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Facebook: Sperre von Verschwörungstheoretikern nutzlos?

Facebook sperrt weitere Schwurbler-Accounts - und das obwohl neuste Studienergebnisse zeigen, dass Sperren möglicherweise nicht zielführend sind.
©unsplash

Auf sozialen Medien kursieren die verrücktesten Verschwörungstheorien zur Pandemie.

Mal wieder hat der Social-Media-Riese Facebook einen Schwurbler-Account gesperrt. Dabei handelt es sich um die Seite der Oberösterreichischen Partei Menschen Freiheit Grundrechte (MFG). Diese hatte vermehrt impfkritische Postings und haltlose Verschwörungstheorien veröffentlicht. So ist etwa für die MFG-Landtagsabgeordente Dagmar Häusler die Impfung eine „Prüfsubstanz“, die „weder sicher noch wirksam“ sei. Manuel Krautgartner, der Klubchef der Kleinpartei, geht dabei sogar noch weiter und verkündete in einem Video: „Die Pandemie ist beendet.“

Der Plattform ist dies nun offensichtlich zu viel geworden. Der Account sei „gesperrt und offline gestellt“ worden, so die MFG in ihrem Telegram-Kanal und beschwert sich über die „Zensur“. Die Partei plant nun, ihre Proteste gegen die Impfung und die Corona-Maßnahmen auf die Straße zu verlagern – und zwar österreichweit.

Sperre nutzlos?

Eine neue Studie des Crime and Security Research Institute (CSRI) der Cardiff University ergab nun, dass eine Account-Sperre auf Facebook den Einfluss von Schwurblern nicht mindert. Demnach ist eher das Gegenteil der Fall: Die Anhänger derartiger Seiten werden so noch aktiver und verbreiten die problematischen Inhalte und Fake News etwa über Fanseiten und Gruppen. Außerdem werben sie für die Nutzung alternativer Plattformen.

Konkret befasste sich die Studie mit der Sperrung der bekannten Verschwörungstheoretiker David Icke und Kate Shemirani. Beide verloren ihre Facebook-Accounts, weil sie wiederholt falsche und gefährliche Informationen zum Coronavirus gepostet hatten. „Ihre Sperre auf Facebook, Twitter und YouTube wird als Ehrenabzeichen hingestellt, ein Beleg dafür, dass ihre Taten den Mainstream-Big-Tech ausreichend beunruhigt haben, um gegen sie vorzugehen“, sagt Studienleiterin Helen Innes. Nachdem die Accounts offline gingen, fand eine verstärkte Mobilisierung der ehemaligen Follower statt: Sie erstellten neue Fanpages und Gruppen, teilten Videomaterial und Links und starteten sogar eigene Social-Media-Challenges, um ihre Ansichten so weit wie möglich zu streuen. Das alles im Namen der früheren Meinungsführer, so wurde Icke in den ersten sieben Tagen nach seiner Sperrung auf der Plattform ganze 84 Prozent öfter erwähnt als zuvor. Die Forscherin schließt daraus: „Das De-Plattforming hat nur begrenzten Erfolg dabei, schädliches Verhalten zu stören.“

Sperren würden nach den Ergebnissen dieser Untersuchung also zwar die Reichweite in der breiten Masse begrenzen. Jedoch scheinen sie eben auch dazu zu führen, dass Verschwörungstheoretiker in ihrer verdrehten Weltanschauung bestärkt werden und sich untereinander besser vernetzen. Laut dem CSRI müssen Social-Media-Plattformen deswegen neben Account-Löschungen noch weitere Maßnahmen einführen, um sicherstellen zu können, dass Fake News sich nicht weiter verbreiten.

PA/Pressetext/Red.

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