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Hilferufe aus Afghanistan

Journalisten und Influencer fürchten um ihr Leben
© Pixabay

Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan versuchen Medienschaffende das Land zu verlassen

Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan schlägt nun die Internationale Journalisten- Förderation (IFJ) Alarm wegen des Schicksals zahlreicher Medienvertreter. „Wir haben Hunderte von Hilfesuchenden erhalten“, erklärte die NGO am Freitag. Dabei gehe es um die Evakuierung aus Afghanistan oder um Überstützung für Medienschaffenden, die aus Angst vor den Taliban innerhalb des Landes auf der Flucht seien. Besonders für Journalisten sei die Lage heikel, denn trotz Zusicherungen der Taliban, keine Rache anzustreben, gebe es Berichte über gezielte Suchaktionen und Bedrohungen gegen Journalisten.

Auch prominente Influencer sind geflüchtet, andere untergetaucht. Die Machtergreifung der Islamisten hat die Online- Welt des Landes erschüttert. Millionen junger Afghanen müssen befürchten, dass sich ihre Internet- Posts nun als lebensbedrohlich herausstellen können. Die Influencerin Sadika Madadgars veröffentlichte am Samstag eine eindeutig politische Botschaft auf Instagram: „Ich teile mein Leid nicht gerne online, aber das macht mich krank. Mein Herz bricht, wenn ich sehe, wie mein Heimatland zerstört wird“. Allzu präsent sind die Erinnerungen aus der Zeit der ersten Taliban- Schreckensherrschaft von 1996 bis 2001. Damals waren Frauen vom öffentlichen Leben ausgeschlossen, ihnen wurde die Schulbildung verwehrt und es gab brutale Strafen, wie etwa die Steinigung bei Ehebruch.

Auch die Mode- Ikone und Geschäftsfrau Ayeda Shadab fürchtet die Taliban. Jeden Tag präsentiert sie auf Instagram die neusten Modelle aus ihrer Kabuler Boutique. „Frauen wie ich, die keinen Schleier tragen, die arbeiten, akzeptieren sie nicht“, sagte sie dem ZDF. Ihren 290.000 Followern auf Instagram teilte sie inzwischen mit, dass sie in der Türkei sei. Auch andere brachten sich in Sicherheit Aryana Sayeed, eine von Afghanistans bekanntesten Popstars, veröffentlichte am Mittwoch ein Selfie aus einem Evakuierungsflugzeug der USA. „Mein Herz, meine Gebete und meine Gedanken werden immer bei Euch sein“, schrieb sie den Zurückgebliebenen.

Die Social Media Plattform Facebook hat nach Hinweisen von Aktivisten, Journalisten und Menschenrechtsorganisationen neue Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. So können Nutzer aus Afghanistan ihre Konten schnell sperren. Auch die US- Menschenrechtsorganisation Human Rights First verbreitet in den in Afghanistan gesprochenen Sprachen Paschtu und Dari Hinweise, wie sich digitale Spuren beseitigen lassen. Darüber hinaus hat die IFJ einen Nothilfefond eingerichtet, um Betroffene zu unterstützen.

APA/ Red.

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