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Die APA – Werkzeug der Demokratie

Dr. Clemens Pig, Vorsitzender der APA-Geschäftsführung, im großen ExtraDienst-Interview.
© Adobe Stock / APA / Montage MG Mediengruppe

APA-Chef Dr. Clemens Pig beim Drahtseilakt und im ED-Interview

Die Verbreitung von Meldungen ist das Kerngeschäft der Nachrichtenagentur. Doch ihr Leistungsspektrum geht weit darüber hinaus. Clemens Pig spricht im Interview über alternative Geschäftsfelder, Expansionen und warum die APA alle 30 Tage ein neues Feature produziert.

 

ExtraDienst: Die Auflagen der Zeitungen und die Zuschauerzahlen des ORF – Ihrem größten Genossenschafter und Abnehmer – gehen seit Jahren kontinuierlich zurück. Bricht Ihr Kerngeschäft weg?

Clemens Pig: Nein. Journalistische Angebote und dabei speziell Qualitätsjournalismus bleibt wichtiger denn je. Mit der Digitalisierung kommen naturgemäß neue Formate und Ausspielkanäle dazu. Die Digital-angebote der Verlage steigen ja ganz ordentlich. Sowohl auf den Online-Portalen als auch die Paid-Content-Angebote. Es findet eine deutliche Transformation zu Conversions statt, wo man Nutzer in Digital-Abonnenten umwandeln will. Die Medien haben sich hier deutlich weiterentwickelt und erzielen viele Erfolge. Und sie können in der derzeitigen Krise der sogenannten sozialen Medien – die weder sozial noch Medien sind – auch ihre Stärken wesentlich stärker ausspielen. In einer zunehmend  undurchschaubaren Welt ist der Bedarf von Nutzern und Organisationen nach verlässlichen, faktenbasierten Informationen groß.

ED: Gibt es Druck der Verlage auf die APA, was die Kosten anbelangt?  

Pig: Nein, es gibt einen viel intelligenteren Ansatz: das gemeinsame Arbeiten an Prozessverbesserungen und Innovationen. Prozessoptimierungen sind ja ohnehin immer durchzuführen. Aber der zukunftsorientierte Ansatz, gerade in der Zusammenarbeit zwischen den Genossenschaftern und der APA, liegt darin, Zukunftsthemen und Innovationen zu adressieren. Zwei Beispiele dazu: Die APA betreibt im Auftrag der Verlage den größten digitalen Zeitungsstand Österreichs, den Austria-Kiosk. Der beinhaltet mittlerweile mehr als 400 Publikationen. Benutzen kann man ihn direkt als Paid-Content-Angebot oder als sogenanntes FreeLounge-Modell zum Beispiel in den ÖBB-Railjets. Damit haben wir in Wahrheit das alte Lesezirkel-Modell digitalisiert.

Dann gibt es die Austria-Video-Plattform. Das ist eine Video-Austauschplattform zwischen Produzenten – vor allem dem ORF – und den Publishern und Online-Portalen der Verlage. Das sind die Zukunftslösungen, von denen auch die Medien profitieren. Hier ziehen wir neue Geschäftsmodelle auf. Wir sind damit ein Werkzeug unserer Eigentümer und Partner.

ED: Wie würden Sie die Rolle der APA in Österreich beschreiben?  

Pig: Die APA erfüllt die Rolle des grundlegenden Nachrichten-Teppichs. Und damit auch eine Backbone-Funktion. Insbesondere im redaktionellen, aber auch im technologischen Bereich. Das bedeutet, dass wir die Grund-Versorgung mit geprüften und ausgewogenen Nachrichten und Informationen zur Verfügung stellen. Das tun wir seit der Gründung der APA in ihrer jetzigen Form 1946 als Genossenschaft. Diesen redaktionellen Grundauftrag interpretieren und modernisieren wir laufend weiter.

ED: Wie sieht diese Interpretation aus? 

Pig: Zu Beginn war die APA auf Textberichterstattung fokussiert. Dazugekommen ist dann die Bildberichterstattung, Grafiken, interaktive Grafiken, Video, Live-Video, Live-Blogs und als jüngstes Produkt Automated Content. Die große Stärke der Agentur liegt auch in der Verknüpfung von Themen, in den Service-Meldungen, die wir den Verlagen und den Medien zur Verfügung stellen. Den ganzen Rohstoff, den man für Veredelung oder eben auch als Fertig- oder Halbfertigprodukt verwenden kann. Die Koexistenz einer Nachrichtenagentur wie der APA mit den Medien ist damit eine ideale. Die Medien können sich damit Zeit und Ressourcen verschaffen für ihre eigenen redaktionellen Schwerpunkte und USPs. Die Herausforderung ist, gemeinsam bestmögliche Prozesse aufzubauen, damit die Medien wettbewerbsorientiert agieren können.

ED: Wie sehen Sie die oft kritisierte Eins-zu-eins-Übernahme von APA-Meldungen, vor allem in Online-Medien?

Pig: Im Sinne der Geschwindigkeit ist es ja verständlich, dass Online-Portale sehr schnell zunächst APA-Meldungen übernehmen. In bestimmten Situationen, wo User rasch mit Nachrichten und Informationen versorgt werden müssen, ist das natürlich auch der richtige Weg. Umso wichtiger ist ja bei uns das Thema der Qualitätssicherung. Die weitere redaktionelle Vertiefung der Verlage findet dann u.a. auf Basis dieser APA-Meldungen statt. Die spezifische Ausgestaltung wird dann nach der Gesamtausrichtung des jeweiligen Mediums vorgenommen. Das ist die perfekte Koexistenz. Man braucht zwingend und in jedem Fall Agenturberichterstattung, aber natürlich auch den eigenen USP der jeweiligen Redaktion. Und wenn das in Balance ist, dann hat beides seinen guten Platz nebeneinander.

ED: Thema Innovation: Sie haben Automated Content bereits angesprochen. Wie funktioniert das? 

Pig: Hier geht es darum, strukturierte Daten – beispielsweise Ergebnisse aus Wahlen – in automatisiert erstellte Texte und Grafiken umzuwandeln. Wir haben bereits zur EU-Wahl testweise den Prototypen zum Einsatz gebracht und jetzt vollumfänglich zur Nationalratswahl. Das hat hervorragend funktioniert. Man hat in Sekundenschnelle alle rund 2.000 österreichischen Gemeinde-Ergebnisse in vollautomatisierter Textberichterstattung in optimaler Qualität. Information, die es zuvor in dieser Form nicht gab. Die Meldungen werden auch von der APA als automatisiert erstellt gekennzeichnet. Bei solchen Digital-Themen sind die Investitionen zuerst durchaus größerer Natur. Aber wenn das gut aufgesetzt ist, bringt das einen massiven Mehrwert für die Online-Portale.

ED: Müssen die Journalisten um ihre Jobs fürchten? 

Pig: Nein, das ist nicht das Thema, hier Maschine gegen Mensch auszuspielen. Im Gegenteil, es braucht zunächst zusätzliche Aufwände. Man verwendet die Algorithmen eher, um zusätzliche und neue Dinge zu produzieren. Das Produkt hat auch bei uns in der Redaktion keine bestehenden Mitarbeiter ersetzt.

Lesen Sie das ganze Interview im neuen ExtraDienst

ED 10 1119 Cover 1 1. Dezember 2021

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