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Deutsche Konzerne oft ohne Frau im Vorstand

In 103 von 186 untersuchten Börsen-Konzernen sitzt keine einzige Frau auf Vorstandsebene.
© Pixabay

Die Initiative Fidar fordert seit längerem, die bereits existierende Frauenquote für Aufsichtsräte deutlich zu erweitern

Mit Absichtserklärungen alleine scheint es nicht zu gehen, oder nur viel zu langsam: Einer aktuellen Studie zufolge hat mehr als die Hälfte der großen börsennotierten Unternehmen in Deutschland keine Frau im Vorstand. Wie die Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (Fidar) auf der Grundlage von 186 börsennotierten Konzernen herausfand, gab es in 103 der untersuchten Firmen keine einzige Frau in der Vorstandsetage.
Für den aktuellen Women-on-Board-Index ausgewertet haben die Studienautoren Konzerne in den Börsenindizes DAX, MDAX und SDAX sowie die im regulierten Markt an der Börse notierten, paritätisch mitbestimmten Unternehmen (Stand 22. März 2021).
„Wir untersuchen die DAX-Unternehmen seit nunmehr zehn Jahren. Das Ergebnis ist nur dort zufriedenstellend, wo die gesetzlichen Regelungen zahlenmäßig wirken“, sagt Fidar-Präsidentin Monika Schulz-Strelow.
In der Gruppe der Unternehmen, für die bereits seit 2015 eine Frauenquote für Aufsichtsräte gilt, liegt der Frauenanteil auch in Vorständen mit 14,1 Prozent etwas höher als in den restlichen Konzernen ganz ohne gesetzliche Quote, wo er bei 11,3 Prozent liegt. Insgesamt stieg der durchschnittliche Frauenanteil in den Vorständen im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Prozentpunkte auf 13 Prozent.
Die deutsche Regierung hatte Anfang des Jahres nach langem Ringen eine verbindliche Frauenquote für Unternehmensvorstände auf den Weg gebracht. Nach Angaben des Frauenministeriums könnte der Deutsche Bundestag das Gesetz in der übernächsten Woche absegnen. Laut Fidar hat es bereits vor Inkrafttreten einen Effekt: Seit Bekanntgabe des Vorhabens hätten die Konzerne Adidas, Bayer, E.ON, Infineon, Fielmann und Südzucker eine Frau in den Vorstand berufen. Das seien 6 von 66 Konzernen, für die die geplanten neuen Regeln für Vorstände gelten würden, rechnen die Autoren der Studie vor. 25 Konzerne in dieser Gruppe haben demnach noch keine Frau im Vorstand. 12 von ihnen haben bisher auch nicht vor, Frauen in ihre Vorstände zu berufen – sie haben sich die sogenannte Zielgröße Null gesetzt.

Vielfach Zielgröße-Null-Politik

Auch die Gesamtbetrachtung offenbart Lücken: 62 von 186 Börsen-Unternehmen planen der Erhebung zufolge weiter ohne Frauen im Vorstand. Als Beispiele für diese Zielgröße-Null-Politik nennt Fidar auch die DAX-30-Unternehmen Delivery Hero und RWE.
Wie aus einer Erklärung des Energiekonzerns hervorgeht, hatte sich der Aufsichtsrat von RWE in seiner Sitzung vom 23. Juni 2017 für die Zeit bis Mitte 2022 für den Frauenanteil im Vorstand tatsächlich die Zielgröße Null gesetzt. Der Beschluss ist von der Realität aber schon überholt worden, wie ein Konzernsprecher auf Anfrage erklärte: Seit 1. November 2020 ist einer von drei Vorstandsposten bei RWE von einer Frau besetzt. Dies habe sich im Zuge der Vorstandsvergrößerung von zwei auf drei Posten ergeben, heißt es weiter. Das sei auch sonst im Konzern, etwa mit Blick auf Tochtergesellschaften, „nichts Außergewöhnliches“, betonte der Sprecher.
Der Fall zeigt: Zielgröße Null auf dem Papier heißt nicht automatisch, dass die Konzerne auch tatsächlich keine Frauen in ihren Vorstand berufen. Insgesamt ist die Zahl der börsennotierten Konzerne, die mit null Prozent Frauen im Vorstand planen, der Studie zufolge seit 2020 von 75 auf 62 gesunken.
 
APA/red

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