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Frauenpower

Seit über 20 Jahren rücken Frauen beim Bundesheer ein. Auch wenn die Zahl der Frauen immer noch gering ist, so konnte das Heer doch einen überdurchschnittlichen Anstieg an Soldatinnen verzeichnen. Weitere Maßnahmen sollen helfen, den Frauenanteil auszubauen.
© Bundesheer/Laura Heinschink

Bundesministerin für Landesverteidigung, Klaudia Tanner (rechts), und Bundesministerin für Frauen und Integration, Susanne Raab, wollen mit einem Maßnahmenplan die Erhöhung des Frauenanteils im Österreichischen Bundesheer voranbringen

Am 1. April 1998 rückten die ersten elf Frauen beim Bundesheer ein. Im Jahr 2010 konnte das Bundesheer 364 Frauen beim Heer verzeichnen. Mit Stand 4. Mai 2021 gibt es derzeit beim Bundesheer 672 Soldatinnen. Davon befinden sich 639 Frauen in einem Dienstverhältnis, 28 Soldatinnen im Ausbildungsdienst und fünf Frauen im Auslandseinsatz bzw. Vorbereitungen. Die meisten Frauen, in Summe 294, sind als Unteroffiziere tätig. 93 als Offiziere. Im Bundesministerium für Landesverteidigung (BMLV) arbeiten derzeit (Stand April) insgesamt 2.307 zivile Frauen, davon sind 66 Verwaltungspraktikantinnen und 74 weibliche Lehrlinge. Um diese Zahlen weiterhin zu steigern und Frauen mehr für das Bundesheer zu begeistern, setzt Verteidigungsministerin Klaudia Tanner gemeinsam mit Frauenministerin Susanne Raab auf eine neue Frauenwerbekampagne.

Gemeinsames Maßnahmenpaket

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner hält weiterhin an den bisher durch das Verteidigungsministerium etablierten Projekten zur Steigerung des Frauenanteils fest. „Wichtig ist, dass wir mit unseren gesetzten Maßnahmen und Werbekampagnen die Anzahl der Soldatinnen beim Bundesheer kontinuierlich und nachhaltig steigern. Von einem präsentablen Frauenanteil sind wir noch weit entfernt. Daher haben Frauenministerin Susanne Raab und ich ein starkes gemeinsames Maßnahmenpaket geschnürt, um hier die richtigen Schritte zu setzen“, so Tanner.

Raab begrüßt das Engagement, das Bundesheer für Soldatinnen attraktiver zu gestalten und die notwendigen Maßnahmen für Frauen zu setzen. „Mir ist es ein besonderes Anliegen, dass wir jungen Mädchen zeigen, wie sie sich in den unterschiedlichsten Berufsfeldern verwirklichen können und welche Türen ihnen gerade in immer noch eher männerdominierten Bereichen wie dem Bundesheer offenstehen. Hier gilt es insbesondere Bewusstsein zu schaffen für die vielfältigen Aufgabengebiete und auch Berührungsängste abzubauen. Denn damit sich junge Frauen in Zukunft vermehrt zutrauen, in dieser für sie immer noch eher untypischen Branche tätig zu sein, braucht es noch mehr weibliche Vorbilder, die dazu beitragen, dass die klassischen Rollenbilder ein Stück weit aufgebrochen werden und auch ein gesellschaftliches Umdenken stattfindet“, so Raab.

In Abstimmung mit dem Frauenförderungsplan des Verteidigungsministeriums sollen mit einem gemeinsamen Maßnahmenpaket Frauen sowie Soldatinnen für die Ausbildung als Informationsoffizier angeworben werden und bei Rekrutierungsmaßnahmen helfen. Darüber hinaus sei es wichtig, dass Informationsoffiziere verstärkt Frauen ansprechen. Um die Fitness der interessierten Frauen vor, während und nach der Ausbildung unterstützen zu können, soll neben der Weiterentwicklung des bestehenden Programms „Fit fürs Heer“ außerdem eine Fitness-App zur Vorbereitung auf die fordernden sportlichen Tests entwickelt werden.

Neueinsteiger & Mentoren

Seit 2004 bietet das Bundesheer regelmäßig Vorbereitungstage oder -wochenenden sowie Schnupper- und Karrieretage an. Um junge Soldatinnen zu fördern und zu unterstützen, bietet das Heer weiters ein spezielles Mentorinnen-Programm: „Neueinsteigerinnen“ sollen von einer ausgebildeten Mentorin, einer Soldatin, in ihrer Ausbildung begleitet werden.

Insgesamt wurden bisher 55 Mentorinnen beim Bundesheer ausgebildet. Um junge Soldatinnen zu fördern und zu unterstützen, sollen diese und noch mehr mit einem speziellen Mentorinnen-Programm verstärkt im Bundesheer implementiert werden: „Neueinsteigerinnen“ sollen von einer erfahrenen Kameradin in ihrer Ausbildung begleitet werden. Zusätzlich soll künftig ein stärkerer Fokus auf die Medienpräsenz von Frauen in der Werbearbeit gelegt werden.

Neues Referat

2020 wurde das Referat für „Angelegenheiten der menschlichen Sicherheit mit Bezug auf Einsätze“ im Verteidigungsministerium implementiert. Ein Schwerpunkt des Referates ist, den Soldatinnenanteil und die Auslandseinsatzverwendung von Frauen zu erhöhen. Das Verteidigungsministerium ist aber auch Teil einer interministeriellen Arbeitsgruppe zur Weiterentwicklung des Nationalen Aktionsplans zur Umsetzung der Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen „Frauen, Frieden und Sicherheit“. Im Rahmen der Resolution und mit dem Ziel, eine gesteigerte Präsenz weiblicher Soldaten im Auslandseinsatz zu erreichen, wurde bei NATO-Einsätzen die Funktion der „Gender Advisor“ eingeführt. In den Jahren 2019 und 2020 entsandte das Bundesheer erstmals zwei Soldatinnen in dieser Funktion ins Ausland. In den letzten zwei Jahren befanden sich durchschnittlich 27 Frauen monatlich im Auslandseinsatz – in Funktionen wie Militärärztin, Stabsoffizier oder „Military Observer“. Das Österreichische Bundesheer befasst sich schon lange mit den Themen Gender Mainstreaming, Anti-Diskriminierung und Frauenförderung. Von der Gleichstellung profitiert das Bundesheer nicht nur hinsichtlich der steigenden Qualität der Aufgabenerfüllung und dem erweiterten Pool an Talenten, sondern auch durch eine verbesserte Problemlösungskapazität und erhöhte Flexibilität in der Organisation.

Weibliche Führung

Auch die Führungspositionen innerhalb des Bundesheers werden immer mehr von Frauen besetzt. So wurde im April Oberstleutnant Jasmine Krutzler zur Kommandantin des Versorgungsregiment 1 ernannt. Krutzler ist damit die erste Frau, die im Österreichischen Bundesheer eine solche Position innehat. Die Hauptaufgaben des Versorgungsregiments liegen in der Logistik und der Versorgung für die im In- und Ausland eingesetzten Soldatinnen und Soldaten. Während der Covid-19-Krise unterstützen die rund 220 Berufssoldaten unter anderem in Konzernen, im Postverteilungszentrum, bei den Massentests und beim Contact-Tracing. Während dieser Zeit führte das Regiment Major Oliver Jäger-Sunstenau, nun übergab er es an Oberstleutnant Jasmine Krutzler. „Das Versorgungsregiment 1 ist der größte Logistikdienstleister des Österreichischen Bundesheeres. Es ist eine Ehre für mich, das Regiment und seine Soldatinnen und Soldaten anzuführen und ihre Zukunft positiv zu gestalten“, so die neue Regimentskommandantin Jasmine Krutzler.

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