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Die Sommer-Bombe

In der Musik gibt’s Sommerhits. Im Mediengeschäft den heißen Aufreger. Heuer: Helmut Brandstätters neues Skandal-Buch über Kurz & Kickl.

Schon erstaunlich, wenn der Herausgeber und Chefredakteur der bürgerlichen Tageszeitung Kurier just zu Zeiten einer türkis-blauen Regierung, sprich dann, wenn die staatlichen Machthaber der Eigentümerschaft seiner Zeitung ganz besonders konvenieren, intern abgesägt und in die Herausgeber-Funktion weggelobt wird. Der Grund: Brandstätters „unbotmäßige“ Redaktionslinie, unzählige „regierungskritische“ Kommentare und das Zulassen von Berichterstattung, die – so ein namhafter Vertreter der Regierung – besser dem Falter oder der ZIB 2-Redaktion zu Gesicht stehen würden als dem bürgerlichen Kurier.

Dieser Tage geht’s nun ans Eingemachte. Wenn Brandstätter sein Buch „Kurz & Kickl – Ihr Spiel mit Macht und Angst“ auf den Markt bringt. In der Presseaussendung heißt es dort, einigermaßen sorgfältig formuliert: „…war von Anfang an klar, dass die FPÖ den Staat von Grund auf verändern und Kurz vor allem formal an der Macht sein wollte. Herbert Kickl wollte dabei unbedingt Innenminister werden, um aus der Republik Österreich einen autoritären Staat zu machen. Und Sebastian Kurz und seine ÖVP schauten so lange zu, bis sie sich selbst von Kickl bedroht fühlten. Das Ibiza-Video war eine willkommene Gelegenheit, den Innenminister zu entlassen…“

Im Gespräch mit Brandstätter in seinem Urlaubsdomizil in Saint-Tropez zieht der Kurier-Herausgeber mir gegenüber dann vom Leder. Er, Brandstätter, gehe davon aus, dass der Bundespräsident Sachgründe dafür hatte (die freilich bis dato noch nie ausgesprochen wurden), warum er so strikt in Interviews äußerte, Kickl als Innenminister nicht mehr bestellen zu wollen. 

Brandstätter: „Er hat sowohl in der Polizei als auch im BVT eigene Projekte aufgesetzt und auch eigene Einheiten, die nur ihm hätten hörig sein sollen. Der entscheidende Punkt ist, dass Kickl von Anfang an geplant hat, dieses Land auf einen autoritären Weg zu bringen, abhängig von ihm und seinen Leuten. Und ich würde sagen, es hat sogar ausgesehen nach einer Art schleichendem Putsch. Es geht schön langsam; da sagt er einmal: ‚Die Politik steht über dem Recht.‘ Dann sagt er: ‚Ja, über die Journalisten wird auch noch recherchiert.‘ Dann werden Polizisten kaltgestellt, die Kickl nicht passen. Und dann werden andere Polizisten gefördert, die zu ihm loyal sind. Das war das Problem, und das hat Kurz gemerkt. Kurz hat in seinem Machtdrang und in seinem unbändigen Machtwillen gedacht: ‚Ich mach das auf jeden Fall mit der FPÖ.‘ Und hat völlig übersehen, dass er den wichtigsten Geheimdienst, den Verfassungsdienst, das BVT, nicht der FPÖ und Kickl überlässt. Und es war ja Gert-René Polli, der frühere BVT-General und ÖVP-Berater, der gesagt hat: ‚Der Ausschuss im Parlament tanzt auf der Asche des BVT.‘ Das heißt, Kickl hat alles dafür getan, dass der BVT nicht mehr richtig arbeiten kann.“

Auch Kurz hätte die Details dieser Causa gekannt und vor allem deshalb die Notbremse gezogen, so Brandstätter. Und nicht, um spekulativ Neuwahlen vom Zaun zu brechen, wie ich ergänzend hinzufügen möchte. Ob Brandstätter Angst hat, dass sein Buch beschlagnahmt wird? „Nein, um Gottes Willen! Weil ich alles genau recherchiert habe. Und alles, was ich schreibe, OK ist.“ Auch Kickl und Kurz hätten schriftlich Fragen übersandt bekommen. Und beantwortet. All dies sei in seinem Œvre berücksichtigt.

In der Branche dürfte in den nächsten Tagen jedenfalls ein ordentlicher Sturm losbrechen. Politisch, aber wohl auch medienpolitisch. In der Raiffeisen-Vorstandsetage wird man ob solcher Dinge definitiv nicht amüsiert sein. Und auch vom ehemaligen Innenminister sind scharfe Töne zu erwarten. In der Musik gibt’s die sogenannten Sommerhits. Im Journalismus die Sommer-Bombe. Das dürfte die heurige sein…

*  *  *

„Etwas werden“ wird auch für die Frauen hierzulande in der Lebensplanung immer wichtiger. Das Traditionsbild vom „Weibchen am Herd“, dessen „gesellschaftliche Rolle darin bestand, nur stumme Zierde zu sein“, wie ED-Autorin Ute Fuith in ihrem Kommentar auf Seite 95 so treffend schreibt, wird im Lauf der Zeit politisch immer unkorrekter. Die Jahrtausende gepflegte Praxis, wonach Frauen „starke Männer brauchen, die ihnen Bedeutung und Sinn verleihen“, ist endlich überholt. Und wo auf der einen Seite in Sachen verbaler Korrektheit oder „MeToo“ die Gegenbewegungen gegen tradierte Borniertheit pendelmäßig extrem in die andere Richtung ausschlagen, verbessert sich’s ausgependelt und stetig bei den Themen „Frau sein“, „als Frau erfolgreich sein“, „als Frau Karriere machen“, „als Frau anerkannt werden“, substanziell Jahr für Jahr. Denn das ist ein langwieriger Prozess. 

ExtraDienst knüpft nun an eine langjährige Tradition an und bringt 580 Namen von Frauen, die es hierzulande „geschafft“ haben. Präsentiert außergewöhnliche Persönlichkeiten und zeigt, wie man’s als Frau erfolgreich macht. Gerade die Kommunikationsbranche, die Medien- und Werbeszene sind Domänen, wo Frauen ganz besonders stark reüssieren. Sohin kann unser Feld Vorbild für viele andere sein. Wobei die Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts leider noch immer substanziell schlechter honoriert werden als ihre männlichen Kollegen und dabei starker Aufholbedarf besteht. 

Das beste Beispiel für eine Frau, die eine tadellose Vita hingelegt hat und diese noch krönend abschließt, ist Bundeskanzlerin Dr. Brigitte Bierlein. Schon als sie Vizepräsidentin des Verfassungsgerichtshofs wurde, war das eine Sensation in diesem männerdominierten Geschäft. Dann Präsidentin. Und nun, mit 70, erste Bundeskanzlerin der Republik Österreich. Wir haben sie auf den Cover genommen. Als Symbolbild der „Yes we can“-Bewegung für Österreichs Frauen. Dafür, dass sie sich mit ihren 70 Lenzen zur Verfügung stellt für einen der härtesten Jobs des Landes, mit Verve und Engagement Österreich aus der schwersten Krise der Zweiten Republik mit Eleganz, Klugheit und überlegten Worten herausmanövriert, kann man ihr nicht oft genug danken. Doch auch sie wurde ab dem ersten Tag mit politischen Maßstäben bewertet, was natürlich insofern unfair ist, weil sie stets Beamtin war. Und auch für ihr Medien-Standing bekam sie einiges ab, obwohl das ja alles andere als ihre Domäne ist. 

Merke: Frauen werden zwar – statistisch bewiesen – noch immer deutlich schlechter honoriert als Männer in vergleichbaren Positionen, beim Thema Schonung befinden sie sich allerdings auf Augenhöhe. Schlussendlich: Dass bei der Rankinglist Kommunikator und bei der Aufstellung der besten Marketing- und Werbeleiter Österreichs Frauen in den Führungspositionen und an den vordersten Plätzen noch immer Mangelware sind, sollte zu denken geben. Mal sehen, ob wir mit diesem Heft etwas dazu beitragen können, dass sich auch hier die Dinge zum Besseren – sprich zur fairen Gleichbehandlung – ändern. 

Einen schönen Sommer wünscht Ihnen 

Ihr

Christian W. Mucha

Herausgeber

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ED 6/2019 Cover
ED 6/2019 Cover (Foto: Olivier Matthys/APA/picturedesk.com)

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