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Keine Reaktion

MediaCom-Chef Andreas Vretscha gräbt sich ein.
© Fotoschuster.at/Archiv

Andreas Vretscha

Bei wütenden Protesten, Attacken, wenn Anwaltsbriefe eintrudeln oder mit „Einstweiligen Verfügungen“ gedroht wird – in solchen Momenten weiß man, dass man gut unterwegs ist. Das man der Wahrheit auf der Spur ist. Und die, die man aufblattelt, nervös geworden sind. Wenn Giftschlangen sich schnell bewegen, weißt du, woran du bist. Hüte dich, wenn die stillhalten.

Soweit zur grundsätzlichen Erfahrung der letzten Jahrzehnte im Verlagsgeschäft. Was das mit der kommenden Geschichte zu tun haben sollte, wissen wir nicht so ganz genau, aber wir haben einmal sicherheitshalber dieses Wissen abgerufen. Denn auf unsere schüchterne Anfrage, was denn die MediaCom öffentlich dazu sagt, dass so etwas wie ein Zentraleinkauf – coronabedingt – geplant ist, haben wir bis dato keine Antwort bekommen. Null. Nichts. Nada. Andreas Vretscha, Chef der Gruppe, dem wir persönlich geschrieben und um ein Statement bis Freitag, den 18. September gebeten haben, reagiert darauf – gar nicht.

Was er aber besser sollte. Denn seine Kunden sind einigermaßen aufgeregt. Vor 14 Tagen, so bestätigt uns eine Rewe-Verantwortliche, hätte man bekanntgegeben, dass es einen zentralen Einkauf geben werde.

Womit man bei Rewe, Billa, Merkur und Co. alles andere als glücklich sei. Denn in der Vergangenheit gab es überall dort, wo von einer Agenturgruppe und ihren Töchtern mehrere konkurrierende Unternehmen betreut wurden, chinesische Wände. Will heißen: Unterschiedliche Kunden, ein und dieselbe Agenturgruppe, unterschiedliche Betreuer. Damit nicht Zahlen, Daten, Fakten und Planungen in einer Hand zusammenlaufen. Das wäre ja auch echt unangenehm für die handelnden Personen, wenn die Strategiepläne, Werbepläne, Optimierungen von Kampagnen bei einem einzigen Gehirn landen würde. Und bei einem einzigen Mund. Denn wer garantiert dir dann, dass nicht durch irgendwelche Widrigkeiten die Informationen von einem Konkurrenten zum anderen wandern?

Sohin ist diese internationale Spar-Entscheidung der WPP Gruppe alles andere, als eine gute Entscheidung. Und wird von den Kunden überhaupt nicht goutiert. Eine Rewe-Verantwortliche: „Wenn die das machen, dann ist alles aus.“ Auch in anderen Bereichen gibt es mehrfach Kunden, die im Wettbewerbsverhältnis stehen, die von der GroupM, MediaCom, Wavemaker, Mindshare, essence oder m/SIX betreut werden und sohin unter einem Konzerndach agieren. Auch dort ist man beunruhigt, wie ExtraDienst recherchieren konnte. Insbesondere, da es im Controlling und vor allem im Finanzmanagement der Gruppe in der Vergangenheit schon zu extrem peinlichen Momenten gekommen sein soll.

In der nächsten ExtraDienst-Ausgabe berichten wir ausführlich über die wohl spannendste Story der heimischen Werbe- und Mediaagenturszene im Herbst. Denn hier geht es um Abgrenzung von Kundendaten, um Vertrauen, um Sicherheit und um gigantische Budgets. Und – um internationale Sparmaßnahmen in Coronazeiten.

 

Red

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