Skip to content. | Skip to navigation

 

Typografische Schriftformen rufen in der Wahrnehmung des Betrachters Emotionen hervor. Das stellte Medienpsychologe Dr. Christian Gutschi bereits in den 1980ern im Rahmen umfassender Untersuchungen zum Thema fest (siehe Kasten S.194). Seines Wissens gibt es auch keine neueren Studien, welche wissenschaftlich fundiert die Wirkung von Druckschriften oder Schriftformen untersucht hätten. „Das Besondere an meinen Untersuchungen ist ja die psychologische Grundlage eines empirischen Forschungsdesigns, in Verbindung gebracht mit dem Wissen und der intuitiven Erfahrung namhafter Typografen und Grafik-Designer“, so der Medienpsychologe im Gespräch mit ExtraDienst. Als Erkenntnisse zu Wirkung und Wahrnehmung von Schrift gelten – kurz zusammengefasst – also damals wie heute: Die Sprache von Form und Farben sind erkennbare und messbare Größen der menschlichen Wahrnehmung – allerdings immer gefärbt durch die jeweilige Kultur und Verwendungsgeschichte.

 

Interaktion Schrift-Inhalt

 

Während die Typografie in ihrer 500jährigen Tradition vorrangig bestrebt ist, Texte möglichst komfortabel lesbar zu gestalten, will medienpsychologisch fundiertes Typo-Consulting mehr: Nämlich gemeinsam mit den schöpferischen Gestaltern klären, wie die Anmutung einer Schrift mit der Wahrnehmung des Zielpublikums übereinstimmt. „In den 1990er-Jahren dachten ich und viele in der grafischen Branche, dass es Schriften gibt, die gewisse Inhalte besser transportieren als andere, dass es also wirklich passende emotionale Druckschriften gibt“, zieht Gutschi nach 30 Jahren Praxiserfahrung Bilanz. Mittlerweile wisse man: Das stimmt. Aber nur zum Teil. Klar sei aus heutiger Sicht, dass der Betrachter immer etwas mit Schrift erlebt. Gemäß dem Zitat des bekannten deutschen Typografen und Buchgestalters Hans-Peter Willberg: „Ich sehe Schrift nicht nur, ich erlebe etwas mit Schrift.“

„Vorrangig wichtig ist es daher, die Interaktion von Schrift und Inhalt zu analysieren, denn hier findet eine komplexe Wechselwirkung statt“, erläutert der Experte. „Das Geschriebene, die Botschaft, wirkt auf die Schrift und umgekehrt.“ Die ästhetische Form der Schrift sei insofern zweitrangig. Wobei schon zwischen der wesentlich stärkeren Wirkung von Display- und Headline-Schriften und reinem Text, sogenannten Brotschriften, unterschieden werden sollte.

„Die Verwendungsgeschichte einer Schrift überlagert also die eigentliche Sprache der Buchstabenformen. Oder anders gesagt: Wir spüren das, was wir gelernt haben zu sehen“, so Gutschi. Nicht außer Acht lassen dürfe man darüber hinaus, dass typografische Gestaltung auch zeitlich begrenzten Trends unterliegt: „Schließlich ist die Wirkung einer Schriftform etwas anderes als die Summe der Einzelteile: Schriftart, Verwendungsgeschichte der Schrift, Farbe, Bildsprache, Image des Mediums oder des Inhaltes usw. – und das Ganze dann noch gefiltert durch eine subjektive Brille des Betrachters.“

Den vollständigen Artikel lesen Sie im neuen ExtraDienst!

Bildcredit: Messe Frankfurt Exhibition/ Marc Jacquemin