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Dobcak auf Zack!

Einen Interessenvertreter stellt man sich anders vor. Wenn Peter Dobcak, Gastro-Kämmerer und Lobbyist aus Leidenschaft, sich in die Bresche haut, dann geht was. Echt jetzt.
© privat

Peter Dobcak (links) beim Netzwerken mit Gattin Silvia und Josef Donhauser

banner extradienst scaled 15. Juni 2021 

ExtraDienst: Herr Dobcak, wenn die Branche, die Sie jetzt seit fünf Jahren als Kammer-Obmann in Wien vertreten, in der größten Krise aller Zeiten ist, was macht das mit einem wie Ihnen?

Dobcak: Wenn man so mit dem Herzen dabei ist wie ich, dann nimmt einen das ganz schön her. Denn ich habe in den letzten Monaten, vor allem in der Zeit des Lockdowns, das gesamte breite Spektrum an Verzweiflung, menschlichem Leid, aber auch an Dankbarkeit erlebt. Dadurch, dass wir ja auch nicht die Wohnung verlassen durften, saß ich faktisch von zeitig in der Früh bis spät in der Nacht am Telefon. Und das Spektrum ging von „Ich weiß nicht mehr, wo ich das Geld hernehmen soll, um meine Kinder zu ernähren“ bis „Ich häng mich morgen auf“, aber auch „Danke, Peter! Du hast uns gerettet, denn es war möglich, über deine Hilfe eine Überbrückungsfinanzierung zu bekommen.“ Das nimmt mich natürlich schon sehr, sehr mit, weil ich ja weiß, wie – seien wir uns ehrlich – anstrengend dieser Beruf ist und wie viel man da hineininvestieren muss. Und wie dünn aber letztendlich der Ertrag ist, aus welchen Gründen auch immer, und dass dann viele Lebenswerke zerstört wurden. 

ED: Wie viele Mitglieder hat der Fachverband Gastronomie in der Wirtschaftskammer?

Dobcak: Knapp 6000. 

ED: Sie haben mit einer guten Stimmenmehrheit als ÖVP-Kandidat bei der letzten Wirtschaftskammerwahl im Februar 2020 gewonnen. Wie viele Stimmen haben Sie da auf sich vereinen können?

Dobcak: Wenn man berücksichtigt, dass die Wahlbeteiligung bei den Kammerwahlen von Haus aus sehr gering ist, konnte ich mit rund 850 Stimmen die Hälfte der 32 Mandate für meine Fraktion gewinnen.

ED: Sie haben eine sehr durchsetzungskräftige Art entwickelt. Was ist Ihr Geheimnis? Sind das spitze Ellenbogen, ist es die Wortgewandtheit, die Sie haben? Ist das politisches Verständnis? Wo sehen Sie selber die Talente, die Sie bekommen haben für diesen Beruf?

Dobcak: Von meinem Charakter-Bild her mag ich keine spitzen Ellenbogen, weil ich trotz Durchsetzungskraft ein Teamspieler bin. Meine Führungsphilosophie ist: „Führen ist die Kunst, sich überflüssig zu machen.“ Das heißt, sich ein Team aufzubauen und Mitspieler aufzubauen und deren Stärke zu entfalten und dann gemeinsam voranzugehen, um das Ziel zu erreichen. Da muss man natürlich mit gutem Beispiel vorangehen, was auch für ein Unternehmen normal sein sollte. Der Erste im Geschäft, der Letzte draußen. Genau das Gleiche ist in Wirklichkeit bei der Interessenvertretung. Ich habe früh erkannt, dass es bei der Menge an Mitgliedern – und der Skepsis, die über viele Jahre geherrscht hat, was die Interessenvertretung betrifft – wichtig ist, mit gutem Beispiel voranzugehen. Man ist so, wie in einem Betrieb, entweder zu 100 Prozent oder gar nicht da. Und das ist das Geheimnis, dass man wirklich auch vom Aufwand her erkennt, „voran, mit voller Kraft“.

ED: Ob die Eröffnung der „Wiener Wies‘n“, ob der Relaunch eines chinesischen Restaurants in Heiligenstadt, ob eine Box-Veranstaltung oder Diskussionsrunde auf w24 ansteht, der Dobcak ist überall dabei. Wie viele Stunden kommen da zusammen, und warum tut man sich diese Intensität an?

Dobcak: Man brennt dafür, man entscheidet… Das Wichtigste im Leben ist, eine Aufgabe zu finden, neben seiner Mitte, aber das hängt sehr eng damit zusammen. Ich hatte sehr viel Glück im Leben. Es ist schlicht und ergreifend eine Bringschuld von mir – und das meine ich positiv, nicht als Verbindlichkeit im negativen Sinn –, zu jenen Glücklichen zu gehören, die ihre Aufgabe gefunden haben. Die Aufgabe ist, sich für andere einzusetzen. Und damit ist der Stundenaufwand nicht mehr so relevant. Ich komme ja aus dem Tourismus. Ich bin aufgewachsen in einer sehr gebenden Familie, in einer sehr großzügigen Familie, die den Service-Gedanken verinnerlicht hat, aber diesen Service-Gedanken – das ist mir ganz wichtig – mit Stolz trägt. Dienen ist nicht Unterwürfigkeit. Dienen ist, anderen zu helfen, und das mit aufrechtem Haupt und Stolz. Und genau das ist mir auch – hoffe ich – zu einem guten Teil gelungen in den letzten Jahren. Ich wollte in der Wahrnehmung der Bevölkerung zeigen, dass wir eine wichtige Branche sind, dass wir eine stolze Branche sind, dass wir eine sehr große Leistung vollbringen und dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir da sind. Das hat ja auch gerade der Lockdown in den wenigen Monaten gezeigt. Wir sind Geschäftsleute, und das ist unser Beruf. ED: Wie hat Ihr Arbeitsalltag jetzt während Corona ausgeschaut? Wie haben Sie den Betrieben helfen können? Welche konkreten Maßnahmen haben Sie in der Kammer gesetzt?

Dobcak: Es ist so, dass in der Wahrnehmung der Mitglieder die Dinge viel zu langsam gegangen sind. Und ich muss hier schon die Gelegenheit nutzen, um auch meine Mitglieder oder die Bevölkerung an sich darauf hinzuweisen, dass das, was auf uns alle zugekommen ist, unheimlich komplex war und wir das „Glück“ haben, dass wir uns nur um unsere eigenen Betriebe kümmern müssen – unter Anführungszeichen. Aber die Bundesregierung hat die Verantwortung für die gesamte Wirtschaft in Österreich. Und ich erkläre es immer bildhaft: Erinnern Sie sich, wenn Sie in einen Ameisenhaufen steigen, und gleichzeitig tausende Ameisen das Bein hinauflaufen. Sie wissen nicht, wo sie als Erstes hinschlagen sollen. Und genauso ist es der Bundesregierung gegangen. Und in einem kleinen Rahmen ist es auch mir  mit hunderten Anrufen, mit individuellen Anliegen so ergangen. Das ist der Arbeitsalltag, um zu versuchen, den Menschen in der Gastronomie zu helfen. Und da gibt es dann Hindernisse, die man sich gar nicht vorstellen kann.

ED: Können Sie dazu konkrete Beispiele nennen?

Dobcak: Wenn zum Beispiel der Finanzminister den Fixkostenzuschuss erhöhen möchte, aber dazu erst in Brüssel anfragen muss. Und die Kommission sagt: Die Sommersaison war eh gut, wieso braucht ihr einen erhöhten Fixkostenzuschuss? Dass die Stadtgastronomie und die Stadthotellerie am Boden liegen, weil die Touristen ausfallen, das wird wissentlich übersehen. Oder dass es Regularien gibt, auch seitens Basel 3 zum Beispiel, was die Banken und die Finanzierung betrifft, dass die eine gewisse Eigenkapital-Quote halten müssen und deswegen in ihrer Kreditvergabe limitiert sind. Und wer bleibt dann über? Der Gastronom, der perverserweise – das muss ich schon sagen – vielleicht letztes Jahr investiert und dafür einen Kredit aufgenommen hat. Er hat einen vollkommen gesunden Betrieb, und jetzt darf ihm die Bank keinen neuerlichen Kredit mehr geben, weil er plötzlich zu wenig Eigenkapital hat, weil er letztes Jahr investiert hat. Also das sind vollkommen perverse Zustände.

ED: Lassen sich solche Fälle lösen?

Dobcak: Das hat sich dann zu einem guten Teil lösen lassen, weil die Regierung dynamisch darauf reagiert und die Banken in die Pflicht genommen hat. Aber das hat leider schmerzlich lange gedauert.

ED: Dass aufgrund der Corona-Krise sowohl Hotel- als auch Gastronomiebetriebe vor allem im städtischen Raum schließen werden müssen, steht außer Frage. Was schätzen Sie: Wie groß wird der Pleiteanteil sein in der Branche?

ED: Was die Gastronomie betrifft, wird der Pleiteanteil zwischen 20 und 30 Prozent liegen.

FaktuM: Also jeder dritte bis fünfte Betrieb sperrt zu?

Dobcak: Richtig.

ED: Und in der Hotellerie?

Dobcak: In der Hotellerie wird es ähnlich sein, wenn das so weitergeht. Wenn nicht sogar mehr davon betroffen sein werden, weil da natürlich ganz andere Gelder involviert sind. Ein Riesenhaus zu erhalten, mit dem ganzen Personalstand, das ist trotz Kurzarbeit wirklich keine leichte Aufgabe!

Das Interview führte Christian W. Mucha

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