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Der Bären-Fellner

Leitartikel von ExtraDienst-Herausgeber Christian W. Mucha.
© Eckharter / MG Mediengruppe

Tatz-Blitz: Wo auch immer der Medien-Mogul hintappt, entsteht Rumor. Seit 50 Jahren ist WoFe der Aufreger der Nation im medialen Unterholz.

Der Mann ist unbestritten eine Legende. Führt eines der erfolgreichsten Medienunternehmen des Landes. Mit einem 360-Grad-Angebot. Print, Online, TV, Radio – und demnächst Shopping-Plattformen. Er hat 450 Mitarbeiter und setzt nach eigenen Angaben rund 130 Millionen Euro um. Er hatte zum Start von Österreich, wie er mir exklusiv beim Frühstück im Hotel Imperial grinsend erzählt, 58 Millionen Euro Schulden. Von denen „mittlerweile mehr als die Hälfte“ zurück bezahlt sei.

Sie wissen es längst: Die Rede ist von Wolfgang Fellner. Der bärige Typ ist viel beneidet, viel gefürchtet, viel gehasst, aber – und das ist wohl unbestritten – multitalentiert und immens erfolgreich. Im Exklusiv-Interview spricht er über Dinge mit mir, die er noch niemandem erzählt hat. Zum Beispiel darüber, dass man im Jahr 2005, ein Jahr, bevor man mit der Tageszeitung startete, für den Betrieb von Österreich 58 Millionen Euro aufgenommen habe. Ob er diese Zahl jemals schon gegenüber jemandem von den Medien genannt habe, will ich wissen. Fellner antwortet: „Nein, noch nie.“ Darauf ich: „Und warum erzählst du’s mir?“ Fellner: „Weil du mich danach fragst. Die anderen fragen sowas ja nicht. Du fragst, du bohrst nach, du recherchierst – das macht deinen ExtraDienst außergewöhnlich.“

Die Hälfte von dem Geld sei, so verrät er mir weiter, schon abbezahlt. Welche Banken die Sache finanziert hätten? Fellner: „Praktisch alle. Das ist ein Konsortium aus fast allen namhaften Banken in Österreich. Zinsen zahlen wir dafür die marktüblichen, vielleicht ein bisserl besser, weil sie ja mein Bruder verhandelt hat. Und alle Kredite zahlen wir brav zurück, bis wir bei Null sind. So wie Amazon, Netflix, Uber – halt nur im Kleinen, mit zwei Nullen weniger.“ Das Jahr 2008 und die Einbrüche in der Medienbranche seien nicht besonders förderlich gewesen. Schließlich habe man die Tageszeitung in einer Phase der Rezession im Medien- und Werbemarkt gestartet. Aber, so Fellner: „Die Bedienung der Kredite dauert zwar länger, aber das hat nicht wahnsinnig stark durchgeschlagen.“ Das abgelaufene Jahr sei ein hervorragendes für seine Gruppe gewesen. Im Tageszeitungsgeschäft hätte er fast 10 Prozent bei der Auflage und im Anzeigengeschäft zugelegt. Sein Mitbewerb sei „extrem nervös“. Fellner: „Wenn da jemand versucht, uns Prügel in den Weg zu werfen, wenn wir etwa für Innervillgraten, einer Gegend mit 25.000 Einwohnern, keine Radiogenehmigung haben oder dort Zahlungen ausständig waren, dann ist das wie ein Streit um ein paar Frankfurter Würschteln. So etwas hält uns nicht auf.“ 

Nicht aufhalten lassen will sich der Verleger auch durch die Auseinandersetzungen mit der Mediaanalyse. Er hätte es gewagt, die Zahlen von 2018 und 2019 zu vergleichen, was er laut MA nicht dürfe. Fellner: „Ich hoffe auf eine positive Lösung – und dass in Zukunft nicht jedes Inserat, das im ExtraDienst erscheint, vom Mitbewerb sofort geklagt wird…“ Doch was kratzen Streitereien, Auseinandersetzungen, Anwürfe, Attacken den Mann, der als furchteinflößender, mächtiger Bär der Branche gilt? Der zwar ordentlich angefeindet wird – denn schließlich geht’s hier um Marktanteile, um Marktpositionen, um Erträge, um Wirtschaftlichkeit, und der Verdrängungswettbewerb war noch nie so hart wie dieser Tage – sich aber andererseits als erfolgreicher Macher bewiesen hat. Zum Erscheinen dieses Heftes hat er grad sein 50-Jahr-Jubiläums-Fest über die Bühne gebracht. Mit einer Gästeliste, die ihresgleichen sucht. Im Hotel Park Hyatt Vienna. 

Von Rennbahn Express über Basta und News bis zu Österreich reicht die Palette der Medien, die Fellner erfunden, etabliert, zum Erfolg geführt und dann wieder  verscherbelt hat. Ein Wahnsinn, solch eine Lebensleistung. 

Beim Frühstück im Imperial schaufelt er fröhlich ein Omelette in sich hinein, und auf die Frage, wie es ihm als 65-Jährigem geht, wenn er den Job eines Dreißigjährigen macht, schildert er mir seinen Arbeitsalltag. Zum Start des Senders Radio Austria (Fellner: „Sicher einer unserer größten Erfolge bisher“) sei er um vier Uhr früh aufgestanden. Sonst düst er täglich morgens aus der noblen Himmelstraße im 19. Bezirk, wo sich sein Privat-Domizil befindet, in das Verlagsbüro neben der Sezession. Die Arbeit wird nur unterbrochen von seinen Aufenthalten in Kitzbühel, Malibu und auf Ibiza, wo er Häuser sein Eigen nennt. Da gibt’s eine hübsche Yacht, und in Kalifornien hat er sich vor drei Wochen mit der Technik-Geschäftsführerin von Österreich Online verlobt. Das Einzige, was er dabei moniert: „Die Reisen sind immer zu kurz, die Urlaubsunterbrechungen verrinnen so schnell, für Privates bleibt immer zu wenig Zeit über.“ 

Und geschäftlich? Fellner: „Wenn du mir erzählst, dass sich da im heurigen Jahr beim ORF, bei Pro7Sat.1Puls4 und IP (RTL-Gruppe) rund 26 Millionen Euro an Werbegeldern verabschiedet haben, dann ist für mich klar, wo das Geld hingeflossen ist: Vor allem zu YouTube für sogenannte Prerolls. Und da haben wir uns auch fast dreieinhalb Millionen geholt.“ Oe24.tv laufe hervorragend. Heuer mache er neun Millionen brutto und rund acht Millionen netto TV-Werbeumsatz. Das spiele genau die Kosten herein. Der Fernsehkanal sei somit kostendeckend. Fellner feixt: „Natürlich haben wir beim Sender viel gekupfert. Im Fernsehen wird ja eins zu eins kopiert. Wir haben uns viel von CNN abgeschaut. So wie jetzt Puls 24 uns hemmungslos abkupfert. Dabei sind die bei einem Viertel von unseren Teletest-Zahlen, wie ich intern weiß. Die veröffentlichen das ja nicht. Und müssen natürlich am Anfang Wahnsinnsverluste einfahren.“ 

Er hätte sich für den Start seines TV-Senders einen ordentlichen Wirbel gewünscht. Fellner will das nicht spezifizieren, aber zwischen den Zeilen höre ich heraus, dass ihm eine Neuwahl oder sonst was Gröberes durchaus genehm gewesen wäre. Man macht ja schließlich Medien. Fellner: „Und dann kam Ibiza. Und Ibiza war noch viel besser als alles, was man sich so ausmalen konnte…“ Er hätte seine Seherzahl in der Folge vervierfacht, hatte im ersten Jahr 0,12 Prozent Reichweite und konnte im Mai 2019 auf über ein Prozent kommen. Fellner: „In der Zuschauerriege der 12- bis 45-Jährigen brauchst du 0,5 Prozent Reichweite: Dann können das auch die Agenturen buchen. Denn wenn du weniger hast, dann könnte es passieren, dass du in einzelnen Beobachtungszeiträumen auf null zurückfällst, und dann kriegen die Schwierigkeiten.“ Deswegen hätte ja sein Mitbewerb im Moment noch nichts an Werbung laufen. Ob er sich darüber ärgere, dass Breitenecker sein Konzept abgekupfert hätte? Fellner: „Nö. Wir haben ein ordentliches Verhältnis zu einander. Jeder fladert. Also was soll‘s. Die Sender sind doch heute alle austauschbar.“ 

Der Verleger resümiert zufrieden, dass das Jahr 2019 „ein ganz besonders geiles Jahr war.“ Und vor allem sei er stolz auf seine Kinder. Auf Niki, bei dem jetzt ein zweites Baby unterwegs ist, und auf seine Tochter Jenny, die schon zwei Kinder hat und jetzt wieder intensiver in den Verlag zurückkehren wird. Mit dem Radio Austria hätte er im Moment den meisten Spaß. Da hätte er den Bauer-Verlag an der Hand gehabt, einen Giganten im europäischen Radiogeschäft. Fellner: „Das haben wir dann bleiben lassen. Besser, man macht so etwas alleine. Dann muss man nicht teilen.“ 

Über wen bei solchen Interviews nie gesprochen wird, weil das hat der Betroffene sich ausbedungen, ist Wolfgang Fellners genialer Bruder Helmuth. WoFes  jüngerer Bruder gilt als Finanzgenie der Gruppe. Hat den Ruf, der mit Abstand beste Verhandler Österreichs im Mediengeschäft zu sein. Helmuths Quote für Abschlüsse liegt irgendwo bei 1,2 zu 1. Das heißt, dass der Mann bei zwölf Gesprächen zehn Abschlüsse macht. Ein normaler Mitarbeiter im Werbeverkauf rechnet sich mit einer Quote von sechs zu eins, Spitzenleute schaffen zwei zu eins. Das heißt, wenn ein „normaler“ Verhandler 60 Gespräche führt, macht er zehn Abschlüsse. Spitzenleute brauchen zwanzig Gespräche für zehn Abschlüsse. Fellner spielt in einer eigenen Liga. Und nachdem er der „Mann fürs Grobe“ ist, hat er sich selbst mit Bescheidenheit, Zurückgezogenheit und 99-prozentiger Medien-Abstinenz belohnt. 

Und wie geht‘s im nächsten Jahr weiter? Da starten die Fellners mit ihren Shopping-Plattformen. Einem Marketplace mit allen „Classified“-Seiten und Shop 24, dem eigentlichen Shopping-Portal. Wann man das launchen wolle? Wolfgang Fellner: „Das kann ich nicht sagen. Vielleicht im Frühjahr, vielleicht im Herbst. Bei solchen Dingen bist du immer in Gottes Hand und der Technik der Entwickler ausgeliefert.“ Ob er gut drauf sein, gesund, genug Kraft habe für diesen Job? Fellner: „Ich bin fit wie ein Turnschuh. Ich leiste mir viele Auszeiten. Und bewundere dich, Christian, dafür, dass du dir diese komplizierten Reisen nach Burma, Peru oder Laos antust. Das mache ich nicht. Das wäre mir wieder zu anstrengend.“

*  *  *

Die „Chuzpe als Stilmittel“, wie ich in meinem Leitartikel von ExtraDienst 8-9/2019 ausführen durfte, scheint langsam zur Standard-Einrichtung hierzulande zu werden. Im Oktober durfte ich erzählen, wie der Tiroler Blogger M.W. größtmögliches Kapital daraus geschlagen hat, einen ihm zuerkannten Preis erst anzunehmen, dann medienwirksam abzulehnen und hierauf den Preisverleihern verbal in die Hand zu beißen, die ihm freundlich Labsal reichen wollte. Der aufmerksame Zuseher erkennt die Absicht an solchem Verhalten und ist – zu Recht – verstimmt. Ranküne bestimmt hier das Handeln. Die Überlegung: Womit gewinne ich mehr an Aufmerksamkeit: Wenn ich nun den Preis annehme. Oder wenn ich öffentlichkeitswirksam die Preisverleiher anpatze? Eine PR-Finte, die zu den ganz besonderen Ekelhaftigkeiten der Selbstvermarktung gehört.

Jüngst gab’s schon wieder so einen Vorfall: Uschi Pöttler-Fellner, die umtriebige Herausgeberin des Magazins look!, veranstaltet jedes Jahr ihren „Women of the Year“-Award. Da arbeitet neben der engagierten Verlegerin eine Dutzendschaft von emsigen Mitarbeitern monatelang an der Ausrichtung einer prachtvollen Veranstaltung. Da müssen die spannendsten, bewegendsten, faszinierendsten Frauen der Welt und von Österreich gesucht, gefunden, kontaktiert und überzeugt werden. Da findet – vom Ambiente des Festsaals im Wiener Rathaus bis zum High-Class-Catering – eines der hervorragendsten Feste der Medienbranche im Jahresablauf statt. 

Wichtig dabei zu erwähnen: Die Preisträger sind allesamt im Vorfeld bekannt. Das heißt, jede der Ausgezeichneten braucht sich nur im Vorfeld schlau zu machen, wer die anderen sind, die mit ihr gemeinsam auf der Bühne stehen werden. Und jeder steht es frei, wenn eine von denen ihr nicht passt, solch eine Veranstaltung zu meiden, den Preis abzulehnen und sich nicht auf ein gemeinsames Foto mit jemandem zu begeben, der ihr nicht zu Gesicht steht. 

Eine der Ausgezeichneten war in diesem Jahr Madeleine Alizadeh alias Dariadaria. Eine Lifestyle-Bloggerin und Grün-Aktivistin mit 250.000 Followern zu Themen, die wirklich brennen. In einem Artikel wird sie für ihren unermüdlichen Einsatz für Nachhaltigkeit, Klimaschutz und bezeichnenderweise Selbstliebe ausgelobt. Denn die Bloggerin ist immer dann zur Stelle, wenn es gilt, Punkte für Menschlichkeit, die Grün-Bewegung oder ihre eigene politische Karriere zu sammeln. So schnitt sie sich im vergangenen Sommer für die „Haarspende“ medienwirksam ihren Zopf ab, einen Verein, der für kranke Kinder kostenlos Perücken anfertigt. Mit solchen Aktionen, das weiß die clevere Selfmade-Politikerin, sammelst du Pluspunkte, Likes, und holst dir die Herzen der sozialen Gemeinde-Mitglieder.

Und nun geschah es, dass im Zuge des „Women of the Year“-Awards auch Kathrin Glock ausgezeichnet wurde. Die Ehefrau von Gaston Glock, dem einflussreichen Waffenproduzenten, ist Dariadaria freilich alles andere als grün. 

Nun stellt sich die Frage, ob die Frau eines Waffenproduzenten dafür gelobt werden darf, dass sie nachhaltig denkt und lebt, dass sie aktive Tier- und Umweltschützerin ist und dass sie einen Weltkonzern mit innovativen Strategien verstärkt. Ich habe dazu eine ganz klare Meinung: Niemandem, der Gutes tut, der zur Nachhaltigkeit eines Unternehmens beiträgt, der ein Vorreiter im Bereich erneuerbare Energien ist, der sich damit um die Umwelt und auch aktiv um den Tierschutz kümmert, sollte dafür attackiert werden, dass er mit einem Mann verheiratet ist, der in einem negativ besetzten oder „anrüchigen“ Geschäftsbereich tätig ist. Denn das Gute bleibt gut. Und wird nicht deshalb schlechter. 

Und der Herr Glock hat schon Waffen produziert, da war die gute Kathrin noch gar nicht auf der Welt. Also ist sie wohl nicht verantwortlich zu machen für das, was im Weltkonzern des alten Herrn passiert.

Frau Glock wurde wohlgemerkt nicht für die Waffenherstellung ausgezeichnet, sondern für ihre Tätigkeit im innovativen Geschäftsbereich der Glock Ökoenergie. Und für ihre Tätigkeit im medizinischen Beirat der Glock Healthy Science and Research GmbH. 

Alles Fragen, die sich eine Alizadeh wohl nie gestellt hat. Denn für die gab’s nur einen einzigen Ansatz: Wie kann ich jetzt als Grün-Aktivistin daraus Kapital schlagen, dass die Frau eines Waffenproduzenten gleichzeitig mit mir ausgezeichnet wird? Kalkulierte das, agierte, marschierte auf die Bühne und ließ eine Brandrede gegen Glock vom Stapel. Die Claqueure in den sozialen Medien jubelten ihr – wie vorgesehen – begeistert zu. Wie es der Gastgeberin bei dem völlig sinnlosen Wutauftritt (denn deshalb wird keine einzige Glock-Waffe weniger produziert) gegangen ist, ist einer Dariadaria naturgemäß völlig Powidl.

Ich glaube, es wird Zeit, dass wir die Ranküne von solchen Aktionen nicht nur durchschauen, sondern alle dafür sorgen, dass derartige Aktionen als das enttarnt werden, was sie schlussendlich sind: erbärmliche, nach Beifall heischende PR-Aktionen in egomanischer, selbstsüchtiger, rücksichtsloser und unerzogener Absicht, die die Jahrtausende alte Qualität des Gastrechts vorsätzlich bricht. Die Gastgeber düpiert, die Ehrengäste schmäht und letzten Endes nur ein einziges Ziel verfolgt: Sich selbstsüchtig in Positur zu werfen, Likes abzugreifen und auf Kosten anderer Menschen sich selber ins Scheinwerferlicht zu drängen. Solch niederträchtiges Verhalten lässt sich mit drei kurzen Wörtern zusammenfassen: einfach schlecht erzogen.

Wenn ich darüber nachdenke, was mir im Jahr 2019 am meisten aufgestoßen ist, dann fällt die Antwort darauf nicht schwer. Wobei das Jahr 2019 für meine eigene Charakterbildung wahrscheinlich ein wesentliches war: Mit der Erkenntnis, dass die tagesaktuelle Verlockung, sich jedes Negativ-Erlebnis auf Facebook, Twitter oder sonstwo unreflektiert (!!) stante pede von der Seele schreiben zu können, durchaus negative Auswirkungen zeigt. Plötzlich hat jeder sein eigenes Medium. In dem Wut, Frust und Verzweiflung öffentlich gemacht werden. Was definitiv nicht als positiver Fortschritt für die Menschheit angesehen werden kann. 

Heute bedaure ich, etliche Male der Versuchung anheimgefallen zu sein, wenn mich – über die lange Strecke wohl eher nebensächliche – Negativ-Erlebnisse dazu bewegt haben, in die Tasten zu greifen. 

Denn die Intensität des schnell Dahergesagten wird massiv verstärkt, wenn man über so eine scharfe Zunge verfügt wie ich. Nur allzu schnell denaturiert man solchermaßen mit den sorglos dahingeschriebenen Kritiksplittern zum Wut-Poster, zur Negativ-Figur, zum Verbal-Aggressor.

Dabei habe ich mich Zeit meines Lebens darum bemüht, sowohl in meiner Arbeit nach innen in unserem Betrieb als auch mit meiner journalistischen Arbeit nach außen zu Verbindlichkeit, gemeinschaftlichen Lösungen und zum Konsens beizutragen. Ein giftiges Posting für viele Tausend Facebook-Freunde freilich wirkt wie Öl, das ins Feuer gegossen wird. 

Diesbezüglich habe ich 2019 eine wichtige Lehre für mein Leben gezogen. Frei nach Reinhard May: „Man lernt eben täglich dazu. Juchu!“ Und habe die sogenannten Wut- oder Hass-Postings (die dir allzu schnell aus dem Hirn ins Handy gleiten) drastisch reduziert, bemühe mich, dort, wo sich Kritik nicht verhindern lässt, weicher und eleganter zu formulieren als das, was mir üblicherweise beim ersten (ungezügelten) Gedanken so einschießt.Kein Pardon gibt’s allerdings überall dort, wo ich mit Typen konfrontiert werde, die arrogant sind. Die anmaßend sind. Die sich selbst überschätzen. Oder überhöhen. Oder die ihre Gesprächspartner niederbügeln. Einfach so. 

Was sagen Sie zum Text von einem gewissen Rudolf Wanka, der für den ORF tätig ist und auf Anfrage eines meiner Redakteure, der freundlich Informationen über eine von Wanka PR-mäßig „betreute“ Dame abfragen wollte, wie folgt (schriftlich) antwortete: „Ihre Fragen sind eine Zumutung. Sie zeugen davon, dass Sie sich überhaupt nicht mit XXX befasst haben. Und sich nicht annähernd auf das Interview im Sinne journalistischer Kompetenz und Sorgfalt vorbereitet haben. Ansonsten wüssten Sie, dass…“ Sein sachliches Schreiben endet mit folgenden Worten: „…schlägt dann dem Fass definitiv den Boden aus. Sie werden also hoffentlich verstehen, dass Frau XXX kein Interesse hat, für derartige Fragen zur Verfügung zu stehen…“

Gnade Gott jenen, die einen derartigen „Unterstützer“, Giftspritzer und Rohrspatz aus der „mächtigen“ Institution ORF an ihrer Seite stehen haben. Ich möchte nicht wissen, wie viele Journalisten der Mann mit seiner Art schon verbrannt hat. 

Das Öffentlichmachen seines Wirkens soll Signalwirkung haben: Dafür, dass man einerseits damit rechnen muss, dass die eigene Verbal-Inkontinenz einer breiteren Kollegenschaft bekannt gemacht wird. Und andererseits, dass ein wenig Demut und Höflichkeit besser ankommen als zügellose Arroganz und die Überhöhung der eigenen Macht. Und dass man sich nicht alles erlauben kann, nur weil man im größten Medienhaus Österreichs arbeitet. Das mag andere einschüchtern. Mich nicht. Weil ich mich immer schützend vor meine Mitarbeiter stellen werde. 

Selbstverständlich haben wir das Interview bekommen. Direkt von der vom eigenen „PR-Mann“ Angepatzten. 

Was mich zum versöhnlichen Teil dieses Editorials führt: Mich bei Ihnen, geschätzte Abonnenten, Leser und Inserenten herzlich dafür zu bedanken, dass Sie mir mit 2019 das beste Jahr unserer 43-jährigen Verlagsgeschichte beschert haben. Dass Sie uns noch immer die Treue halten. Und dass Sie uns erneut zum wirtschaftlich erfolgreichsten Fachzeitschriftenhaus dieses Landes gemacht haben. 

Deshalb versprechen Ekaterina, unser Team und ich Ihnen für 2020, das Ihnen Gesundheit, Erfolg, Glück und Segen bringen soll, erneut des alten Werbespruches von Avis zu gedenken: We try harder. 

Herzlichst Ihr

Christian W. Mucha

Herausgeber

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