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Bei ORF DIGITAL Lösung spießt es sich mit dem VÖZ

Es ist ein zähes Ringen. Und ganz so einfach, wie man sich das beim ORF vorgestellt hat, läuft die Causa nicht: Beim Thema um die Digitalisierung und die damit einhergehenden Rechte des Österreichischen Rundfunks, um die Erweiterung der Möglichkeiten in den „neuen Medien“ und die digitale Zukunft der größten Medienorgel des Jahres ist ordentlich Sand ins Getriebe geraten.

Zum einen scheint es laut unbestätigten Quellen festzustehen, dass die Kronen Zeitung nach dem Tod von Kronehit Radio Geschäftsführer Dr. Ernst Swoboda nun den ehemaligen Büroleiter des Medienbeauftragten des Bundeskanzlers Gerhard Fleischmann, Philipp König, in ihr Haus holen wird. Damit könnte König eine echte Schlüsselposition in der Kronen Zeitung einnehmen und in eine ähnliche Beraterfunktion wie Swoboda seinerzeit rücken. Der als Syndikus alle Rechtsfragen (und die sind dem Kleinformat-Herausgeber Christoph Dichand besonders wichtig) übernehmen könnte. Dass König hochqualifiziert ist, steht außer Frage. Dass der ORF bis zuletzt darum rang, ihn an Bord zu holen, berichtete ExtraDienst.
Leider scheiterte dies am Veto Königs, der es für politisch unkorrekt empfand, erst in Diensten des Bundeskanzleramtes am ORF DIGITAL Gesetz zu arbeiten und dann zu jenem Unternehmen zu wechseln, das davon nachhaltig betroffen ist. Für den ORF stellte sich damals die Frage, ob es einen haut gout hat, wenn jemand direkt aus dem Kanzleramt in den Österreichischen Rundfunk wechselt. Für Alexander Wrabetz war das keine Frage: Er bot in dieser Phase sogar an, dass er die Bestellung Königs und seinen Wechsel zum ORF organisieren würde, nur damit diese bestinformierte Schlüsselfigur nicht als Gegenspieler des ORF in Zukunft auf der Printmedienseite auftritt… Doch dazu kam es – dank Königs Entscheidung – nie.

Dieser Tage nun gibt es regelmäßige Besprechungen und Treffen zwischen dem Zeitungsherausgeberverband sowie Noch-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz und dem Neo-Generaldirektor (ab 1. Jänner 2022) Roland Weißmann, die für den ORF verhandeln. Auf der anderen Seite stehen Markus Mair und der trotz einer Erkrankung ­– tapfer mitverhandelnden Magister Gerald Grünberger, Geschäftsführer des VÖZ.

Von deren Seite kamen massive Einwendungen, was Content-Strategie, Marketing und vor allem den geplanten Player des ORF betrifft. Man argumentiert von Seiten des Zeitungsherausgeberverbandes, dass nach der Tanzeinlage von Armin Wolf rund um die Eröffnung des ORF TikTok Channels unmittelbar 50.000 Follower dort eingetrudelt seien. Das sei ein massiver Eingriff in die Marktsituation und würde das Standing der Zeitungsherausgeberverbandmitglieder massiv tangieren. Das Argument der Zeitungsmacher: Der ORF braucht sich nicht einzubilden, dass das, was er da fordert, auch realisiert wird. Denn der ORF wolle „alles“. Man könne sich durchaus vorstellen, dass der ORF mit seinem geplanten Player, was „digital only“ und dergleichen betrifft, auch Fiktionen und Eigenproduktionen featuren könnte. Die Spreu vom Weizen scheide sich freilich in Sachen Nachrichtengeschäft. Dafür müsste es ein Äquivalent für die Printmedien geben. Denn der ORF würde mit seiner gewaltigen Reichweite und mit seiner Marktpower alle anderen Plattformen vaporisieren. Ihnen erheblichen wirtschaftlichen Schaden zufügen.

Sohin dürfte die Causa zum Knackpunkt der ORF-Zukunft werden. Aber auch zu einem wechselseitigen Muskelspiel zwischen Printmedien – wo vor allem jene, die digital gut aufgestellt sind, laut und vehement dagegen angehen – und dem Austro TV-Giganten.

 

Christian W. Mucha

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