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Impf-Neid

Kommentar von Christian W. Mucha
© Archiv

Sollen die ORF-Mitarbeiter an der Front zuerst geimpft werden? Ich habe dazu eine klare Meinung. Ich möchte freilich klarstellen, dass ich nicht der Sprecher des Österreichischen Rundfunks bin. Sondern einfach seit 46 Jahren ein Medienexperte, der diese Branche ganz genau kennt. In aller Unbescheidenheit. Und – ich stehe auf dem Standpunkt, dass der ORF als unser wichtigstes Medienunternehmen die Visitenkarte Österreichs ist. Unser wesentlichster Informant. In Zeiten von Corona absolut unverzichtbar. Der ORF ist – international gesehen – der einzige Player, der gehört wird. Alle anderen sind im weltweiten Medienmarkt Winzlinge, die dort nicht wahrgenommen werden. So einfach ist das. Wer nun weiß, dass die Verbreitung des Virus in einem Sender kapitale Folgen hat, wer versteht, welch blendende Arbeit Pius Strobl (von dem man halten kann, was man will, aber die Covid-Abwehr war eine Meisterleitung von ihm) macht und wer gleichzeitig realisiert, wie fatal es gewesen wäre, wenn dort die Dinge ausgebrochen wären, der versteht meine Position: der ORF muss zuerst geimpft werden.

Aber da gibt es so etwas wie Impf-Neid. „San die was besseres?“,“Wieso krieg’n wir des ned, wenn die des kriegen?“

Niedrige Instinkte kommen immer dann zum Vorschein, wenn es um den persönlichen Vorteil geht. Oder um den Nachteil. Oder um den Neid. Oder um die Missgunst. Oder um die Eifersucht. Typisch österreichische Charaktereigenschaften, die nur erbärmlich sind.

Wie sagte Hans Hölzel (Falco) im Interview so schön zu mir, „überall auf der Welt, wenn es um den Neid geht, sagen die ‚der hat was, was I ned hab. Und des hätt‘ ich gern“. In Österreich ist’s ein bisschen anders. Hier sagen sie „der hat was, was ich ned hab. Und des passt ma ned.“

Mit ihrer Äußerung und ihren Beschwerden seitens des Privatsenderverbandes hat Corinna Drumm ihren Mitgliedern einen fatalen Bärendienst erwiesen. Solch eine Presseaussendung ist schlicht und ergreifend erbärmlich.

Und – sie hat jetzt einen Schuss ins Knie von den eigenen Mitgliedern bekommen. Wie ExtraDienst in Erfahrung bringen konnte, hat sich aufgrund der Einladung des ORF, auch alle anderen Medienunternehmen des Landes impfen zu lassen, bereits das Mitglied IP (Tochtergesellschaft von RTL und damit ein maßgebliches Mitglied des Privatsenderverbandes) beim Österreichischen Rundfunk angemeldet.

Mehr brauchst man dazu wohl nicht zu wissen.

 

Christian W. Mucha

PS.: Nach einer Umfrage unter all meinen Redakteuren, haben auch wir uns beim ORF angemeldet. Und werden mit Mann und Maus, samt und sonders uns – sobald der Österreichische Rundfunk die Möglichkeit und den Impfstoff dazu hat – auf den Küniglberg in die Impfstraße begeben. Weil wir das unseren Partnern, Lesern und Interviewpartnern schuldig sind. Und weil ich das meinen Mitarbeitern schuldig bin.

Der Obige

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