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Die Ehre der Strizzis

Ein Gastkommentar zu den Affären Schrom und Nowak von Peter Aigner.

Kommentar Innen
Pixabay

Concordia-Generalsekretärin Daniela Kraus verlautet in diversen Medien, es brauche in Österreich „Branchenorgane, die sich um die Professionsethik und deren Einhaltung kümmern“. Nun, der ExtraDienst ist das mit Abstand umsatzstärkste Fach-Organ der Branche. Und kommt seiner Verantwortung, deutliche Worte zu Branchenskandalen zu finden, seit 40 Jahren frank, frei, unbeeindruckt von jeder Intervention nach. Deshalb haben wir den renommierten PR-Strategen Peter Aigner (und der berät Unternehmen in Pressesachen gewieft, seriös und höchst anerkannt seit Jahrzehnten) eingeladen, im folgenden Gastkommentar die akuten Affären Nowak und Schrom zu kommentieren.

Christian W. Mucha

 

 Die Ehre der Strizzis

…könnte man in Abwandlung des Mafia-Klassikers aus den Achtzigern mit Jack Nicholson und Kathleen Turner sagen, waren doch die Mauscheleien zwischen den „Best Buddies” Presse-Chefredakteur Rainer Nowak und dem ehemaligen Finanzstaatssekretär und ÖBAG-Chef Thomas Schmid „Ehrensache”. Eine Männerfreundschaft, die jetzt wohl ein jähes Ende fand.

Peter Aigner1 5. Dezember 2022
Peter Aigner, AignerPR

Ein paar grundsätzliche Gedanken und pikante Details als Brancheninsider zu den jüngsten Turbulenzen um ORF2-Chefredakteur Matthias Schrom und Presse-Chef Rainer Nowak, die so vielleicht noch nicht gesehen wurden bzw. nicht allgemein bekannt sind: Schrom und Nowak packelten zwar ausschließlich im eigenen Interesse, machten ihre Deals aber nicht als selbstständige Unternehmer, sondern auf Kosten ihrer Eigentümer und ihrer Kollegen, den jeweiligen Redakteuren. Wenn die Dichands oder Fellners im Fall der Fälle so agieren, dann wäre das zwar auch nicht OK, sie tun das dann aber zumindest für ihre eigenen Unternehmen.

Doch hier liegt der Fall anders. Nowak bläst auf Zuruf von Schmid willfährig Geschichten ab, entschärft unliebsame Formulierungen und fällt der eigenen Redakteurin Anna Thalhammer bei der Recherche einer investigativen Geschichte in den Rücken. Weil er ORF-Generaldirektor werden möchte und sich von Schmid Unterstützung für seine Karrierepläne erhofft. Nicht auszudenken, wäre er und nicht Roland Weißmann es geworden. Die Begehrlichkeiten von Schmid („dann geht die Post ab”) wären endlos gewesen. Als erstes Opfer stand angeblich Tarek Leitner auf deren Liste.

Wobei das katastrophale Sittenbild, das sich hier abzeichnet, für Nowak noch ein ganz persönliches Drama bedeutet – sollte er den Job endgültig verlieren. Bei der Presse casht er, wie man branchenintern hört, pro Jahr rund EUR 300.000, von diesem – durchaus – ansehnlichen Salär geht allerdings dem Vernehmen nach ein Gutteil für Unterhaltszahlungen nach einer teuren Scheidung drauf. Vor Jahren noch wollte ihn der einstige Raiffeisen-Boß Christian Konrad auf den Chefredakteurs-Posten des Kurier hieven. Und Nowak hatte auch lukrative Angebote aus Deutschland. Beides wäre wohl deutlich besser dotiert gewesen. Somit ist klar: Der Mann braucht das Salär und könnte womöglich im Fall des Verlustes seines Presse-Jobs zum Sozialfall (?!) werden …

Vorerst kann Nowak allerdings (noch) ruhig schlafen. Die Styria spielt auf Zeit. Und hat ihm erst einmal nahegelegt, seine Funktionen ruhend zu stellen. Man werde den Sachverhalt prüfen. Freilich nicht von einem unabhängigen Unternehmen, sondern intern. Von der Styria selbst. Wo man durchaus dankbar ist, dass Nowak trotz unzähliger Abwerbe-Versuche „bei der Stange“ blieb.

Ähnlich die Lage bei Matthias Schrom, der dem Ex-Vizekanzler HC Strache bereitwillig praxisnahe Tipps und Handlungsanleitungen für Interventionen beim ORF lieferte. Inklusive parteipolitischer Einordnungen der Kollegenschaft. Womit Schrom deren Arbeit konterkarierte. Er befindet sich „auf einem längeren Urlaub”, wie man vom Küniglberg verlautete. ORF-Generaldirektor Roland Weißmann sprach von „verheerender Optik”. Wohl wissend, dass selbst das noch eine Verharmlosung ist. Es ist auch nicht nur ein „Übermaß an falscher Nähe”, wie Schrom selbst einräumte und auch nicht nur „falsche Tonalität”, so das Wording von Kleine Zeitung-Chef Hubert Patterer, der Konzernkollegen Nowak relativierend zur Seite sprang. Nein, es ist viel mehr als das. Es ist – nennen wir die Dinge beim Namen – in beiden Fällen Korruption.

Man ist jetzt einmal „zur Seite getreten”. Mehr ist in Österreich mit seiner unterentwickelten Rücktrittskultur offenbar nicht zu erwarten. Medien sind die vierte Macht im Staat. Sie sollen Politiker und Spitzenbeamte kontrollieren. Aber sich nicht ihnen gemein machen, sich verhabern und als „Best Buddies” wie am türkischen Basar um Jobs und Posten feilschen – im Gegenzug für gefällige Berichterstattung. Funktioniert die Kontrolle nicht mehr, dann ist auch die Demokratie in höchster Gefahr.

Peter Aigner

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