untereinander agieren. Auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg investiert Milliarden in das Geschäft und hat seinen Konzern kürzlich in Meta Platforms umbenannt.

Microsoft erhofft sich von dem Zukauf eine größere Schlagkraft seiner Xbox-Gaming-Plattform. Der Rivale Sony mit seiner Playstation ist zuletzt stark gewachsen. Vergangene Woche gab der Activision-Konkurrent Take-Two Interactive bekannt, für rund elf Milliarden Dollar den FarmVille-Schöpfer Zynga zu schlucken. Microsoft hat in den vergangenen Jahren schon öfter größere Investitionen in Spielefirmen gemacht und unter anderem den Minecraft-Hersteller Mojang Studios gekauft.

Die Aktien von Activision Blizzard schossen an der Wall Street mehr als 30 Prozent in die Höhe. Auch in Europa legten die Titel von Konkurrenten wie Ubisoft, Frontier und Paradox deutlich zu. Analysten von Midcap Partners bezeichneten das Vorhaben von Microsoft als „eine verrückte Sache“.

Activision Blizzard war im Sommer vom US-Bundesstaat Kalifornien verklagt worden. Der Konzern habe eine sexistische Unternehmenskultur gefördert, bei der Frauen systematisch benachteiligt würden, kritisierte die für die Einhaltung fairer Arbeitsbedingungen in dem Bundesstaat zuständige Behörde DFEH. Die Firma wies die Vorwürfe zunächst weit von sich, beauftragte dann aber doch eine Anwaltsfirma mit der Aufklärung der Vorwürfe.

In der Industrie wurde auch immer wieder die Frage aufgeworfen, ob ein Neuanfang bei Activision Blizzard mit Kotick an der Spitze überhaupt möglich sei. Er hielt sich jedoch mit Rückhalt seines Verwaltungsrates fest im Chefsessel. Nach Abschluss der Übernahme soll Activision Blizzard nun Microsofts Spiele-Chef Phil Spencer unterstellt werden, der damit Koticks Boss wäre.

 

apa

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