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Das ORF Posten-Karussel

Rasend schnell dreht sich das Karussell der anstehenden Postenbesetzungen beim Österreichischen Rundfunk.

ORF Direktion
APA / Hans Punz

Immerhin einmal in der Woche treffen der noch amtierende Generaldirektor Alexander Wrabetz und Neo-Küniglbergfex Roland Weißmann zusammen, wie ExtraDienst in Erfahrung bringen konnte. Zu ausführlichen Besprechungen. Und dort geht es vor allem um die anstehenden Neubesetzungen.

Um mit dem Kaufmännischen Direktor zu beginnen:

Der jetzige Vorstand Andreas Nadler wird durch Eva Schindlauer, die derzeit ORF 3 Geschäftsführerin ist, ersetzt. Im Vorfeld der Bestellung von Schindlauer tönte es, dass diese Kandidatin dem grünen Lager zuzuordnen wäre. Doch keiner von denen, die uns als Grüne verkauft werden, hat ein einschlägiges Parteibuch. Vielmehr scheinen die hilflosen GrünInnen schon glücklich zu sein, wenn sie jemanden in eine Position hieven können, der ihnen nicht feindlich gesinnt, im Herzen Grün ist und – ganz besonders wichtig – eine Frau ist. Vorwürfe, wonach Schindlauer, die bis dato für 13 Millionen Euro Umsatzvolumen zeichnete und ab 1. Jänner 2022 für eine fette Milliarde Umsatz (ORF TV Umsatz 2020) verantwortlich zeichnet damit überfordert sein wird gehen deshalb ins Leere, weil sie auf exzellente Unterstützung bauen kann.

Schützenhilfe erwartet sie wohl vom bisherigen Kaufmännischen Direktor Nadler. Der ist bestens vernetzt und lieferte hervorragende Fach- und Sacharbeit. Nadler, der schon unter Wrabetz dessen Büroleiter war, managte an der Seite von Sissy Mayerhoffer und Richard Grasl, bevor er selbst die kaufmännische Direktion übernahm. Nadler wird sich, so hört man, dem Vernehmen nach selbstständig machen. Und danach als Konsulent dem ORF wohl weiter zur Verfügung stehen. Was Schindlauer ihre Sache gewaltig erleichtern würde.

„Dazu will ich nicht’s sagen“

Neue Fernsehdirektorin wird – Überraschung – nicht der detto den Grünen zugeschriebene Georg Spatt sondern die Pro7Puls4Sat1-Programmchefin Stefanie Groiss-Horowitz.

Der Versuch eines Interviews mit Verweigerer Spatt gleicht dem Anrennen gegen eine Gummimauer: Dazu werde er nichts sagen. Dazu wolle er nichts sagen. Dazu wird er nichts sagen. Und eigentlich sagt er nie irgendwas. Faktum ist: Er braucht nicht viel zu sagen, weil Telekratius sowieso weiß, warum er (was jüngst kolportiert und von ihm nicht dementiert), von sich aus den Posten als Fernsehdirektor nicht haben möchte. Spatt ist nämlich so clever, zu begreifen, dass das kein besonders attraktiver Posten ist, der ihm hier angedient wurde.

Denn die Programmdirektion wurde – wohl Zechner zufleiß – vom noch bestehenden Generaldirektor Wrabetz um wesentliche Machtfaktoren abgeräumt. Der entscheidende Einflussbereich der Programmdirektorin, nämlich die Information, ressortiert längst direkt im Büro des Generaldirektors. Und wird damit nach Wrabetzs Abgang logischerweise in der Obhut von Weißmann landen. Und dann wurden – wohl detto um Zechner zu entmachten – noch die beiden Channel-Manager installiert. Und die haben detto ein gewichtiges Mitspracherecht. Was bleibt, ist nur mehr ein rudimentäres Segment. Und Spatt will wohl seine mächtige Alleinstellung bei Ö3 nicht aufgeben, um ein abgespecktes TV-Ressort zu übernehmen.

Freilich hätte sich diese Entscheidung fatal für den „Dazu-Will-Ich-Nichts-Sagen“-Typen auswirken können: Insider wissen nämlich, dass dem Bundeskanzler Ö3 immens wichtig ist. Dass er österreichs größten Radiosender als strategisch besonders wertvoll bewertet. Hat sich Spatt da verpokert? Auch bei den Folgefragen weicht der Ö3-Chef aus und duckt ab. Kündigungsfrist? Weiß er nicht auswendig. Er sei seit seit 1996 bei Ö3 erst interimistisch, dann fix bestellt.

Jüngsten Informationen zufolge war Spatt´s Poker jedoch durchaus vernünftig. Denn Spatt´s Vertrag wird nicht gekündigt. Er bleibt an Board. Und damit mächtiger Ö3 Chef. Besser als ohnmächtiger TV-Chef in einem neuen Bereich.

Wie die Tageszeitung „der Standard“ zu wissen glaubt, wird in der Radiodirektion alles neu – jedenfalls so lange bis Ö3 und Ö1 auf den Küniglberg übersiedelt sind. Auch dort soll es eine weibliche Besetzung geben. Doch während ExtraDienst entgegen den Informationen vom Standard den Zund bekommen hat, dass Georg Spatt im Amt bleibt, könnten die Karten von Hannes Aigelsreiter schlecht sein. Laut Standard werden TV-Chronik-Chefin Claudia Lahnstein und ORF3-Chefredakteurin Ingrid Thurnher dafür genannt. Was der Standard nicht bringt, aber ExtraDienst erfahren hat: Ingrid Thurnher hat die besseren Chancen dabei.

Womit wir bei Pius Strobl angelangt wären. Unter Protestgeheul der ihm unangenehmen Kreise wurde sein Vertrag verlängert. Was aus logischen Gründen schon allein deshalb sinnvoll erscheint, weil der Mann sich am besten mit dem Umbau des ORF auskennt. Und der wird noch drei Jahre dauern. Ein gigantisches Projekt, das sicherlich nicht rund laufen wird, wenn du den Kopf, der über alles Bescheid weiß, wegräumst. Bei Strobl freilich gibt´s noch eine ganze Reihe von Nadelstichen, die dieser Tage für ziemliche Diskussionen sorgen. Denn ganz so billig wird der Mann seine Haut nicht verkaufen. Und darauf bestehen, dass er seine sonstigen „Bereiche“ behält. Und die sind nicht ohne, denn da geht´s um „Mutter Erde“, „Nachbar in Not“, „Greenpeace“, um seine Verhandlungen mit den NGOs und um den gesamten Bereich der sozialen Aktivitäten des ORF. Ein unheimlich prestigeträchtiges Feld, das die ÖVP wohl nicht so leicht hergeben wird. Mal sehen, wer da am längeren Ast sitzt.

Die „neuen“ ORF-Landesdirektoren

Doch nun zu den restlichen Landesdirektoren, die in der letzten Veröffentlichung von ExtraDienst noch nicht komplett genannt wurden.

In Tirol wird Robert Unterweger, der bestehende Landesdirektor, seinen Job mit Garantie nicht behalten. Seine Nachfolge ist noch offen. Ziemlich fix ist, dass sein Nachfolger eine Nachfolgerin werden wird. Muss. In Salzburg werden Waltraud Langer die besten Chancen eingeräumt. In Niederösterreich könnte wohl der jetzige Chefredakteur des Landesstudios Robert Ziegler zum Zug kommen. In der Steiermark wird Dietmar Koch wohl in Amt und Würden bleiben. Detto wie in Vorarlberg der erfolgreiche Manager Markus Klement. In Oberösterreich wiederum werden die besten Chancen dem jetzigen Chefredakteur des Landesstudios Klaus Obererder zugeschrieben.

Und damit wären wir bei den letzten Fragen gelandet: Wie schnell lernt Weißmann? Ist er der neuen Aufgabe gewachsen? Die Antwort lautet: Der Mann lernt unglaublich schnell und ja – es schaut nicht schlecht für ihn aus. Denn er hat die wohl entscheidenden Faktoren seiner Tätigkeit blitzschnell begriffen. Viel zu schnell, wie seine Widersacher ächzen. Dort, wo er sich jetzt befindet, ist die Luft dünn. Viel dünner, als bei den 300 Programmmillionen, die er bis dato schaukeln musste.

Weißmann hat, so beschreibt es einer der ExtraDienst-Informanten, der selber in einer äußerst einflussreichen Position im ORF werkt, schnell verstanden, dass bei all diesen Entscheidungen auf der Führungsarbeit gleichzeitig unheimlich viele Furz- und bleigefüllte Bälle in der Luft sind. Die einem besser nicht auf den Kopf fallen sollten. Dass man schnell, partnerschaftlich, kooperativ, pragmatisch reagieren muss, damit die nicht platzen und Gestank verbreiten. So gesehen, hat er die ersten Wochen der Vorbereitungszeit wohl mit Bravour überstanden. Und bis zu seinem offiziellen Amtsantritt muss er eigentlich nur eine einzige Hürde nehmen: Es schaffen, zu vermeiden, dass ihm gravierende Fehler unterlaufen…

Herzlichst

Ihr

Telekratius

PS:  Aufmerksame Leser von ExtraDienst werden sehen, dass Telekratius die Passage mit der EBU aus der letzten Veröffentlichung gelöscht hat.

Wiewohl Telekratius darauf besteht, dass in der ORF-Rechtsabteilung eine mögliche Bewerbung von Wrabetz überprüft wurde, handelt es sich bei dieser Information offenkundig um eine in strategischer Absicht geworfene Nebelgranate. Um Wrabetz, wenn er solch einen Job nicht bekommt, als Verlierer abzuqualifizieren? Dies ist reine Spekulation. Fakt ist, dass es den Noch-Amtsinhaber zu anderen Ufern treibt. Freilich nicht zur EBU.

Der Obige

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