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Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte

Comics, Cartoons und Karikaturen werden immer weniger medial genutzt.
© MG Mediengruppe

Die „Peanuts“ gehören zu den Klassikern des Comic-Genres

Die Tradition, Geschichten in Bildern zu erzählen, ist in Gefahr. Was einst die Auflagenzahlen und den Umsatz von Tageszeitungen ankurbelte, wird heute kommentarlos ausradiert. Comics, Cartoons und Karikaturen sind immer weniger gefragt.

Von Dominik Köhler

Das Image der comiclesenden Jugendlichen erlebte in den letzten Jahren einen deutlichen Wandel. Einst gebrandmarkt als „lesefaul“, konnte sich das Bild der Comicfreunde verbessern. Das verstaubte Vorurteil, ein Comic könne kein Qualitätsmedium sein, wurde mittlerweile revidiert. Als Konglomerat aus Bild und Text, folglich aus Lesen und Schauen nimmt er eine Sonderstellung im Mediendiskurs ein. Die Kombination ist sowohl Erkennungsmerkmal als auch Anreiz, sich als Künstler und Literat daran zu versuchen. Das Bild bedingt die Schrift und umgekehrt. Der Vorteil bildunterstützter Texte ist die Fähigkeit, mit wenig Text viel Handlung darzustellen.

Einer der Hauptverbreitungskanäle von Comic-Strips sind Tages- und Wochenzeitungen. Durch deren Digitalisierung wurde eine Bühne geschaffen, von der auch die Genres Illustration, Cartoon und Karikatur profitieren. Denn die Menschen verbringen heute mehr Zeit denn je vor ihren Computermonitoren, Handydisplays und Tabletscreens. Paper-Versionen von Zeitungen und die darin veröffentlichen Zeichnungen sind jederzeit und überall abrufbar.

Die Entwicklung im haptischen Printbereich gestaltet sich indes deutlich schwieriger. Die Illustratorin und Zeichnerin Margit Krammer zählt seit vielen Jahren zu den Vertretern des Gewerbes in den Printmedien. Ihre Arbeiten werden regelmäßig veröffentlicht. Zu ihren Auftraggebern zählen unter anderem die Kleine Zeitung, der Kurier, der Augustin und die Wiener Zeitung. Ihre Leidenschaft, Geschichten in Bildern zu erzählen, entdeckte die Künstlerin schon in ihrer Jugend. „Gezeichnet habe ich immer gerne. Buntstifte waren sozusagen meine Freunde. Das ‚in die Stille kommen‘ beim Zeichnen habe ich stets als äußerst beruhigend empfunden. Am Zeichentisch zu sitzen ist für mich ein fast meditativer Akt“, so Krammer. Der Einstieg ins Berufsfeld wurde Krammer durch ihr gutes Netzwerk vereinfacht. „Ich war und bin in diversen künstlerischen Kollektiven. In meiner Freizeit besuche ich nach wie vor Zeichner-Treffen. Über diesen Weg haben sich immer wieder spannende Kooperationen für mich ergeben“, so Krammer.

In der Branche kennt man sich. Der Karikaturist Michael Pammesberger, der seit 1997 als Zeichner für den Kurier tätig ist, hat wie Krammer seine Berufung zum Beruf gemacht.

Die Teilnahme an einem von den Oberösterreichischen Nachrichten ausgeschriebenen Leser-Zeichenwettbewerb brachte ihm im Jahr 1991 ein Preisgeld von 1000 Schilling ein. Und zudem einen neuen Job. Das Thema des Wettbewerbs lautete: „Wer wird der nächste Bundespräsident?“ Seine innenpolitischen Karikaturen erfreuten sich rasch großer Beliebtheit, sodass er als hauptberuflicher Karikaturist angestellt wurde. Im Jahr 1997 wechselte Pammesberger zur Tageszeitung Kurier. Seit Kurzem arbeitet er zudem für die Satirezeitschrift Kurier mit Schlag.

Sowohl Pammesberger als auch Krammer beschäftigten sich bereits individuell mit der schwierigen Unterscheidung der Genres von grafischen Darstellungen in den Medien. Um die Begriffe Comic, Cartoon, Illustration und Karikatur richtig anzuwenden, bedarf es Definitionen und Unterscheidungsmerkmale. „Ich habe für mich geltende Definitionen geschaffen. In der Allgemeinheit werden die Begriffe aber stark verwischt und unklar gebraucht. Viele meiner Arbeiten laufen als Illustration, sind aber Cartoons. Früher waren mir klare Trennungen wichtig. Mit der Zeit bin ich allerdings nachsichtiger geworden“, so Krammer.

Die Karikatur

Die Karikatur ist eine Sonderform des Cartoons. Sie zeigt meist bekannte Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben, der Politik, dem Sport oder der Musikbranche. „Ich definiere eine Karikatur als das karikierte Abbild einer real existierenden Persönlichkeit oder eines Tiers. Es kann jedes erdenkliche Individuum sein oder eine ganze Gesellschaft. Zu den beliebtesten Motiven der Karikaturen zählt die Darstellung verzerrter Gesichter. Eine Karikatur kann sowohl auf drei Bildern als auch auf einem einzigen Bild ihre Geschichte erzählen. Die Bildanzahl ist nur ein unterschwelliges Unterscheidungskriterium, auf das der Comic kein Exklusivrecht hat“, so Krammer.

Karikaturen sind zudem inhaltlich meist eng mit dem aktuellen Zeitgeschehen, insbesondere jenem aus der Politik, verknüpft. Ursprünglich wurde in dieser Darstellungsform auf Text verzichtet. „Karikaturen sind für mich ein fast nostalgisches Mittel, mit der Feder die Politik zu kommentieren. Das ist nicht neu. Aber es bewährt sich offenbar. Modernere Mittel wie Comics sind natürlich eine Weiterentwicklung. Es ist und war schon immer gut, sich bildhaft auszudrücken und nicht nur mit der Sprache“, ergänzt Pammesberger.

Illustrationen

Die Darstellungsform der Illustration nimmt, anders als die Karikatur, starken Bezug auf den dazugehörenden Text. Sie unterstreicht und pointiert Inhalte an den Stellen, an denen das geschriebene Wort dafür nicht ausreicht. „Die Haltung des Zeichners rückt in den Hintergrund und macht der des Autors Platz. Man nimmt eine untergeordnete Rolle ein. Darin unterscheidet sie die Illustration von den Genres Comic und Cartoon“, so Krammer.

Zu den häufigsten Anwendungsbereichen der Illustrationen zählen bis heute wissenschaftliche Lehrwerke. Darin werden unter anderem anatomische Abbildungen von Menschen und Tieren gezeigt. Botanische Darstellungen oder technische Beschreibungen zählen ebenso zu beliebten Motiven von Illustrationen.

Comics

Das Comic-Genre zeichnet sich insbesondere durch seine Erzählform aus, der so genannten sequenziellen Darstellung von Inhalten. Die Inhalte sind frei von äußeren Einflüssen und lassen den Künstlern mehr Raum für Kreativität und gestalterische Freiheiten. „Comics können alles sein und alles behandeln“, so Krammer.

Cartoons

Die ersten Entwürfe von Cartoons wurden, wie der Name vorwegnimmt, auf Pappe (franz. „Carton“) gezeichnet. „Ein Cartoon ist etwas, was aus einem oder aus wenigen Bildern besteht. Es gibt zwar Unterschiede zu den Comics, Karikaturen und Illustrationen, aber auch Grauzonen. Wenn ich zeichne, fühle ich mich als Karikaturist, verwende aber auch Bildergeschichten. Meinen Figuren lege ich mithilfe von Sprechblasen auch gerne Wörter in den Mund. Da bewege ich mich durchaus zwischen den Genres“, so Pammesberger.

Einen besonderen Stellenwert im Cartoon hat die Pointe. Diese kann und wird zumeist mit nur einem Bild erzählt. Dabei nähert sich das Genre der Karikatur an. Das bevorzugte Verbreitungsmedium der Cartoons sind Tageszeitungen, Wochenzeitungen und Magazine. Die ersten mit den heutigen Cartoons vergleichbaren Abbildungen wurden von der britischen Satirezeitschrift Punch, gegründet im Jahr 1841, veröffentlicht. Die Dialoge der dargestellten Akteure wurden damals unterhalb der Zeichnungen abgedruckt. Die Regelmäßigkeit der Veröffentlichung ermöglichte es den Cartoonisten, Stile zu entwickeln und vorzustellen. Der Wiedererkennungswert ihrer Zeichnungen steigerte die Bekanntheit und den Stellenwert der Cartoonisten.

Vorreiter

Zu den bekanntesten Cartoonisten zählt der deutsche Zeichner Heinrich Christian Wilhelm Busch, ein Pionier der Comic-Szene mit hohem Wiedererkennungswert. Seine in den 1830er- und 1840er-Jahren entstandenen humoristischen Bilderromane verdeutlichen, welchen kulturellen Einfluss Cartoons auf ganze Generationen nehmen können. Die Geschichten und Illustrationen der Lausbuben Max und Moritz haben sich tief im kollektiven Gedächtnis ihrer Zeit verankert. Und darüber hinaus. Was sich in Buchform bereits etablieren konnte, fand bei den Tages- und Wochenzeitungen erst um die Jahrhundertwende Gefallen. Zu diesem Zeitpunkt kam auch die Sprechblase immer häufiger zum Einsatz, ein bis heute beliebtes Stilmittel der Bildergeschichten.

Besondere Aufmerksamkeit wurde den Comics, Cartoons und Illustrationen in den Sonntagsausgaben der Tageszeitungen zuteil. Hierbei wird zwischen „Daily Strips“ und „Sunday Strips“ unterschieden. Die Daily Strips wurden ursprünglich in Schwarzweiß in den Montags- bis Samstagsausgaben gedruckt, wogegen die Sunday Strips koloriert waren.

Die ungewöhnliche Erzählform kam bei den Lesern so gut an, dass in den 1910er-Jahren begonnen wurde, sie zu animieren. Die ersten Zeichentrickfilme wurden als „Animated Cartoons“ veröffentlicht. Ihre Vorlage fanden sie in den Cartoons der Tageszeitungen. Den Beginn der animierten Kindergeschichten machte Walt Disney im Jahr 1928 mit dem Kurzfilm „Steamboat Willi“. Darin wurden Mickey und Minni Mouse vorgestellt. Die Cartoons vergrößerten ihren medialen Rahmen. Der 1937 entstandene Zeichentrickfilm „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ war der erste voll vertonte und farbige Film. Mit ihm wurde die Ära der modernen Zeichentrickfilme eingeläutet.

Die Entwicklung vom Papier auf die Kinoleinwände und Fernsehschirme machten auch die weltweit erfolgreichsten Comic-Strips durch: „Die Peanuts“. Mit den Filmen „Charlie Brown und seine Freunde“ (1969), „Snoopy“ (1972), „Lauf um dein Leben, Charlie Brown!“ (1977), „Gute Reise, Charlie Brown“ (1980) und „Die Peanuts – Der Film“ (2015) unterhalten die fiktiven Vorstadtkinder der Serie ihr Publikum auf großer Leinwand. „Ich bin ein großer Fan vom Schöpfer Charles M. Schulz und seinen Peanuts. Es ist zwar schon eine Patina drauf, wenn man aber genauer hinsieht, erkennt man, dass die Geschichten und Zeichnungen immer noch großartig sind. Die Welt, die von Schulz aufgebaut wurde, mit all den darin auftretenden Charakteren, ist ganz großartig“, so Pammesberger.

Die Peanuts

Die Geschichten der „Peanuts“ rund um den Protagonisten Charlie Brown, seinen Hund Snoopy und das Vögelchen Woodstock entstanden im Jahr 1950. Erfunden vom US-amerikanischen Autor und Zeichner Charles M. Schulz, gelten sie als die erfolgreichste Comic-Serie aller Zeiten. Thematisiert werden die Widersprüchlichkeiten der Gesellschaft und des alltäglichen Lebens anhand einer Gruppe von Vorstadtkindern. Die Strips sind über mehrere Jahrzehnte täglich erschienen.

Die ersten Veröffentlichungen erschienen im Jahr 1947 unter dem Titel „Li’l Folks“ (Kleine Leute). Ab dem 2. Oktober 1950 wurden die Comic-Strips unter dem Namen „Peanuts“ (Kleinigkeiten/Erdnüsse) veröffentlicht. Am 12. Februar 2000, genau einen Tag vor der Veröffentlichung des letzten Strips in den Sonntagszeitungen, starb ihr Schöpfer, Autor und Zeichner Charles M. Schulz.

Die Lage in Österreich

Das florierende Geschäft mit den Comic-Strips scheint jedoch seinen Zenit überschritten zu haben. Unvergessen bleibt der Beitrag Schulz’ zu Reputation und Stellenwert von Bildergeschichten in den Medien. Insbesondere in den Tageszeitungen.

Die gegenwärtige Situation in Österreich gestaltet sich für Karikaturisten, Illustratoren und Comic-Zeichner allerdings schwieriger. Trotz des breiteren Markts durch das Digitalangebot verzichten Zeitungen zunehmend auf die Unterhaltungsmedien Karikatur bis Comic. „Die Arbeiten von uns Karikaturisten werden von den Menschen nach wie vor geschätzt. Dennoch wird es schwieriger. Die Zeitungen sind teilweise nicht mehr bereit, viel Geld für Cartoons oder Karikaturen etc. auszugeben. Sie glauben, dass man darauf verzichten kann. Was schade ist“, so Pammesberger. „Ich gehe davon aus, dass unsere Arbeit immer wieder gebraucht und wertgeschätzt wird. Das Problem bei den Printmedien ist immer die Bezahlung. Die Frage, die sich mir stellt, ist, ob sich die Zeitungen auch in Zukunft Cartoons, Illustrationen oder Karikaturen leisten können und wollen. Wobei das ‚Wollen‘ hier vordergründig zu betrachten ist“, ergänzt Krammer.

Die Tradition zu bewahren liegt nicht in den Händen der Alten und Lehrmeister. Sie lastet auf den Schultern junger Nachwuchskünstler. Diese fehlen aber gerade im Bereich der politischen Karikatur in den österreichischen Tageszeitungen. „Ich sehe den Nachwuchs nicht. Ich weiß, dass es sehr viele gute Zeichner in den Bereichen Comic oder Graphic Novel gibt. Die sind aber nicht willens oder geeignet für die politische Karikatur in der Tageszeitung“, sagt Pammesberger, und weiter: „In diesem Bereich sehe ich momentan nur sehr wenig junge Leute. Ich bin über 50 Jahre alt und gehöre im Moment zu den jungen Zeichnern der Branche.“

Weniger düster verhält es sich im Comic-Genre. „Ich glaube, im Bereich Comic tut sich in Österreich sehr viel. Vor allem in Wien existiert eine stark ausgeprägte Szene an jungen Künstlern aus der Branche. Mein Eindruck ist, dass es sich bei Comics nach wie vor um ein florierendes Genre handelt“, so Krammer. „Besonders bei Kindern und Jugendlichen ist diese Form der Erzählung nach wie vor sehr beliebt. Ich sehe die Zukunft also rosig.“

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