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Es hagelt Kritik für ÖBB-Kampagne

Werbung mit Menschen mit Behinderungen sei „verstörend“.
© ÖBB

Die vor wenigen Wochen gestartete ÖBB-Kampagne „Pass auf dich auf“ erregt vermehrt Unmut. Darin werden Menschen mit Behinderungen zur Abschreckung verwendet, um Jugendlichen die Gefahren auf Bahnhöfen näher zu bringen.

„Die Bahn ist kein Spielplatz“ heißt es seitens der ÖBB, „Bedauerlicherweise sind auch im Vorjahr wieder Menschen in Österreich wegen Unwissenheit und Leichtsinn an Gleisanlagen verunglückt, einige davon tragischerweise tödlich. Besonders häufig begeben sich Jugendliche durch unüberlegtes Handeln und falsch verstandene Mutproben in Lebensgefahr.“ Die Kampagne soll „aufrütteln“ und an die Eigenverantwortung appellieren.

 

gleise oebb gross 15. Juni 2021
© ÖBB

Reaktionen auf die Kampagne

Nun hagelte es von verschiedenen Seiten Kritik. Martin Ladstätter, Obmann vom Behindertenberatungszentrum Bizeps: „Grundsätzlich ist jede Kampagne – die gut gemacht ist – wichtig, wenn sie das Bewusstsein zur Vermeidung von unnötigen Gefahren hebt. Doch die persönlichen und auch in Social Media nachlesbaren Reaktionen auf die aktuelle ÖBB-Kampagne zeigen klar: Behinderte Menschen sind irritiert und fühlen sich teilweise auch diskriminiert.“

Auch der unabhängige Monitoringausschuss kritisiert die Werbestrategie der ÖBB „Die neue Kampagne schlägt in eine ganz falsche Kerbe und beteiligt sich an der stereotypen Kontextualisierung von Behinderungen“, sagt Christine Steger, Monitoringausschuss-Vorsitzende. „Diese stereotype Kontextualisierung von Menschen mit Behinderungen widerspricht den Grundsätzen der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, die Österreich bereits im Jahr 2008 ratifiziert hat. Artikel 8 verpflichtet die Vertragsstaaten dazu, in der Gesellschaft verwurzelte Stereotype und Klischees zu bekämpfen sowie die positive Wahrnehmung von Menschen mit Behinderungen zu fördern. Diese Kampagne allerdings zeigt Behinderung als Strafe.“ Die ÖBB als staatsnahe Eisenbahngesellschaft müsse den Leitbildern der UN-Konvention entsprechen.

„Darstellung ist verstörend“

Für Behindertenanwalt Hansjörg Hofer ist diese Darstellung von Menschen mit Behinderungen durch die ÖBB „verstörend“. Im Sinne der Inklusion solle dringend davon Abstand genommen werden, Behinderungen in einem negativen Kontext darzustellen. „Gerade die ÖBB als staatliches Unternehmen sollten sich ihre Vorbildfunktion bewusst sein und diese verantwortungsvoll erfüllen“, so Hofer.

Verlangt wird von allen drei Seiten ein Stopp der Kampagne. Eine offizielle Beschwerde beim Österreichischen Werberat wurde bereits eingereicht.

Statement der ÖBB

„Die ÖBB arbeiten eng mit der Community der Menschen mit Behinderungen zusammen. Gemeinsam konnte man in der Vergangenheit viele Verbesserungen erreichen. Darauf sind die ÖBB auch sehr stolz und das ist uns auch in Zukunft wichtig“ heißt es seitens der ÖBB auf ExtraDienst-Anfrage. Bei der Kampagne wurde sehr bewusst darauf geachtet, die „verletzten“ Jugendlichen als stark und selbstbewusst darzustellen. „Wir haben für unsere „Sicherheitskampagne“ jugendliche Models ohne Behinderung eingesetzt. Die Tatsache, dass es sich bei den Kampagnensujets um Montagen handelt, wurde gegenüber Medien transparent kommuniziert“ so die ÖBB.

Die Kampagne läuft mit Ende des Monats aus. Nächste Woche findet ein Gesprächstermin mit dem Österreichischen Behindertenrat statt, in dem der Kampagnenansatz gemeinsam kritisch hinterfragt wird.

 

PA/Red

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