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Meta meldet Kindesmissbrauch zu selten

Content-Moderatoren werden dazu angehalten, bei Zweifeln am Alter von abgebildeten Personen von Erwachsenen auszugehen
©unsplash

Die Thematik rund um den Umgang mit (vermeintlicher) Kinderpornografie ist für Social-Media-Konzerne ein Mienenfeld

Zwar melden Facebook und co. den zuständigen Behörden jährlich Millionen Bilder und Videos, die mutmaßlichen Kindesmissbrauch zeigen. Trotzdem dürfte das Mutterunternehmen Meta wohl zu selten Meldungen machen und derartige Inhalte teils einfach nur löschen, wie die „New York Times“ berichtet. Die Moderatoren von Meta, die gemeldete Inhalte manuell überprüfen, würden wohl dazu angewiesen, im Zweifelsfalls von Erwachsenen auszugehen, wenn sie sich bei dem Alter einer abgebildeten Person nicht sicher sind.

Theorie vs. Praxis

Was in der Theorie ganz klar ist, stellt sich in der Praxis oft als schwer umsetzbar heraus: Während Pornos lediglich gegen die Plattform-Richtlinien sozialer Netzwerke verstoßen und gelöscht werden, sind Kinderpornos illegal und müssen umgehend den Behörden gemeldet werden. Das Alter einer Person anhand eines einzelnen Fotos oder Videos einzuschätzen, kann aber manchmal schwierig sind. Heutzutage reifen Kinder Forschungen zufolge nämlich immer früher heran. Zudem kommen beispielsweise Latinos generell früher in die Pubertät und sehen älter aus.

Bei Unsicherheit sollen die Meta-Moderatoren dann von Erwachsenen ausgehen, wie ein Trainingshandbuch beim Consulting-Unternehmen Accenture, das als Subkontraktor Content-Moderation für Meta übernimmt, besagt. Außerdem scheint Facebook die Tanner-Phasen der Pubertät bei der Altersabschätzung zu nutzen, die dafür gar nicht als geeignet gelten. Wie schwerwiegend das Problem aber tatsächlich ist, lässt sich nicht abschätzen. „Es gibt eine ganze Population Jugendlicher, die nicht geschützt werden“, meint Lianna McDonald, Executive Director des Canadian Center for Child Protection, gegenüber der „New York Times“.

Sorge um falsche Anschuldigungen

Antigone Davis, Head of Safety bei Meta, bestätigt die Vorgaben im Gespräch mit der „New York Times“: „Der sexuelle Missbrauch von Kindern online ist abscheutlich“, stellt sie klar, gibt gleichzeitig aber zu bedenken, wie verheerend falsche Anschuldigungen sein könnten. Ein Vorwurf zum Kindesmissbrauch – ist er nun wahr oder nicht – kann für Betroffene „lebensverändernd“ sein. Davis zufolge beruhen die Moderations-Richtlinien also auf Privacy-Bedenken für Nutzer, die „nur“ versuchen, sexuelle Darstellungen Erwachsener zu posten.

Diese Thematik ist für Meta wie auch andere Social-Media-Konzerne ein juristisches Minenfeld. Nach US-Recht müssen sie „offenbaren“ Kindesmissbrauch melden – was genau das bedeutet, ist allerdings nicht klar definiert. Kommen die Plattformen ihrer Pflicht nicht nach, können behördliche Probleme die Folge sein. Im Falle von Falschmeldungen wiederum können die Geschädigten Klage gegen den Konzern einreichen. McDonald ist der Ansicht, dass es Standard sein sollte, sich im Zweifel für mehr Jugendschutz zu entscheiden. Immerhin sei es bei Tabak und Alkohol ja auch üblich, im Zweifel nach einem Altersnachweis zu fragen.

APA/Red.

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