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ORF-Legende Peter Rapp (l.) und Ziehsohn Dieter Chmelar

Er ist der letzte rhetorische Hutschenschleuderer der Republik. Wenn der Schmäh nicht schon einen Namen hätte, dann müsste er Chmelar heißen. ED lud den Wortartisten zum Interview. Bei Wuchteln mit Journaillesauce.

 

Warten auf den Wortgewaltigen im Restaurant „Grünspan“ an der Grenze zum Ottakringer Cottage. Man genießt die relative Stille im Lokal, denn wenn er einmal da ist, wird Schluss mit Ruhe sein: Das Interview mit Dieter Chmelar, dem Mann mit einer humoresken Kalaschnikow als Zunge, muss erst einmal über die Bühne gebracht werden. Kein Satz ohne eine Wuchtel, keine Redewendung ohne eine Spitze. Es gibt Kollegen, die der Meinung sind, dass er sogar im Schlaf einen Kalauer herausschnarchen könnte. Es würde eine Uphill-Battle werden, ein „Sturm auf den Berg“, denn wer glaubt, gegen Chmelar bestehen zu können, hat schon mal seine journalistische Einschätzung verfehlt.

Mit ein paar Minuten Verspätung kommt er nicht, sondern er tritt auf: Freundliche Gesten des Personals geleiten den 59-jährigen Multifunktionsunterhalter an den reservierten Tisch, er bestellt einen kleinen Weihnachtsbock und schnauft durch. Soeben zurück von einem Wochenenddienst beim Kurier, eine Tätigkeit, für die Journalisten seines Formats eigentlich eine Sonderverwendungsabgeltung in der Höhe eines Wochengehalts bekommen müssten. Sieben Tage sind es oft, an denen er nichts anderes tut, als das, was er eben kann: Spitze Bonmots als Bonbons in gefälliges Zuckerlpapier zu verpacken, Ideen wie Sternspritzer abbrennen, Schüttelreime in Sekundenschnelle entwickeln, Namensspiele auf einem Niveau zu betreiben, dem keiner nachfolgen kann und die daher auch erlaubt sein müssen.

ExtraDienst: Wissen Sie eigentlich, dass Ihr Name aus dem Tschechischen übersetzt „Hopfenbauer“ heißt ?

Dieter Chmelar (bestellt noch ein Bockbier): Natürlich, „Chmel“ bedeutet Hopfen, und korrekt ausgesprochen klingt mein Name nicht wirklich fein: Hmelarsch, also hinten so wie der Allerwerteste. Und man sagt, dass es einen Ärztemangel in Tschechien gibt, weil dort der Arzt nämlich Lékař heißt, was buchstäblich an ein klassisches Zitat Goethes gemahnt – also lassen wird das.

ED: Trotzdem sind Sie einer der ganz wenigen Journalisten im Land, die sich nicht nur in der Society bewegen, sondern auch selbst quasi Society sind. Was treibt Sie dazu?

Chmelar: Na ja, sagen wir einmal die Eitelkeit? Oder besser, wie es mein väterlicher Mentor und enger seelenverwandter Freund Werner Schneyder gern auf sich selbst münzt: „Ich bin ein Universaldilettant.“ Das ist natürlich kokett – das Wort „dilettare“ wurzelt im Lateinischen und heißt so viel wie „etwas zum eigenen Genuss, zur eigenen Freude zu machen“. Dilettanti nennt man in Italien heute noch die Amateurboxer – mit denen verbindet mich der Hang zur Schlag-Fertigkeit, wenn auch nur rein verbal …

 

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen ED-Print-Ausgabe!

 

Autor: Walter Pohl

Bildcredit: privat