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Endgültiges Aus für geflopptes Kaufhaus Österreich

946.068,54 Euro kostete das gefloppte Projekt - künftig will man dem Steuerzahler die Instandhaltungskosten ersparen
© Kaufhaus Österreich

ÖVP-Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Kocher: „Das Kaufhaus Österreich war ein Projekt, das zwar einer sehr guten Intention folgte, sich aber aus Kosten-Nutzen-Sicht als nicht wirklich zielführend herausgestellt hat“

Mit Anfang Juli wird das Pannen-Projekt „Kaufhaus Österreich“ endgültig eingestellt. Bei dem Vorhaben der früheren Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) sollte es sich ursprünglich um ein Onlinehändler-Verzeichnis handelt, das heimischen Unternehmen in der Pandemie Geschäfte bringen sollte. Ein Riesen Flop, wie sich nur wenige Stunden nach Launch herausstellte. Auf Twitter etwa wurde die Seite sinnbildlich von UserInnen anhand zynischer Bemerkungen und Kritik zerrissen. Später wurde die Seite dementsprechend in eine Infoplattform für Händler umgemodelt.

„Das Kaufhaus Österreich war ein Projekt, das zwar einer sehr guten Intention folgte, sich aber aus Kosten-Nutzen-Sicht als nicht wirklich zielführend herausgestellt hat“, so ÖVP-Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Kocher. Wegen der weiterlaufenden Kosten und weil „die angepeilten Ziele nicht erreicht werden“, gehöre der Kostenaufwand für den Steuerzahler gestoppt. Und das aus gutem Grund: Wie das nun zuständige Digital-Staatssekretariat gegenüber der APA bestätigte, belaufen sich die Gesamtkosten des Projekts auf 946.068,54 Euro. Davon waren es zuletzt knapp 2.200 Euro im Monat, die alleine für die Instandhaltung der Plattform draufgingen. Höhere Gesamtsummen, wie sie in den vergangenen Tagen durch die Medien gingen, könne man „nicht nachvollziehen“.

Konkurrenz zu Amazon und co.

Das digitale heimische Kaufhaus sollte unbedingt vor Weihnachten 2020 in Betrieb gehen. So sollte ein Ausfall des Weihnachtsgeschäftes für kleine Handelsunternehmen ohne Erfahrung im E-Commerce in Zeiten von Corona-Lockdowns abgefedert werden. Ursprünglich war die Plattform also als eine Art österreichische Antwort auf Onlineriesen wie Amazon gedacht. Nur funktioniert hat das nicht, wie die nun zuständigen Politiker eingestehen. Spott in den sozialen Netzwerken heimste man sich ziemlich schnell ein, weil man auf der Plattform oft ganz andere Dinge fand, als man eigentlich suchte. Es sei nur die Suchfunktion nicht gut gestaltet gewesen, meinte Schramböck dazu und kritisierte das „Twitter Tribunal“. Programmiert worden war die Seite vom staatlichen Bundesrechenzentrum. „Wichtig ist gewesen, die Diskussion über die Notwendigkeit von E-Commerce für unsere Händler in Gang zu setzen“, hatte Schramböck versucht zu argumentieren.

Die Shop-Suchfunktion der Online-Einkaufsplattform, die – organisiert von Wirtschaftskammer (WKÖ) und Ministerium – eigentlich entstehen sollte, wurde nach nur zwei Monaten eingestellt. Die staatliche Austria Wirtschaftsservice (aws) übernahm dann im Auftrag des Wirtschaftsministeriums den Betrieb der Website als Händlerplattform, wo etwa Förderungen vergeben wurden und bei der Digitalisierung beraten werden sollte. Die Wirtschaftskammer zog sich aus dem Projekt zurück.

Bestehende nützliche Inhalte werden laut Ministerium nun gesichert und auf andere Plattformen transferiert. Diese kommen aufs sogenannte Unternehmensserviceportal.

APA/Red.

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