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Dürfen uns nicht an Publikum anbiedern

Autorin und SZ-Kolumnistin Augstein sieht Zukunft der Zeitungsbranche optimistisch und kritisiert "Panikmache" rund um Coronavirus.
© APA/GEORG HOCHMUTH

Auch von den sozialen Netzwerken, die sie als asoziale Medien bezeichnete, hält Augstein wenig.

Franziska Augstein, Autorin und Kolumnistin bei der „Süddeutschen Zeitung“, warnt Journalisten davor, dem Publikum nach dem Mund zu schreiben. „Wir Leute von den Medien machen uns klein und meinen allzu oft, den Interessen der Leser, Hörer und Zuschauer folgen zu müssen“, sagte sie in ihrer Keynote zur Eröffnung des zweiten Tags der Österreichischen Medientage am Donnerstag. „Wir passen uns an, ja, wir biedern uns an“, kritisierte sie.

Empfehlungen genau das zu tun, „laufen darauf hinaus, dass Journalisten sich zu Prostituierten machen“. Doch während deren Arbeit darin bestehe, „die Wünsche der Kunden zu erfüllen“, sollte die Arbeit der Journalisten darin bestehen, die Menschen zu informieren, betonte Augstein. „Meine feste Überzeugung ist, das, was wir zu sagen haben, interessiert das Publikum.“

Keine Panikmache betreiben

Kritisch sieht Augstein auch die Berichterstattung über das Coronavirus. Viele Medien würden Panikmache betreiben. „Ich finde es absolut unsäglich, dass seit vielen Monaten jeden Tag eine halbe Seite mit den neuen Fallzahlen gedruckt wird“, sagte Augstein. Relevant wären aus ihrer Sicht die Todesfälle und die Zahl der schweren Erkrankungen. Auch von den sozialen Netzwerken, die sie als asoziale Medien bezeichnete, hält Augstein wenig. Viele Menschen informierten sich mittlerweile vornehmlich auf solchen Plattformen im Netz, was dazu führe, dass jeder in seiner eigenen Blase lebe. „Die Informationsgesellschaft bricht auseinander“, warnte Augstein.

Die Zukunft der Medienlandschaft sieht sie trotzdem optimistisch: „Die Auspizien für unsere Branche sind gar nicht so schlecht“, ist sie überzeugt. In fünf, sechs Jahren werde es mehr digitale Abonnements, aber nach wie vor eine lebendige Medienlandschaft geben. Es sei voreilig, „Print ist tot“ zu schreien. Gefährdet seien eher die Fernsehsender als die Zeitungen, glaubt Augstein.

APA/red

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