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Homeoffice statt Red Carpet und Bussi-Bussi

Wie funktioniert Society-Berichterstattung, wenn gesellschaftlich nichts mehr geht? ExtraDienst startete einen Rundruf bei den Top-Akteuren.
© Alexander Tuma

Norman Schenz (links) führt ein Interview mit Niki Neunteufel vom Restaurant „Nikodemus“ auf Sicherheitsabstand

Norman Schenz, Kronen Zeitung

Ich hätte nie gedacht, dass ich in meinem Keller lebe, wohne, esse und arbeite. Das ist zu meinem täglichen Alltag geworden. Ich sehe die Sonne durch ein Kellerlukenfenster, und mein kleinster Sohn kommt gerade herein. Der Adabei ist also im Keller. Ich fahre einmal pro Woche in die Redaktion, um die Administration für die Unterhaltungsredaktion zu machen, das geht nur persönlich. Nur weil Society jetzt nicht stattfindet, existiert sie trotzdem. Erfindungsreichtum und Ideen sind jetzt von uns allen, im Society-Bereich vor allem von Lisa Bachmann, Kálmán Gergely und mir, gefordert. Wir besprechen jeden Tag, wer sich via Social Media zu welchem Thema geäußert hat. Das kann ein Anhaltspunkt sein, um ein Interview zu führen. Ich habe mich an einem Wochenende ins Auto gesetzt, bin nach Purkersdorf gefahren und habe mein erstes Society-Interview mit Niki Neunteufel vom „Nikodemus“ geführt. Wie geht es einem, der Events macht? Er hätte eigentlich das dreißigjährige Jubiläum seines Lokals mit einem riesigen Society-Auflauf gefeiert, von der Ex-Ministerin bis zur Falco-Band. Und wie geht es ihm als Gastronom? Andererseits gab es auch ein viel beachtetes Posting von Andy Lee Lang. Da war es umgekehrt. Das Posting war der Auslöser für eine Geschichte. Man muss mehrere Zusammenhänge herstellen als nur die Society-Ebene zu nehmen, um schlussendlich zur Geschichte zu kommen. Durch die Position der Kronen Zeitung haben wir beim Zugang zu den Prominenten einen kleinen Vorteil. Die Geschichte müssen wir aber selbst schreiben und Ideen finden. Wir sind bereits lange vor Corona von der reinen Event-Berichterstattung abgegangen. Das überlasse ich den anderen, die können das vielleicht sogar bis zu einem gewissen Grad besser. Unsere Stärke ist es, Geschichten zu suchen. Das kommt uns jetzt zugute.

Daniela Schimke, „Seitenblicke Magazin“ & „Madonna“

Die Gesellschaft gibt es ja trotzdem. Sie lebt nur anders. Sie inszeniert sich anders. Sie gestaltet sich anders. Das kann man mitverfolgen, und es ist ein spannender Aspekt der Berichterstattung, zu sehen, wie die Promis leben. Derzeit erhält man viele private Einblicke. Viele posten von zu Hause oder reden per Videoschalte von daheim. Sowohl für die Leser als auch für uns ist das ganz lustig, wenn die Stars plötzlich ungeschminkt und im Casual Look zu sehen sind. Wie Sharon Stone beim Kochen oder John Legend auf der Couch lümmelnd. Mit der österreichischen Society gibt es derzeit keine Shootings, und man kann keine persönlichen Interviews führen. Das wäre natürlich schöner, als nur zu telefonieren. Aber das funktioniert ganz gut. Das Faszinierende ist, dass Promis einfacher zu erreichen sind und sie sich riesig freuen, wenn sie einen Anruf erhalten. Ich habe das Gefühl, sie sind nicht so getrieben. Auch das hat seine Vorteile. Als grundlegende Optimistin hoffe ich, dass diese Zeit bei uns allen eine positive Spur hinterlässt. Ob Prominente nach der Krise weiterhin so offen bleiben, bezweifle ich. Es wird wieder oberflächlicher werden. Schön langsam kommen auch wieder andere Geschichten abseits der Quarantäne. Im Alltag sind wir zum Teil in der Redaktion, allerdings so gestaffelt, dass wir einander möglichst selten und nur mit Abstand treffen. Wir telefonieren hauptsächlich miteinander. Da Madonna und das Seitenblicke Magazin ja wöchentlich produziert werden, ist reines Homeoffice nicht möglich – aber wir haben einen tollen Weg gefunden, uns aus dem Weg zu gehen und trotzdem weiter eng zusammenzuarbeiten.

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